Vor gut einem Jahr wurde der Basler Wirtschaftsanwalt Martin Wagner von einem Nachbarn erschossen. Ein tragisches Ereignis für die Familie sowie ein grosser Verlust für den FCB-Präsidenten und Medienunternehmer Bernhard Burgener.

Seit dessen Anfängen als Videotheken-Betreiber war Wagner an seiner Seite, zimmerte die Verträge und kümmerte sich um sämtliche Schwierigkeiten. Kaum eine Vereinbarung der von Burgener kontrollierten Highlight-Communications-Gruppe war nicht über Wagners Pult gegangen.

In den Monaten nach der Gewalttat wurden Wagners Aufgaben neu verteilt, die Mandate neu vergeben. Nicht aber im einzig wirklich lukrativen Teil des verschachtelten Firmenkonsortiums: Bei der Team Holding und ihren Tochtergesellschaften ist Wagner im Handelsregister weiterhin als Präsident des Verwaltungsrats eingetragen.

Unternehmen sind gemäss Handelsregisterverordnung dem Wahrheitsgebot verpflichtet. Rino Siffert, stellvertretender Vorsteher des Eidgenössischen Handelsregisteramtes, sagt, eine eigentliche Fristvorgabe in Angaben von Tagen sehe zwar weder das Gesetz noch die Verordnung vor.

Es werde jedoch verlangt, dass ein wahrheitswidriger Eintrag «umgehend» beseitigt werde. Siffert sagt: «Nach dem Versterben eines Verwaltungsratspräsidenten muss dieser als Person aus dem Handelsregister gelöscht werden.»

Auf Anfrage erklärt Aloys Hirzel als Sprecher der Unternehmensgruppe: «Die nach dem Tod von Martin Wagner nötig werdende Neubesetzung des Verwaltungsrats der Team Marketing wird zurzeit vom Verwaltungsrat behandelt. Über die Wahl und Konstituierung des neuen Verwaltungsrats wird die Gesellschaft voraussichtlich Mitte März informieren.»

FCB-Präsident Burgener ist offiziell nicht über Details bei der Vermarktungsagentur informiert.

FCB-Präsident Burgener ist offiziell nicht über Details bei der Vermarktungsagentur informiert.

Sonderfall Team Marketing

In anderen Gremien wie dem Verwaltungsrat der ebenfalls zur Gruppe gehörenden Highlight Event and Entertainment (HLEE) wurde Wagner bereits im vergangenen Sommer ausgetragen. Doch die Team-Gruppe mit Sitz in Luzern hat eine Sonderstellung innerhalb der Highlight Communications.

Die Team-Gruppe arbeitet bloss mit einem Kunden, dem Europäischen Fussballverband Uefa. In dessen Diensten vermarktet sie exklusiv die Medien- und Sponsoringrechte für die Champions und Europa League. Jährlich spülen diese der Uefa 3,6 Milliarden Franken in die Kasse.

Bei der Team-Gruppe bleibt ein Aussenumsatz von gut 60 Millionen Franken, wobei 2017 gut 27 Millionen Franken als Ergebnis ausgewiesen wurden. In den ersten neun Monaten 2018 lag die Marge sogar über 50 Prozent. Entscheidend: Team Marketing ist bei Burgener ein kleinerer Umsatzträger, mehr als 80 Prozent erwirtschaftet er mit der ebenfalls zur Gruppe gehörenden Constantin Film.

Doch der Gewinn stammt praktisch ausschliesslich aus dem Fussballgeschäft. Burgeners finanzielles Highlight ist die Team Marketing.

Die Partnerschaft zwischen Team und der Uefa stand mehrfach auf Bewährung. Zuletzt, als Burgener sich anschickte, Präsident des FC Basel zu werden. Denn die Vereinbarung mit der Uefa sieht explizit Vorbehalte vor, sollte sich ein Vertragspartner an einem Klub beteiligen.

Aus diesem Grund kam es formell zu einer strikten Aufgabenteilung zwischen Wagner und Burgener: Wagner sollte sich beim FCB nicht einmischen und Burgener bei Team aus allen Gremien ausscheiden.

Gegenüber der «Basler Zeitung» sagte Wagner gar: «Die relevanten Informationen, die ich Burgener liefern werde, beschränken sich auf jene öffentlich zugänglichen Zahlen, die bei einem börsenkotierten Unternehmen jeder im Internet abrufen kann.» Anders gesagt: Für Burgener ist es nicht ganz einfach, Wagner zu ersetzen.

Abgeänderte Website

Dass sich die Highlight-Gruppe der Problematik des verstorbenen Verwaltungsratspräsidenten durchaus bewusst ist, zeigt sich auch in der Chronik der Website. Nach Wagners Tod wurde zunächst nur er von der Website als Verwaltungsrat gelöscht.

Seit einigen Monaten ist nun kein einziger Verwaltungsrat mehr auf der Website angeführt. Spätestens die Nachfrage, wer denn eigentlich das Millionen-Unternehmen als Präsident des Verwaltungsrats führe, hat nun Bewegung gebracht.