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Ein Kavalier sieht anders aus

Fehlerloses Duo: Christian Ahlmann und Codex One gewinnen den Grand-Prix des CSI Basel.

Fehlerloses Duo: Christian Ahlmann und Codex One gewinnen den Grand-Prix des CSI Basel.

Christian Ahlmann setzt sich im Longines Grand Prix des CSI Basel durch. Im Stechen um die Podestplätze konnte kein Schweizer mitmischen. Trotzdem zieht der Schweizer Equipenchef Andy Kistler eine positive Bilanz.

Zwei Frauen gegen einen Mann. So sah es im Stechen des Grand Prix beim CSI in Basel aus. Doch war es nicht der Tag der Frauen. Der Deutsche Christian Ahlmann zeigte sich überhaupt nicht als Kavalier und überliess seinen beiden Gegnerinnen lediglich die Plätze zwei und drei. Als einziger blieb Ahlmann auf Codex One während des gesamten Springens ohne Fehler. Auf Platz zwei landete die Französin Penelope Leprevost mit Vagabond de la Pomme vor der Titelverteidigerin Luciana Diniz auf Fit for Fun.

15 Paare hatten sich für den zweiten Umgang des Grand Prix qualifiziert, darunter acht ohne Fehler. Nur noch drei von ihnen blieben erneut fehlerfrei und mussten so im Stechen den Sieg unter sich ausmachen. Leprevost begann und leistete sich am dritten Hindernis einen Fehler. Ahlmann drückte danach nicht voll aufs Tempo, war schliesslich auch der langsamste des Trios, doch schliesslich zahlte sich seine Taktik aus.

Erster deutscher Sieg in Basel

«Ich habe Penelope genau angeschaut und sah zwei Wendungen, die mir nicht lagen, darum nahm ich etwas Tempo raus», sagte Ahlmann, der als erster Deutscher den GP in Basel gewann. «Ich wollte aber Luciana unter Druck setzen, weil ich wusste, wie schnell sie sein kann», sagte er. Es habe wohl für ihn einen «Netzroller» gebraucht und der sei dann auch passiert. «Ich bin aber sehr stolz auf mein Pferd und bin überglücklich, denn es war ein anspruchsvoller, aber fairer Parcours», sagte Ahlmann.

Den dritten Triumph nach 2013 und 2015 peilte Diniz, einer der Publikumslieblinge in Basel, an. Doch schon am zweiten Sprung war der Traum der Portugiesin zu Ende, die Stang fiel. Ein kollektives Aufstöhnen ging durch die St. Jakobshalle. Am Ende kam ein zweiter Fehler hinzu. So musste sie sich mit 50 000 Franken Preisgeld zufriedengeben. Leprevost nahm 75 000 Franken mit nach Hause und Ahlmann kassierte 100 000 Franken plus eine Uhr des Titelsponsors im Wert von 5000 Franken.

Dopingsperre und Ausschluss aus dem deutschen Team

41 Jahre alt ist Ahlmann. Er spielt noch Fussball in einer Hobbymannschaft und ist Fan von Schalke 04. Zum Reiten kam er über seinen Vater, der bei Trabrennen engagiert war. Ahlmann liess sich bei Paul Schockemöhle ausbilden und ritt später bei Ludger Beerbaum. 2004 gewann er mit Deutschland Bronze bei den Olympischen Spielen in Athen.

2008 wurde Ahlmann bei den Olympischen Spielen wegen des Verdachts auf Doping suspendiert und später für acht Monate gesperrt. Bis Ende Juli 2010 schlossen ihn die Deutschen aus allen Spingreiterkadern aus. Nach seiner Sperre gewann Ahlmann mit Taloubet Z den Weltcupfinal und führte von Dezember 2012 bis August 2013 die Weltrangliste an. In dieser Saison gewann er bereits drei Weltcupspringen, in Stuttgart, Madrid und Mechelen und führt damit die Weltcupwertung überlegen an. Auf der Weltrangliste belegt er im Moment Platz 9. Ahlmann lebt mit der belgischen Springreiterin Judy-Ann Melchior zusammen. Sie haben einen Sohn, Leon, der dreieinhalb Jahre alt ist.

Zufriedener Equipenchef 

Grundsätzlich zufrieden mit dem Turnier zeigte sich der Schweizer Equipenchef Andy Kistler mit seinen Schützlingen. «Vom ersten Durchgang des GP war sogar ich begeistert», sagte er. Mit Claudia Gisler, Martin Fuchs, Werner Muff und Jane Richard Philips ritten vier Schweizer fehlerfrei. Doch alle patzten im zweiten Umgang. «Und so fehlt mir der Exploit», sagte Kistler. Alles sei angerichtet gewesen, für ein Fest aus Schweizer Sicht. «Die volle Halle, ein begeistertes Publikum, da wäre doch schön gewesen, wenn wenigstens ein Schweizer im Stechen mitgemischt hätte», bedauerte Kistler.

So blieb Rang 10 von Richard Philips die beste Schweizer Platzierung. Gisler wurde 12. Fuchs und Muff landeten auf den Plätzen 14 und 15. Trotz des Patzers im zweiten Umgang war Richard Philips zufrieden. Das sei kein schlechtes Resultat auf dem Weg nach Rio. «Ich habe zwei gute Pferde, die Olympischen Spiele sind mein Ziel», sagte die 32-Jährige.

Neuer Zuschauerrekord

Der CSI Basel kommt immer besser an. Noch nie strömten so viele Fans in die St. Jakobshalle. Mindestens 5000 pro Tag kamen, mit 21 000 Besuchern gabs beim 7. Turnier einen neuen Rekord. «Das freut mich am meisten», betonte OK-Präsident Willy Bürgin. Reitsport vom feinsten sei es gewesen und das alles ohne Unfall: «Wir brauchten weder Arzt noch Tierarzt.»

«Man muss Bürgin und seiner Frau Ruth ein Kränzchen widmen», sagte Kistler. Das Turnier werde von Jahr zu Jahr besser. Und auch Sieger Ahlmann lobte: «Das ist ein supertolles Turnier.»

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