Fifa-Präsident Gianni Infantino ist nicht nur der Hüter des Fussballs, er ist auch der Herr der Lüfte. Seit seinem Amtsantritt am 26. Februar jettet er gemäss eigenen Aussagen mehr als die Hälfte seiner Zeit in der Welt herum. Im Auftrag des Fussballs. Mit der Mission, verlorenes Vertrauen in die Fifa zurückzugewinnen.

Die Kombination von Weltgewandtheit – Infantino spricht sechs Sprachen – und urchigem Walliser Charme kommt nicht erst seit seinem Präsidenten-Wahlkampf gut an. Sei es bei Russlands Machthaber Wladimir Putin oder bei afrikanischen Verbandspräsidenten.

Russland: Infantino trifft Präsident Wladimir Putin.

Russland: Infantino trifft Präsident Wladimir Putin.

«Keine Ahnung, wie viele Tage genau ich unterwegs war», sagt Gianni Infantino und lässt die «Nordwestschweiz» einen Blick in seine Agenda werfen. Allein in den letzten fünf Wochen war der 46-Jährige in acht Ländern auf vier verschiedenen Kontinenten zugegen.

Und die längste Reise fiel erst noch ins Wasser. Aus traurigem Anlass. Anstatt wie geplant ans Finalspiel der U20-Weltmeisterschaft der Frauen nach Papua-Neuguinea zu fliegen, nahm der Fifa-Präsident gleichentags am anderen Ende der Welt an der Trauerfeier des Fussballclubs Chapecoense teil. 19 Spieler des brasilianischen Erstligisten waren auf dem Weg an ein internationales Spiel in Kolumbien bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

Brasilien: Der Regen untermalt die Stimmung an der Trauerfeier für Chapecoense.

Brasilien: Der Regen untermalt die Stimmung an der Trauerfeier für Chapecoense.

Die Reisen seit Mitte November entsprechen in etwa dem Jahresschnitt von Infantinos Vielfliegerprogramm. Besonders wichtig waren dem Fifa-Chef die Diskussionen mit den Präsidenten und Generalsekretären aus mehr als 70 Mitgliedsverbänden anlässlich der drei Fussball-Gipfeltreffen in Paris und Singapur.

Diese neu ins Leben gerufenen informellen Konferenzen entstammen dem Reformprogramm der Fifa. Sie sind gedacht zur Erörterung von strategischen Themen und zum Gedankenaustausch. «Entscheidungen dürfen bei der Fifa künftig nicht mehr von oben diktiert werden», sagte Infantino bei den allerersten Meetings am 22. und 23. November in Paris, wo sich die Verbandsspitzen der französischsprachigen Länder trafen. Bis Anfang März finden in den USA, in Katar, in Äthiopien und England vier weitere dieser neuartigen Gipfeltreffen statt.

Der Terminkalender ist voll

Und was macht Gianni Infantino, wenn er zur Abwechslung am Fifa-Hauptsitz in Zürich in seinem Büro sitzt? Derzeit gehe es vor allem um die Vorbereitungen des nächsten Treffens des neuen Fifa-Rates am 9. und 10. Januar. Dort wird über den künftigen Modus der Weltmeisterschaft entschieden.

Japan: Gianni Infantino überreicht Cristiano Ronaldo an der Klub-WM die Trophäe.

Japan: Gianni Infantino überreicht Cristiano Ronaldo an der Klub-WM die Trophäe.

Um diesen drehe sich in der täglichen Arbeit viel, sagt Infantino. Nicht nur bei den Planungen für das Januars-Treffen des «Fifa-Verwaltungsrates», sondern auch in Interviews mit internationalen Medien. Infantino macht dabei aus seiner Sympathie für neu 48 Mannschaften und einem Vorrunden-Modus mit 16 Dreiergruppen kein Geheimnis.

Der Terminkalender des Wallisers präsentiert sich randvoll. Neben diversen Kommissionssitzungen stehen auch Treffen mit Fussballpräsidenten an. So empfing er in den letzten Wochen etwa die Chefs des irakischen und des englischen Verbandes. Um auch mit ihnen einen gemeinsamen Nenner zu finden, wenn es um die Zukunft des Fussballs geht.