Playoffs

Die ZSC Lions besiegen Zug in der Verlängerung 3:2 und treffen im Halbfinale auf den SC Bern

Die ZSC Lions stehen im Halbfinal. Keystone

Die ZSC Lions stehen im Halbfinal. Keystone

Die ZSC Lions besiegen auswärts den EV Zug mit 3:2 nach einer packenden Verlängerung. Im Halbfinal wartet nun der SC Bern, der sich gegen Servette durchgesetzt hat. Beim Qualifikationszweiten, dem EV Zug, trifft es ausgerechnet Timo Helbling als Sündenbock.

Jemand muss der Sündenbock sein. Die Gesetze des Showsportes wollen es so – und Hockey-Playoffs sind nun mal eine Show. Auf sehr gutem Niveau. Vom Ende her erzählt – also im Wissen um den Ausgang dieses aufwühlenden Spiels – heisst dieser Sündenbock Timo Helbling. Auch Titanen wie er sind halt auch nur Menschen. Ausgerechnet dieser Routinier, gestählt aus mehr als 1000 Spielen in Nordamerika, in Finnland, in der NLA und mit der Nationalmannschaft, steht am Anfang des Untergangs.

Er schiesst die Scheibe in der letzten Minute des zweiten Drittels übers Plexiglas. Die Strafe nutzen die Zürcher zum Ausgleich (1:1) und 20 Sekunden später führen sie 2:1. In 20 Sekunden fast alles verspielt. Nun hätten ihn seine Mitstreiter noch aus der Rolle des Sündenbockes befreien können. Sie schafften den Ausgleich und retteten sich in die Verlängerung. Aber nach 10 Minuten und 2 Sekunden in der Verlängerung kommt das Saisonende. Nach der Video-Konsultation zählt der Treffer von Reto Schäppi zum 2:3. Und damit steht auch fest: Die gestrige Partie war die letzte von Timo Helbling im Dress des EV Zug.

Reto Schäppi (Nummer 19) schiesst den ZSC in der Overtime in die Halbfinals

Reto Schäppi (Nummer 19) schiesst den ZSC in der Overtime in die Halbfinals

Und so scheiden die Zuger nach ihrem wahrscheinlich besten Saisonspiel aus. Mit Ausnahme der 20 Sekunden, die von den Zürchern zur Wende (vom 0:1 zum 2:1) genutzt wurden und einer Szene in der Verlängerung hatte Zug alles im Griff. Alles richtig gemacht. Alle Rückschläge überwunden. Leidenschaftlich gekämpft, gelitten, gehofft, gejubelt – um am Ende doch mit leeren Händen dazustehen.

Natürlich ist nicht Timo Helbling alleine verantwortlich für das Scheitern. Verloren haben die Zuger diese Serie vor allem in der zweiten Partie in Zürich (4:5) und anschliessend im dritten Spiel (2:3) auf eigenem Eis. Und nicht einmal in erster Linie wegen den «Blackouts», die uns in Erinnerung bleiben werden wie diese «schwarzen zehn Sekunden». Die Zuger scheiterten letztlich in der Offensive. Sie vermochten ihre Laufmeter, ihr Talent und ihre Wasserverdrängung zu wenig in Tore umzumünzen. Warum?

Wir können dieses Versagen blumig so erklären: Die Zuger mahnten in den wichtigsten Partien der Saison an einen offensiven Ferrari ohne Gaspedal. Aber zu streng wollten wir nicht sein: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel, das auf einer rutschigen Unterlage gespielt wird –  diese Allerweltsweisheit kommt der Wahrheit wahrscheinlich am nächsten.

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