Rio 2016
Diese 7 Punkte sind für unsere Olympioniken in Rio tabu

Dass es von den offenbar erbärmlichen Zuständen der Zimmer fast keine Bilder gibt, hat auch mit unzähligen Regeln zu tun, die das IOC für die Spiele in Rio aufgestellt hat. Die Schweizer Athleten müssen sich ebenfalls daran halten. Nach dem Eklat vor vier Jahren erst recht.

Felix Burch, watson.ch
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Nicht alles ist den Athleten in Rio erlaubt.

Nicht alles ist den Athleten in Rio erlaubt.

KEYSTONE/EPA EFE/ANTONIO LACERDA

Es war der unrühmliche Höhepunkt eines verpatzten Auftritts der Schweizer Fussballmannschaft an den Olympischen Spielen 2012 in London. Nachdem die Truppe von Pierluigi Tami gegen Südkorea 1:2 verloren hatte, setzte Michel Morganella einen Tweet ab, der ihn bis heute begleitet.

In der französischen Jugendsprache Verlan schrieb er: «Ich mache alle Südkoreaner nieder. Verpisst euch alle, ihr Bande von geistig Behinderten.» Die Meldung der verbalen Entgleisung des Schweizers ging um die Welt, Swiss Olympic schickte Morganella sofort nach Hause.

Auf dem Platz verriss die Nati in Grossbritannien keine grossen Stricke und daneben fiel vor allem Morganella negativ auf.

Auf dem Platz verriss die Nati in Grossbritannien keine grossen Stricke und daneben fiel vor allem Morganella negativ auf.

Keystone

Ein solcher Ausrutscher soll sich in Rio de Janeiro auf keinen Fall wiederholen. Deshalb hat Swiss Olympic basierend auf den IOC-Vorschriften eine 15-seitige Broschüre verfasst mit Regeln und Verhaltensgrundsätzen. Hier die wichtigsten Punkte:

1. Du bist kein Journalist

Teammitglieder dürfen während den olympischen Spielen nicht journalistisch tätig sein. Es ist ihnen nicht erlaubt für irgend ein Medium zu schreiben oder zu fotografieren. Ausgenommen davon sind die eigenen Social-Media-Kanäle der Athleten.

Ein Beispiel: Marco Brunner vom Schweizer Segelteam hat am 26. Juli dem Internetportal watson ein Interview gegeben über die nicht ganz einfachen Verhältnisse in der Bucht Marina da Gloria berichtet. Selber gemachte Fotos des verschmutzten Wassers oder des Bauschutts im olympischen Dorf durfte er dem Onlinemedium nicht zukommen lassen. Er hätte sie allerdings auf seinem Twitter-Account veröffentlichen können.

2. Gleich nach dem Wettkampf darfst du nicht allen Interviews geben

Das IOC hat olympische und nicht olympische Zonen definiert. Zur ersten gehören alle Wettkampfstätten und das olympische Dorf. Als nicht olympische Zone gilt die Stadt Rio sowie das House of Switzerland.

Zudem gibt es bei der Presse sogenannte Rightholder – das sind die SRG-Medien – und die Non-Rightholder, das sind alle anderen. Nicola Spirig darf nach der Zielüberquerung auf dem Gelände des Triathlons also nur mit dem SRF reden. Im House of Switzerland hingegen dürften ihr auch alle anderen Medien Fragen stellen.

3. Videos aus der olympischen Zone sind tabu

Video und Tonaufnahmen aus der olympischen Zone gehen gar nicht. Da versteht das IOC keinen Spass. Sie dürfen nirgends veröffentlicht werden. Das Recht ist alleine den Rightholdern vorbehalten. Innerhalb der olympischen Zone dürfen die Athleten alleine für sich Aufnahmen machen, diese aber über keinen Kanal weitergeben.

4. Poste keine Propaganda

Social Media erlauben das IOC und Swiss Olympic den Athleten. Es gibt jedoch folgende Vorschriften:

  • Verhalte dich positiv, verzichte auf vulgäre Ausdrücke
  • Poste unter keinen Umständen religiöse, rassistische oder radikale Ansichten oder Propaganda
  • Es dürfen keine vertraulichen oder privaten Informationen über Dritte sowie über Organisationen, Durchführung oder Sicherheitsvorkehrungen der Spiele publik gemacht werden.
  • Ein Foto, auf dem ein Teammitglied Kleidung mit Logos von Nicht-Olympia-Teilnehmern trägt, gilt bereits als Werbung. Würde also Nino Schurter ein Foto von Jolanda Neff in Adiletten auf Facebook stellen, würde er dafür bestraft (der offizielle Ausrüster von Swiss Olympic ist dieses Jahr Nike).

5. Du darfst bloggen, aber...

Bloggen ist den Athleten erlaubt. Selbst Internetportale oder Zeitungen dürfen Blog-Inhalte von Athleten publizieren. Die Sportler sind für den Inhalt verantwortlich.

Interviews anderer Teammitglieder sind zum Beispiel verboten. Alle Beiträge müssen in der Ich-Form geschrieben sein. Ist dem nicht so, betrachtet das IOC die Form als Journalismus, was nicht erlaubt ist (siehe Punkt 1).

6. Die olympischen Ringe sind heiliger als heilig

Hände weg von den olympischen Ringen. Athleten dürfen diese auf Social Media nicht verwenden. Auch anderes olympisches Eigentum wie das Logo von Swiss Olympic, dieses von Rio 2016 sowie die Maskottchen sind ein heikles Thema. Im Gegensatz zu den Ringen sind sie nicht ganz verboten. Wer eine schriftliche Genehmigung einholt, darf sie posten.

7. Decke deine Sponsoren ab

Gibt Stan Wawrinka eine Pressekonferenz in Rio, darf er das nicht in einem Yonex-T-Shirt – seinem persönlichen Ausrüster – tun. Er muss in einem Kleidungsstück der «Swiss Olympic Kollektion 2016» erscheinen. Diese stellt in Rio Nike zur Verfügung. Nur während den Matchs darf er Yonex tragen. Alle zusätzlichen Sponsoren auf seinem Trikot muss er abkleben.

Sämtlichen Athleten ist es verboten, in irgendeiner Art Werbung für eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu machen.

40 Sportler geschult

All diese Vorschriften gelten für den Zeitraum vom 27. Juli bis zum 24. August. Jedes Teammitglied muss das entsprechende Regelwerk unterschreiben. Wer dagegen verstösst, dem drohen Geldstrafen oder der Entzug der Akkreditierung.

Im Vorfeld der diesjährigen Spiele hat Swiss Olympic den Sportlern Medienschulungen angeboten. Laut Sprecher Alexander Wäfler nahmen 40 Athleten das Angebot wahr.

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