Titelverteidiger Bern steht in den Playoff-Halbfinals vor dem Aus. Der souveräne Qualifikationssieger verlor bei den ZSC Lions 1:3 und liegt in der Best-of-7-Serie 1:3 zurück. Die grosse Figur des Spiels war Fabrice Herzog, der alle drei Tore der Lions erzielte.

Die Basis zum ersten Heimsieg in diesem Halbfinal legten die Lions im mit 11'200 Zuschauern erneut ausverkauften Hallenstadion im Startdrittel, das sie 2:0 gewannen. Zwar begannen sie nicht so furios wie in der ersten Partie vor heimischem Publikum in dieser Serie, als sie nach neun Minuten 2:0 führten, dafür agierten sie sehr abgeklärt. Den ersten Gegentreffer in der 12. Minute muss allerdings SCB-Keeper Leonardo Genoni auf seine Kappe nehmen. Ohnehin präsentiert sich dieser im Halbfinal alles andere als in Topform. Beispielsweise hatte er bei der 2:3-Heimniederlage im ersten Spiel das 2:3 verschuldet.

Playoff-Halbfinal, Spiel 4: ZSC Lions - SC Bern 3:1

Im Gegensatz zu Genoni ist der zuvor in dieser Saison enttäuschende Herzog in den Playoffs richtiggehend aufgeblüht. Er hat nun bereits sechs Tore in der entscheidenden Meisterschaftsphase erzielt, das ist nur ein Treffer weniger als in der gesamten Qualifikation. Beim 2:0 nach genau 19 Minuten, dem zweiten Streich, war Herzog in Unterzahl erfolgreich. Es war bereits der vierte Shorthander der Lions in den laufenden Playoffs, der zweite gegen den SCB. In der Regular Season hatte der ZSC bloss einmal in Unterzahl getroffen. Das unterstreicht, dass die Stadtzürcher die Opferbereitschaft deutlich erhöht haben. Das 3:1 38 Sekunden vor der Schlusssirene schoss Herzog ins leere Gehäuse.

Grossen Anteil am 2:0 hatte Kevin Klein, der Herzog mit einem herrlichen Pass bediente. Der 33-jährige Verteidiger mit der Erfahrung von 700 NHL-Partien liess sich bereits seinen siebten Assist in den Playoffs gutschreiben - dazu kommt ein Tor. Dass Klein nach dieser Saison die Karriere beendet, ist für den ZSC ein grosser Verlust.

Den Bernern muss nicht nur die Niederlage zu denken geben, sondern auch die Art und Weise, blieb doch nach dem 0:2 eine Reaktion weitgehend aus. Die Lions kontrollierten die Partie lange Zeit ohne grössere Probleme. Erst in der Schlussphase - SCB-Trainer Kari Jalonen ersetzte Genoni bereits dreieinhalb Minuten vor dem Ende durch einen sechsten Feldspieler - wurde es heiss vor dem Tor der Stadtzürcher. Das 1:2 von Tristan Scherwey 53 Sekunden vor Schluss kam jedoch zu spät.

Insgesamt war die Intensität geringer und das Niveau tiefer als in den ersten drei Duellen dieser Serie, die allesamt mit einem Tor Unterschied geendet hatten. Nimmt man dieses Spiel zum Massstab, ist schwer vorstellbar, dass der angezählte SCB noch einmal zurückkommt. Doch hätte vor dreieinhalb Wochen auch niemand gedacht, dass der ZSC in den Playoffs dermassen gross aufspielt.

Lugano gleicht Serie gegen Biel aus

Der HC Lugano ist in den Playoff-Halbfinals zurück im Geschäft. Die Tessiner gewannen über Ostern gegen Biel zwei Spiele und glichen in der Serie zum 2:2 aus. Am Ostermontag gewann Lugano in der ausverkauften Resega mit 5:1.

Das erste Tor in einem Spiel tut keinem der beiden Teams gut. Lugano ging in den ersten zwei Spielen in Führung und verlor beide Spiele. Biel führte am Ostersamstag daheim 3:0 und verlor noch 3:6. Auch am Ostermontag in Lugano gingen die Seeländer wieder in Führung, ehe sie nach der ersten Pause einbrachen.

Dem EHC Biel werden die zwei Ruhetage vor dem dritten Heimspiel äusserst gut tun. Biel muss über die Bücher. Am Samstag noch stand Biel mit einem Bein im Playoff-Final, als es in Spiel 3 mit 3:0 führte. Seither lief für die Berner alles schief, was schief laufen konnte. Auch ein gelungener Start ins Auswärtsspiel in Lugano verhalf nicht zu einer Beruhigung der Lage. Marc-Antoine Pouliot brachte Biel in der 7. Minute in doppelter Überzahl in Führung. Nach der ersten Pause lief für das Team von Antti Törmänen die Partie aber völlig aus dem Ruder.

Ein Fehlpass in der neutralen Zone leitete die Wende ein. Giovanni Morini zauderte nicht lange, sein Schuss erwischte Biels Goalie Jonas Hiller zwischen den Schonern. Fünf Minuten später reüssierte auch Maxim Lapierre mit einem Schuss zwischen Hillers Beinen hindurch. Weitere fünf Minuten später wurde Hiller von Gregory Hofmann an der Goalie-Maske getroffen. Hiller beendete den zweiten Abschnitt zwar, räumte danach aber seinen Posten. Elien Paupe, der mit Ajoie die Playoffs in der Swiss League bestritten hatte, stand im letzten Abschnitt, den Biel in Überzahl beginnen konnte, vor dem Tor. Paupe kassierte aber noch während dieser Bieler Überzahl die Gegentore zum 1:3 und 1:4 und sah dabei alles andere als gut aus.

Playoff-Halbfinal, Spiel 4: HC Lugano - EHC Biel 5:1

Damit beginnt die Serie am Donnerstag in Biel von neuem. Noch befindet sich der EHCB im Vorteil: Biel kann zwei der maximal noch drei Spiele in der eigenen Arena bestreiten. Aber findet Hiller seine Topform wieder? Für Lugano spricht das Momentum: Die Tessiner strotzen nach elf Toren in den letzten 93 Minuten der Serie vor Selbstvertrauen. Und die Bieler müssen die Disziplin der ersten acht Playoff-Partien wieder finden. In den ersten achteinhalb Playoff-Spielen leisteten sie sich im Schnitt 7 Strafminuten pro Partie. Gegen Lugano waren es in den Spielen 3 und 4 der Halbfinalserie über Ostern 33 und 12 Minuten. Der Amerikaner Robbie Earl fehlte am Montag in Lugano sogar nach seiner Fünfminutenstrafe vom Samstagabend.