Challenge League
Dylan Stadelmann taucht in Wil ein in die Märchen aus 1001 Nacht

Der steinreiche FC Wil lebt den Challenge-League-Wahnsinn. Die «Nordwestschweiz» zeigt die Situation anhand des Portemonnaies vom ehemaligen Wohlen-Spieler Dylan Stadelmann auf.

Ruedi Kuhn
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Dylan Stadelmann (rechts, hier noch im Dress von Wohlen) ist bei seinem neuen Arbeitgeber in der Ostschweiz finanziell auf Rosen gebettet.

Dylan Stadelmann (rechts, hier noch im Dress von Wohlen) ist bei seinem neuen Arbeitgeber in der Ostschweiz finanziell auf Rosen gebettet.

Keystone

Es gibt Tage, an denen spielt das Leben einfach verrückt. Im folgenden Fall positiv verrückt! Dylan Stadelmann kam es vor, als sei ihm ein Goldesel über den Weg gelaufen. Den 12. Januar 2016 wird der 25-Jährige jedenfalls niemals vergessen! Der Reihe nach: Abdullah Cila, der Sportchef des Challenge-League-Tabellenzweiten FC Wil, nimmt an diesem Dienstag Kontakt mit Stadelmann auf. Cila hat Interesse an der Verpflichtung des Rechtsverteidigers vom FC Wohlen. Stunden später öffnet Stadelmann sein Mail-Postfach – und traut seinen Augen nicht. Das Angebot der Ostschweizer übertrifft die Erwartungen des Romands. Und zwar bei weitem!

Dann fragen wir doch nach: Dylan Stadelmann, was verdienen Sie monatlich beim FC Wil? 10 000 Franken? «Ein bisschen mehr», verrät der 25-Jährige ohne zu zögern. «Als ich den Betrag gelesen habe, war klar, dass ich zu Wil wechseln werde. Weil die Mannschaft schon am 13. Januar in ein Trainingslager reiste, musste alles schnell gehen. Ich habe den Vertrag unterschrieben, mich von den Kollegen in Wohlen verabschiedet und die Wohnung geräumt.»

Bessere Perspektiven

Stadelmanns schnelle Entscheidung für den Wechsel ist nachvollziehbar. «In Wohlen habe ich 4800 Franken pro Monat verdient. Das war absolut okay, aber natürlich keine Alternative zum Super-Angebot aus Wil», sagt er. Wir halten also fest: Stadelmann hat mit dem Wechsel vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter sein Gehalt mehr als verdoppelt. Kommt dazu: Sollte den Ostschweizern tatsächlich der Sprung in die Super League gelingen, erhält Stadelmann für jeden Sieg in der der Rückrunde dieser Saison eine Erfolgsprämie von 3000 Franken ausbezahlt! Wahnsinn!

Für Stadelmann geht es nach eigener Aussage aber in erster Linie um die sportlichen Perspektiven. Und die sind in Wil nun mal weitaus besser als in Wohlen. «Natürlich ist der Lohn sensationell», erklärt Stadelmann. «Aber für mich ist das Sportliche viel wichtiger als das Geld. Beim FC Wil habe ich die Möglichkeit, in der Karriere einen Schritt nach vorne zu machen. Vielleicht bietet sich mir früher oder später sogar die Riesenchance, in der Super League spielen zu können. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass der Vertrag bis im Juni 2018 dauert.»

Wiedersehen mit Wohlen

Nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren in Wohlen will Stadelmann mit dem FC Wil also in die Super League. Dafür ist der 1,68 Meter grosse und 67 Kilogramm schwere Terrier bereit, all seine Kräfte zu mobilisieren. In den bisherigen drei Partien gegen Schaffhausen (3:0), Le Mont (3:0) und Lausanne (1:2) zählte der kleine Mann mit dem grossen Kämpferherzen zur Startformation und liess auf seiner Abwehrseite nichts, aber auch gar nichts anbrennen.

Auf das heutige Heimspiel gegen seinen früheren Verein Wohlen freut sich Stadelmann natürlich ganz besonders: «Natürlich wird das Wiedersehen mit meinen ehemaligen Teamkollegen eine emotionale Geschichte», blickt er voraus. «Aber für uns gibt es so oder so nur eines: Nach dem bitteren 1:2 im Spitzenkampf in Lausanne beträgt der Rückstand auf die Waadtländer schon neun Punkte. Wollen wir den Aufstieg nicht aus den Augen verlieren, müssen wir Wohlen schlagen.»

Auch im Zuhause wohlig gebettet

Sportlich läuft es Stadelmann rund. Er hat den Stammplatz in der Viererabwehrkette auf sicher. Neben dem Spielfeld geht es auch aufwärts. Nachdem er in den vergangenen Wochen im Hotel Schwanen in Wil gewohnt hatte, bezieht er Anfang März eine 31⁄2-Zimmer-Wohnung in Münchwilen. Mitte dieser Woche reiste er mit Teamkollege Johann Vonlanthen nach St. Gallen und kaufte sich ein grosses Bett. Stadelmann ist dankbar für die Chance, die ihm Wil bietet. Sehr dankbar sogar. Kein Wunder: Der Aussenverteidiger hat bei Lausanne, Yverdon, Malley und Stade Nyonnais auch andere, härtere Zeiten erlebt.

«Zu Beginn meiner Profikarriere verdiente ich nur wenig Geld», blickt Stadelmann zurück. «Um über die Runden zu kommen, brauchte ich einen Zusatzverdienst. In Lausanne beispielsweise arbeitete ich früh am Morgen bei Manor in der Früchteabteilung.» Damit ist beim FC Wil definitiv Schluss. Hier kann er sich einzig und allein auf Fussball konzentrieren.