Wer an die Umfrage unter Olympioniken im Magazin «Sports Illustrated» denkt, wundert sich nicht. Erschreckende 98 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zwecks Leistungssteigerung zu illegalen Substanzen greifen würden, wenn diese ihnen den Sieg garantieren und sie dabei sicher nicht erwischt werden.

Das «Journal of Sports Medicine» schreibt, dass bereits römische Gladiatoren vor den Wagenrennen im Kolosseum Kräutertees mit halluzinogenen und stimulierenden Kräften tranken. Später, vor 130 Jahren, nahmen in Frankreich Radrennfahrer für ein Plus an Energie Wein mit Kakaoblättern zu sich.

Bei den Olympischen Spielen von 1904 war ein Mix aus Kokain, Heroin und Strychnin angesagt. In der olympischen Geschichte gab es lange keine Einschränkungen, was ein Sportler zu sich nehmen darf. Erst der Tod des Velorennfahrers Knut Jensen bei den Sommerspielen 1960 – er hatte eine grosse Menge Amphetamine im Körper – führte zur Ausarbeitung von Dopingregeln.

Skandalspiele in Sotschi

Erste Tests nahm man bei den Olympischen Spielen von 1968 in Mexiko vor. Die zweifelhafte Ehre des ersten überführten Athleten gebührt dem Schweden Hans-Gunnar Liljenwall. Der Moderne Fünfkämpfer trank schlicht zu viel Bier und wurde mit einem Blutwert von 0,81 Promille anstatt der damals erlaubten 0,5 Promille erwischt.

Vier Jahre später in München blieben bereits sieben Sportler in den Kontrollen hängen. Ephedrin und Amphetamine waren die verwendeten Substanzen. 1976 kamen die ersten Anabolika-Fälle ans Licht, acht von elf erwischte Athleten stemmten Gewichte. Die spektakulärsten Olympia-Doper allerdings stammten aus der Leichtathletik: die Sprintstars Ben Johnson (1988) und Marion Jones (2000).

Weit weniger gedopte Olympioniken erwischte man im Winter. Bis vor den Skandalspielen 2014 in Sotschi waren es gerade einmal 21, mehr als die Hälfte davon aus dem Langlauf. Am wirkungsvollsten geschah dies 2002 in Salt Lake City. Mit dem für Spanien startenden Deutschen Johan Mühlegg und den beiden Russinnen Olga Danilowa und Larissa Lassutina blieben drei Olympiasieger in den Kontrollen hängen.

Jahre später deckten schwedische Journalisten auf, dass noch viel mehr Medaillengewinner im Langlauf damals wohl gedopt waren. Nachträglich analysierte Blutwerte verrieten sie. Angesichts der aktuellen Skandale nicht mehr als eine Randnotiz in der Geschichte des Dopings.