Europa League

Duell der Wahrheit: In Zypern geht es für den FCB und Trainer Koller um alles

Das Sechzehntelfinale in der Europa League könnte über die Zukunft von Marcel Koller entscheiden.

Das Sechzehntelfinale in der Europa League könnte über die Zukunft von Marcel Koller entscheiden.

Das Duell zwischen Basel und Nikosia im Sechzehntelfinal der Europa League ist für den FCB und seinen Trainer Marcel Koller auf mehreren Ebenen richtungsweisend.

Vor dem Flug nach Zypern will Marcel Koller nicht wie gewohnt mit Journalisten sprechen. Deren Fragen werden erst an der offiziellen Pressekonferenz mit dem Trainer des FC Basel am Abend beantwortet. Am Abflug-Gate in Basel und auch dreieinhalb Stunden später am Gepäckband am Flughafen in der zypriotischen Küstenstadt Larnaca ist lediglich FCB-Sportdirektor Ruedi Zbinden Kollers Gesprächspartner. Auch Präsident Bernhard Burgener ist mit der Mannschaft geflogen. Das hat er seit seiner Übernahme im Sommer 2017 noch nie getan. Burgener wechselt bei dieser Gelegenheit ein paar Worte mit Koller. Doch die drängenden Fragen zum Trainer wollen auch die Bosse nicht beantworten. Auch sie ziehen es vor, zu schweigen. Der Fokus soll auf dem Sportlichen liegen: dem Hinspiel in den Sechzehntelfinals der Europa League gegen Apoel Nikosia.

Ruedi Zbinden, Bernhard Burgener und Marcel Koller am Flughafen in Larnaca.

Ruedi Zbinden, Bernhard Burgener und Marcel Koller am Flughafen in Larnaca.

An der Pressekonferenz erklärt Koller, dass er die Rückendeckung von Zbinden und Burgener spüre. Auch der Druck sei jetzt nicht grösser als sonst: «Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Du musst immer gewinnen. Das ist bei allen Mannschaften so, sonst setzt die Presse den Trainer unter Druck. Das kennen wir ja und das darf uns nicht beeindrucken. Wenn du damit nicht umgehen kannst, musst du etwas anderes machen», sagt Koller. Seine ungewohnt ausführliche Antwort zu diesem Thema zeigt, wie angespannt die Situation beim FCB ist.

Marcel Koller: "Du musst immer gewinnen. Das ist bei allen Mannschaften so, sonst setzt die Presse den Trainer unter Druck. Das kennen wir ja und das darf uns nicht beeindrucken."

Marcel Koller: "Du musst immer gewinnen. Das ist bei allen Mannschaften so, sonst setzt die Presse den Trainer unter Druck. Das kennen wir ja und das darf uns nicht beeindrucken."

Die vier Niederlagen aus den letzten fünf Ligaspielen sind nicht spurlos an den Verantwortlichen vorbeigegangen. Dass Rotblau insgeheim immer noch vom Meistertitel träumt, liegt einzig und allein daran, dass auch St. Gallen und vor allem YB zuletzt einige Punkte liegen liessen. Doch trotz der Schwäche der Konkurrenz ist der FCB immer noch nur fünf Punkte hinter dem Leaderduo. Das zeigt, wie sehr Basel den eigenen Ansprüchen in der Liga hinterherhinkt.

Die Europa League war für den FCB in dieser Saison deswegen wie Ferien für ein Schulkind. Sie machte Spass und lenkte vom tristen Ligaalltag ab. So früh wie noch nie sicherte sich der FCB das Weiterkommen und wurde in einer schwierigen Gruppe am Ende mit 13 Punkten Erster. Davon profitiert auch die Schweiz. Mehr als die Hälfte aller Punkte in der Uefa-Fünfjahreswertung hat der FCB geholt. An Rotblau liegt es definitiv nicht, dass die Schweiz nur auf Rang 20 und damit fünf Plätze hinter Zypern liegt. Trotzdem wird es für Schweizer Teams in den nächsten Jahren sehr schwer, eine europäische Gruppenphase zu erreichen, geschweige denn zu überwintern.

Dass solche K.o.-Spiele wie gegen Apoel Nikosia in Zukunft eher seltener mit Basler Beteiligung stattfinden, beschäftigt die FCB-Spieler aktuell noch nicht. Sie freuen sich auf das Duell, in dem es um so viel geht. «Wir haben Selbstvertrauen getankt und wollen eine gute Ausgangslage schaffen», sagt Rechtsverteidiger Silvan Widmer und meint natürlich das internationale Selbstvertrauen. Denn das ist in dieser Saison offenbar losgelöst vom Liga-Selbstvertrauen.

Windet sich Koller auch aus der nächsten Schlinge?

Die beiden Spiele gegen Nikosia haben vor allem für Trainer Marcel Koller eine besondere Bedeutung. Setzt sich sein FCB durch, ist die Europa League auch im neuen Jahr eine Wohlfühl-Oase, die dem Trainer zumindest kurzfristig den Job retten könnte. Scheidet der FCB jedoch aus, brennt der Baum so richtig. Denn bei allem Respekt vor dem zypriotischen Rekordmeister hat beim FCB jeder den Anspruch, in diesem Duell ins Achtelfinale einzuziehen. «Das Weiterkommen ist unser Ziel. Wir haben mit Zypern ja noch eine Rechnung offen», sagt Captain Valentin Stocker. Er spricht das 0:1 und das damit verbundene Ausscheiden aus der Europa-League-Quali im August 2018 gegen Apollon Limassol an. Jetzt spielt der FCB im gleichen Stadion, nur gegen einen anderen Gegner. Einen, der Limassol am vergangenen Wochenende mit 4:1 besiegte.

Für Koller begann damals nach dem Ausscheiden in Zypern die erste von vielen Unruhen. Es folgte die Spielerrevolte im Dezember 2018, das Trainer-Chaos im Sommer 2019 und die aktuelle Ergebniskrise, verbunden mit der ungeklärten Posse um den auslaufenden Vertrag des Trainers. Bisher hat Koller mit seiner bemerkenswert stoischen Art all diese Störfeuer wieder irgendwie löschen können. Ein Ausscheiden gegen Nikosia dürfte allerdings wie ein Brandbeschleuniger wirken.

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