Eishockey
Dieser SC Bern ist zu gut für den HC Davos

Die Berner gewinnen auch den zweiten Halbfinal gegen den HC Davos mit 2:1 und führen nun in der Playoff-Serie mit 2:0-Siegen.

Marcel Kuchta, Bern
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Bern setzte den HC Davos auch im zweiten Halbfinal-Spiel unter Druck und gewann sein sechstes Playoff-Spiel in Folge.

Bern setzte den HC Davos auch im zweiten Halbfinal-Spiel unter Druck und gewann sein sechstes Playoff-Spiel in Folge.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Wenn es eine Szene gebraucht hätte, die den Stand der Dinge in dieser Halbfinalserie auf den Punkt gebracht hätte, dann war es diese: HCD-Verteidiger Beat Forster schwang seinen Stock einhändig und punktgenau auf das Handgelenk von SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht. Forster wurde für seine Aktion des Feldes verwiesen – und das bei einem 0:2-Rückstand. Rüfenacht kehrte kurz darauf wieder zurück. Offenbar war die Wirkung von Forsters Attacke nicht allzu schlimm – und die Berner Nervensäge vom Dienst ein guter Schauspieler.

Doch genau in diesem Moment kam der ganze Frust, der sich beim Davoser während der vorangegangenen 48 Minuten angestaut hatte, ungebremst zum Vorschein. Der HCD wusste in diesem Moment in der Person von Bösewicht Forster keine andere Antwort mehr auf die Dominanz des SCB als rohe Gewalt. Die Berner hatten es auch im zweiten Duell geschafft, die Nerven ihres Kontrahenten zu strapazieren. Und zwar nicht durch unfaire Scharmützel oder übertriebene Härte, sondern schlicht und einfach dadurch, dass sie die bessere Mannschaft waren.

Erstaunliche Entwicklung der Berner

Der SC Bern hat innerhalb der letzten paar Wochen die wohl erstaunlichste Entwicklung aller NLA-Teams seit langer Zeit gemacht. Aus einer Mannschaft, die noch vor einem Monat um die blosse Teilnahme an den Playoffs kämpfen musste, ist nun ein erstzunehmender Titelkandidat geworden. Die Berner waren in ihrer momentanen Verfassung im Viertelfinal zu gut für Qualifikationssieger ZSC Lions. Und sie sind – das muss man nach den ersten beiden Halbfinalspielen feststellen – auch zu gut für den amtierenden Meister HC Davos. Die Gründe für diese unheimliche Wandlung vom Playout- zum Titelkandidat sind zahlreich.

Klar ist, dass der Überraschungscoup gegen die ZSC Lions das Selbstvertrauen in einem riesigen Mass gestärkt hat. Die Berner Spieler agieren allesamt einen Kopf grösser und zehn Kilo schwerer, als sie normalerweise sind. Das wirkt sich vor allem in einem ausgezeichneten Zweikampfverhalten aus. Was man vor der Serie nicht für möglich gehalten hätte, ist jetzt Tatsache. Die SCB-Spieler gewinnen 75 Prozent der Zweikämpfe – und das gegen die als so kampfstark berüchtigten Davoser.

Der zweite Grund für die Berner Überlegenheit ist, dass es Headcoach Lars Leuenberger gelungen ist, die HCD-Taktik mit den schnellen Auslösungen zu neutralisieren. Einerseits mit exzellentem Forechecking, andererseits mit ausgezeichnetem Stellungsspiel. Die Davoser Angriffsmaschinerie kam auch gestern kaum einmal richtig in Schwung.

Del Curto muss nun tief in die Trickkiste greifen

Der dritte Grund betrifft die Defensive. Während der Berner Abwehrverbund vor Goalie Jakub Stepanek, der gestern nur selten wirklich geprüft wurde, absolut souverän und solid agierte, schlichen sich beim HCD immer wieder Fehler ein. Das betraf nicht nur die Jungen wie Heldner, Kindschi oder Jung, sondern vor allem auch den völlig indisponierten Félicien Dubois, der derzeit mehr mit sich zu kämpfen hat. Und dann war da eben noch Routinier Beat Forster, dem der Kragen platzte und damit seine Mannschaft zur Unzeit noch mehr in die Bredouille manövrierte.

Noch hat der HCD alle Chancen, diese Serie doch noch zu seinen Gunsten zu entscheiden. Davos-Trainer Arno Del Curto muss nun aber tief in die Trickkiste greifen, wenn er dem Lauf der Dinge entgegenwirken will.