Nächsten Montag erscheint ein bemerkenswertes Buch. Der dänische Uni-Professor Verner Møller und sein englischer Berufskollege Paul Dimeo stellen darin dem heutigen System zur Bekämpfung von Doping ein miserables Zeugnis aus.

Ihr kritisches und provokatives Werk «Die Antidoping-Krise im Sport: Ursachen, Folgen, Lösungen» kommt zum Schluss, dass sich die Antidoping-Bewegung an einem historischen Tiefpunkt befindet und sich wegen falschen Ansätzen in eine Sackgasse manövriert hat.

Das Buch der beiden Wissenschafter zielt eindeutig und frontal auf die Welt-Antidoping-Agentur Wada, die zwar ein Imperium und eine eigene Ideologie, damit aber auch ein System voller Misserfolge und ungelöster Krisen geschaffen habe.

Die Autoren schreiben vom stets gleichen Muster – einer kurzfristigen Überreaktion auf Skandale und den langfristigen Aufbau von immer mehr Bürokratie und Regeln. Das Buch prangert zwei Dinge besonders an: die Ineffizienz des Kontrollsystems sowie die unwürdige Behandlung der Sportler und deren Ausschluss von Entscheidungsprozessen.

Sie schreiben von einer Kluft zwischen der Realität und der Anzahl positiver Tests, die bei rund einem Prozent liegt. Dabei deuteten viele Hinweise auf den Gebrauch von leistungssteigernden Medikamenten bei gut 20 Prozent aller Spitzensportler.

Ich habe Verner Møller in New York erreicht, um über seine bewusst provokativen Lösungsansätze zu diskutieren. Er fordert tiefgreifende Reformen, glaubt aber nicht an deren Umsetzung, weil solche die Karrieren vieler Funktionäre infrage stellen würden.

Der Wissenschafter sagt, dass heute die Sportler mit den besten Ärzten die besten Siegeschancen hätten. Antidoping sei gegründet worden, um die Athleten zu schützenund faire Wettkämpfe zu garantieren. Derzeit beschütze es vor allem die Geschäftsinteressen des Sports. «Der Sport ist heute noch unfairer als in den Neunzigerjahren» lautet seine gewagte These.

Møller fordert unter anderem, dass Athleten nur noch zu Wada-geprüften Ärzten gehen dürfen, dass Schmerzmittel auf die Dopingliste kommen und besonders resolut die Abschaffung von Ausnahmebewilligungen (TUE’s) für den Einsatz von verbotenen Medikamenten zu Therapiezwecken.

Es sei absurd, dass ausgerechnet die «Kranken» wie die Radfahrer Froome und Wiggins oder der Langläufer Sundby am Schluss die Sieger eines Wettkampfs seien. Aber diese Namen seien es halt auch, die das Geld «in dieser Show» garantieren. Also müssen sie am Start stehen. Koste es, was es wolle.