Einfach wird es nicht für Lara Gut, den Gesamtweltcup erneut zu gewinnen. Die Liste der Anwärterinnen ist lang. Doch die Schweizerin startet morgen mit einem Vorteil in die Saison – und wenn es gut läuft, wird daraus ein Vorsprung. Denn anders als Lindsey Vonn, Anna Veith oder Viktoria Rebensburg ist die 25-Jährige in Sölden dabei, wenn es zum ersten Mal um 100 Punkte geht. Von den grossen Favoritinnen auf die grosse Kristallkugel ist neben Gut einzig Mikaela Shiffrin beim Auftakt ebenfalls dabei.

Die Jägerinnen müssen vorerst also geduldig bleiben. Gut und Shiffrin hingegen haben die Chance, sich bereits abzusetzen. Das Rennen beginnt. Wir zeigen, welche Rivalinnen Gut fürchten muss:

Lindsey Vonn. Die 32-Jährige hat den Gesamtweltcup bereits viermal für sich entschieden und war im vergangenen Winter bis zu ihrer Verletzung Lara Guts grösste Herausforderin. In der neuen Saison will sie ihre Kräfte noch gezielter in den Speeddisziplinen einsetzen. Auf den Riesenslalom in Sölden verzichtet sie freiwillig. Die Punkte für den Gesamtweltcup sammelte sie sowieso vor allem in Abfahrt und Super-G. Und dies in der Regel so fleissig, dass ihr fünfter Gesamtsieg möglich ist. Ihr Handicap: Die Amerikanerin ist verletzungsanfällig.

Die Amerikanerin, Lindsey Vonn, konnte die grosse Kristallkugel schon viermal gewinnen.

Die Amerikanerin, Lindsey Vonn, konnte die grosse Kristallkugel schon viermal gewinnen.

Anna Veith. Sie hat den Gesamtweltcup 2014 und 2015 zweimal in Folge gewonnen – damals noch mit dem Namen Anna Fenninger. Mittlerweile hat sie geheiratet und trägt den Namen Veith. Vor einem Jahr riss sie sich drei Tage vor Sölden das Kreuz- und Innenband und verpasste die komplette Saison. Jetzt ist sie auf dem Weg zurück. Und auch wenn Sölden noch zu früh für die 27-Jährige kommt, ist mit ihr zu rechnen. Zumal sie ähnlich vielseitig begabt ist wie Lara Gut. Ihr Handicap: Sie weiss selbst nicht, wann sie bereit ist für das Comeback. Sie sagt: «Mit einer Kugel wird es schwierig, wenn man Rennen auslässt.» Tendenz: Weltcupeinstieg wohl erst im Dezember. Das wäre zu spät. Selbst für sie.

Anna Veith konnte den Gesamtweltcup in den Jahren 2014 und 2015 gewinnen.

Anna Veith konnte den Gesamtweltcup in den Jahren 2014 und 2015 gewinnen.

Mikaela Shiffrin. Die 21-Jährige ist aus dem Quartett die Einzige, die den Gesamtweltcup noch nicht gewonnen hat. Das soll sich schnell ändern. Die mit Abstand talentierteste Slalomfahrerin der Gegenwart hat sich nach eigenen Aussagen in den schnellen Disziplinen deutlich verbessert. Das ist eine Kampfansage, sammelt die Amerikanerin doch in der Regel schon allein in Riesenslalom und Slalom so viele Punkte, dass der Gesamtsieg möglich ist. Ihr Handicap: Die Erweiterung des Programms ist immer mit Risiken verbunden. Leiden Shiffrins Kernfähigkeiten unter dem Ausbau?

Mikaela Shiffrin konnte bislang den Gesamtweltcup noch nicht für sich entscheiden, doch das soll sich ändern.

Mikaela Shiffrin konnte bislang den Gesamtweltcup noch nicht für sich entscheiden, doch das soll sich ändern.

Eine andere. Die Chance ist gross, dass die Gesamtsiegerin am Ende Gut, Vonn, Veith oder Shiffrin heisst. Doch es gibt zahlreiche Athletinnen mit Ambitionen. Viktoria Rebensburg beendete die vergangene Saison auf dem dritten Gesamtrang. Nur pausiert die Deutsche zurzeit verletzt. Wird sie fit, bevor der Rückstand zu gross ist? Ebenfalls Chancen auf den Gesamtsieg hat Tina Weirather. Die 27-Jährige aus Liechtenstein kann in mehreren Disziplinen punkten. Das hilft. Und wer weiss: Als Kombigesamtsiegerin 2015/16 hat auch die Schweizerin Wendy Holdener gezeigt, dass sie eine Allrounderin ist.