Schwingen

Diese Nordwestschweizer Schwinger dürfen sich jetzt stolz «Eidgenossen» nennen

Die Nordwestschweizer holen am Eidgenössischen In Estavayer fünf Kränze - für drei Athleten ist es eine Premiere.

Irgendwie sind die Nordwestschweizer auch ein bisschen König. Auch wenn es in Estavayer nicht geklappt hat mit dem Sieg am Eidgenössischen. Doch Matthias Glarner, der neue König, hat sich seine Form am Nordwestschweizerischen geholt. Als Gast belegte er vor drei Wochen den geteilten dritten Rang. Damals waren Bruno Gisler und Janic Voggensperger besser.

Vom Titel in Estavayer waren Gisler und Co. dann aber ein gutes Stück entfernt. Highlights gab es trotzdem. Fünf Kränze holten die Nordwestschweizer Athleten und somit zwei mehr als vor drei Jahren in Burgdorf und einen mehr als 2010 in Frauenfeld. Aber noch wichtiger: Die Nordwestschweiz hat mit Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und David Schmid drei neue Eidgenossen. Der in den letzten Jahren schmerzlich vermisste Nachwuchs ist da. Endlich neue Eidgenossen!

Alpiger ist erst 19 Jahre alt. Räbmatter 24 und Schmid ist mit 26 auch noch in einem Alter, um in drei Jahren dann vielleicht sogar um den Titel mitzureden.

Die altgedienten Eidgenossen

Der Nachwuchs ist für die Nordwestschweiz umso wichtiger, weil die beiden anderen Kranzer des «Eidgenössischen» in Estavayer eher am Ende ihrer Karriere stehen. Bruno Gisler ist bereits 33 Jahre alt und Mario Thürig 31. Zwar haben beide bereits angedeutet, dass ihre Karriere durchaus noch weiter gehen kann. Doch für die langfristige Zukunft sind neue Eidgenossen für den Verband von grosser Bedeutung. Zumal gestern mit Christoph Bieri, der zuvor neben Gisler und Thürig letzte noch aktive Eidgenosse den Kranz ganz knapp verpasste.

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Der 30-jährige Bieri verpasste seinen vierten eidgenössischen Kranz nur um 0,25 Punkte. Dieses Schicksal teilten drei weitere Nordwestschweizer, die ihren ersten Kranz haudünn verpassten, mit ihm. Wobei der Freiämter Lukas Döbeli erst 16-jährig ist und damit der mit Abstand jüngste Schwinger in den vorderen Rängen. Das sind schöne Vorzeichen für das nächste «Eidgenössische» 2019 in Zug.

Die dominanten Aargauer

Doch zurück nach Estavayer. Patrick Räbmatter fand kaum Worte, als sein Kranzgewinn feststand. Der Aargauer hatte sichtlich Mühe, seine Tränen zurückzuhalten, während ihm zahlreiche Gratulanten um den Hals fielen. «Unglaublich, einfach unglaublich», sagte er. «Ruf mich später an, ich muss erst duschen und das alles realisieren.» Die Auszeichnung des Eidgenossen ist im Schwingsport der Ritterschlag. Das muss erst verdaut werden.

Zu Räbmatters Gratulanten gehörte natürlich sein Aargauer Verbandskollege Nick Alpiger: «Du geile Siech», sagte er zum Kollegen. Überhaupt waren es die Aargauer, die für die Nordwestschweizer Highlights sorgten. Der dritte Neueidgenosse, David Schmid, lebt und schwingt im Fricktal. Mario Thürig ist ebenfalls im Aargau zu Hause. Apropos Thürig. Der 31-Jährige holte an seinem fünften «Eidgenössischen» den fünften Kranz (!). Eine Leistung, die nur ganz wenigen gelingt. Dabei hatte sich Thürig vor drei Wochen das Kreuzband gezerrt. Was für ein Comeback!

Der einzige Nordwestschweizer Kranzgewinner, der nicht im Aargau lebt, ist Bruno Gisler. Der für den Solothurner Verband schwingende und im Kanton Bern lebende Routinier holte seinen dritten eidgenössischen Kranz. «Nachdem ich am Sonntagmorgen zweimal verloren hatte, wusste ich, dass es nur noch mit zwei Siegen reicht.» Diese holte er sich, auch wenn er mit einem stark geschwollenen Auge und einer deutlich lädierten Nase dafür bezahlte. Doch das war es wert.

Bruno Gisler also rettete die Ehre der Solothurner. Wobei: Mit Philipp Roth wohnt noch ein zweiter Kranzgewinner von Estavayer im Kanton, genauer in Biberist. Doch Roth schwingt für den Berner Verband und darum hat die Nordwestschweiz nicht vier Neueidgenossen. Aber vielleicht ist das ja ausgleichende Gerechtigkeit. Schliesslich wohnt Gisler ja im Kanton Bern.

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