Doping-Vorwurf
Das ist das «Hochleistungs-Sugus», das Kariem Hussein zum Verhängnis wurde

Der Schweizer Hürdenläufer Kariem Hussein wurde positiv auf das Dopingmittel Nikethamin getestet und neun Monate gesperrt. Er ist nicht der einzige, dem ein scheinbar harmloses «Sugus» eine Zwangspause bescherte.

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Gly-Coramin, das Dopingmittel, das Kariem Hussein die Olympia-Teilnahme kostet, ist so etwas wie ein Hochleistungs-Sugus: Jeder kann die Lutschtabletten kaufen, Schüler kauen sie vor Prüfungen, Omas vor Wanderungen. Schon Hitler wurde Coramin zur Stärkung verabreicht, so berichtet die Schweizerische Depeschenagentur (SDA).

Coramin, respektive sein Hauptwirkstoff Nikethamid, wurde 1924 erfunden und wurde seither gegen physische wie psychische Erschöpfung eingesetzt. Coramin werde auch oft verwendet, um die Einnahme von zu viel Beruhigungsmitteln auszugleichen. Seine stimulierende Wirkung beruht auf der Steigerung der Sympathikusaktivität im zentralen Nervensystem. Das Mittel war so beliebt, dass der Basler Chemiker Albert Hofmann ein Konkurrenzprodukt zur Pharmafirma Ciba erschaffen wollte. So entstand LSD, berichtet die SDA weiter.

Scheinbar nur ein aufgemotztes Bonbon

Das «Hochleistungs-Sugus» Gly-Coramin ist aber in Apotheken frei erhältlich und man darf bis zu zehn Stück am Tag davon nehmen, es ist also nicht mit LSD vergleichbar. Diese hohe Dosierung gibt auch das Gefühl, dass es sich um ein besseres Traubenzückerchen handelt. Spätestens 2006 wurde aber bekannt, dass es als Dopingmittel gilt, weil eine Plakatkampagne die Kautablette für Snowboarder bewarb.

Es folgte eine öffentliche Diskussion, und Beat Villiger, damaliger Chefarzt von Swiss Olympic, erklärte: «Dass junge Sportler mit einem solchen Medikament angesprochen werden, kann nicht toleriert werden.» Laut SDA steht denn im Beipackzettel auch, dass Gly-Coramin nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verabreicht werden darf und ausserdem auf der Dopingliste stehe.

Hussein ist kein Einzelfall

Trotzdem ist Hürdenläufer Kariem Hussein bei weitem nicht der einzige Sportler, dem das scheinbar harmlose Sugus zum Verhängnis wurde. Kurios war dabei der Fall des Schwingers Bruno Gisler. Der damals 30-jährige Solothurner wurde 2013 am Eidgenössischen Fest in Burgdorf positiv auf Nikethamid getestet. Er behauptete, so die SDA, er habe versehentlich daheim im Medikamentenschrank den Spagyrik-Spray seiner Frau gegen Schwangerschaftserbrechen mit seinem Grippemittel verwechselt. Und da waren weitere.

Diese Sportler wurden positiv auf Nikethamin getestet und gesperrt:

  • Kroatischer Tennisspieler Marin Cilic (2013)
  • US-Sprint-Weltmeister Torri Edwards (2004)
  • Russische Biathletin Albina Achatowa (2003)
  • Schweizer Beachvolleyballer Bernhard Vesti (2002)
  • Schweizer Tischtennisspielerin Christelle Cherix (2000)
  • Polnischer Kugelstösser Pjotr Perzylo (1994)
  • Französischer WM-Dritte im Riesenslalom Christelle Guignard (1989)
  • Spanischer Radrennfahrer Jaime Huelamo (1972)

(CH Media)

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