Grand-Slam-Titel

Duell der Giganten als interaktive Grafik: Wie Nadal Federers Rekord einstellte – und wie weit Djokovic noch entfernt ist

Rafael Nadal mit der Coupe des Mousquetaires.

Rafael Nadal mit der Coupe des Mousquetaires.

Rafael Nadal gewinnt bei den French Open seinen 20. Grand-Slam-Titel und stellt damit Roger Federers Rekordmarke ein. Der Schweizer war bei seinem letzten Major-Triumph bereits zwei Jahre älter als der Spanier.

Wenn Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic auf dem Platz stehen, dann haben sie immer zwei Gegner: jenen auf der anderen Seite des Netzes, und die Geschichte. Seit anderthalb Jahrzehnten duellieren sich die drei Giganten des Männertennis um Titel und Rekorde. Federer hielt lange die beiden wichtigsten Marken: jene für die meisten Titel bei Grand-Slam-Turnieren und jene für die meisten Wochen an der Spitze der Weltrangliste (310 Wochen). Seit dessen 13. Erfolg bei den French Open teilt sich Federer den erstgenannten Bestwert mit Rafael Nadal, der bei seinem 20. Grand-Slam-Titel zwei Jahre jünger war als Federer 2018 bei seinem Australian-Open-Sieg (36 Jahre, 5 Monate und 20 Tage).

Bereits wenige Minuten nach Nadals Final-Triumph gegen Novak Djokovic (natürlich er) gratulierte Federer dem Spanier. «Ich hatte schon immer den allergrössten Respekt für meinen Freund Rafa, als Person und als Champion.» Sie hätten sich als grösste Rivalen gegenseitig zu besseren Spielern gemacht. Es sei ihm eine Ehre, Nadal zum 20. Grand-Slam-Titel zu gratulieren. 13 Titel in Paris seien «besonders faszinierend» und «eine der grössten Erfolge im Sport überhaupt». Er gratuliere auch Nadals Team – niemand könne das alleine. «Ich hoffe 20 ist nur ein Schritt auf dem weiteren Weg von uns beiden. Gut gemacht, Rafa. Du verdienst es.»

Djokovic dominierte das letzte Jahrzehnt

Nadal und Federer auch dicht auf den Fersen ist Novak Djokovic. Der 33-jährige Serbe dominierte das Männertennis im letzten Jahrzehnt mit kurzen Unterbrüchen wie keiner zuvor. Djokovic gewann 10 der letzten 23 Grand-Slam-Turniere, Nadal kommt in der gleichen Zeitspanne auf 6 Titel, Federer «nur» auf deren 3. Zudem ist er mit 33 Jahren der Jüngste der drei Giganten und führt die Weltrangliste in der 289. Woche an. Schon im nächsten Frühling dürfte Djokovic Federer an der Spitze dieser ewigen Rangliste ablösen. Selbst Nadal, der die Weltrangliste während 209 Wochen anführte, hat nur theoretische Chancen, ihn noch zu überholen.

Federer und Nadal haben immer wieder erwähnt, dass die Rekorde für sie nur ein schöner Nebeneffekt seien. Sie würden für die Erinnerungen und die Emotionen spielen, die ihnen nur der Sport schenken könne. Nicht so Novak Djokovic. Es interessiert ihn nur, der Beste zu sein - der Beste der Gegenwart, der Beste der Epoche, und der Beste, der je Tennis gespielt hat. Er sagt: «Ich habe genug erreicht, um von einem Moment auf den anderen aufzuhören. Doch ich tue es aus zwei Gründen nicht: Erstens macht es mir Spass, und zweitens möchte ich Geschichte schreiben. Ich möchte so viele Grand-Slam-Titel holen wie möglich, und ich möchte auch den Rekord für die meisten Wochen an der Spitze der Weltrangliste.»

Von 2005 bis 2020 gewann Rafael Nadal 13 Mal die French Open.

Von 2005 bis 2020 gewann Rafael Nadal 13 Mal die French Open.

Novak Djokovic: «Ich habe eine dicke Haut»

Nach seinem Triumph bei den Australian Open zum Jahresbeginn schien es nur eine Frage der Zeit, bis Djokovic erst zu Nadal und dann zu Federer aufschliessen würde. Zumal die beiden Kontrahenten auf eine Teilnahme bei den US Open verzichteten - Federer, weil er verletzt war, Nadal, weil er den French Open mehr Aufmerksamkeit schenken wollte. Djokovic wurde in den Achtelfinals disqualifiziert, nachdem er eine Linienrichterin mit einem Ball am Hals getroffen hatte. Die Niederlage im Paris-Final bindet ihn im Rennen der Giganten zurück. Entscheidend? Wohl eher nicht, wie er nach seiner zehnten Niederlage in einem Grand-Slam-Final klarstellte.

Djokovic bekräftigte nach der Niederlage im Paris-Final seine Ambitionen.

Djokovic bekräftigte nach der Niederlage im Paris-Final seine Ambitionen.

Er strebe es noch immer an, alle Rekorde zu brechen. «Würde ich denken, dass es dafür zu spät ist, würde ich meine Karriere heute beenden», sagte er. «Aber ich mache weiter, so lange meine Beine mich tragen, so lange ich diese Liebe und diese Lust auf den Sport verspüre.» Eine Niederlage könne ihn nicht destabilisieren. «Ich habe eine dicke Haut entwickelt.». Wenn er die historische Nummer-1-Marke von Federer gebrochen habe, würden die Grand-Slam-Titel noch mehr in den Fokus rücken. «Federer, Nadal und ich sind oft genug abgeschrieben worden. Aber wir kamen immer wieder zurück. Weil wir die Besten der Welt sind.» Die Giganten des Welttennis.

Meistgesehen

Artboard 1