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«Die Zeitzeugen sind das Filetstück» – Neue Plattform für Schweizer Sportgeschichte lanciert

Ein Stück Schweizer Sportgeschichte: Das internationale Leichtathletik-Meeting in Zürich im Jahr 1967.

Ein Stück Schweizer Sportgeschichte: Das internationale Leichtathletik-Meeting in Zürich im Jahr 1967.

Ein neues Portal will der Schweizer Sportgeschichte einen grösseren gesellschaftlichen Stellenwert verschaffen. An einer Medienkonferenz ist das Projekt vorgestellt worden.

Bis 1970 war es Frauen höchstens erlaubt, an Grümpelturnieren Fussball zu spielen. Eine Liga gab es nicht. Die Frauen hatten Hindernisse zu bewältigen, bis sie endlich zu ihrer eigenen Meisterschaft kamen.

Swiss Sports History will nun auf ähnliche Hindernisse wie den geringen Stellenwert der Sportgeschichte in der Forschung oder auch generell Exklusionen im Sport, aufmerksam machen und wartet mit einem dreisäuligen Konzept auf. Das gibt der Co-Leiter der Plattform, Dr. Michael Jucker, am Mittwoch an der Medienkonferenz im Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich bekannt.

Die breite Öffentlichkeit soll profitieren können

Die erste Säule ist die Vernetzung. Auf der neuen Homepage von Swiss Sports History können sich Medienschaffende wie auch Private über die Schweizer Sportgeschichte informieren. Zudem ist eine Vernetzungsliste aufgeschaltet, auf der aufgeführt ist, welche Museen, Hochschulen und Forschungsarbeiten sich mit der Schweizer Sportgeschichte auseinandergesetzt haben.

Die zweite Säule ist die Bewahrung. Swiss Sports History will Sportvereinen, -verbänden und Privaten bei der Archivierung und Digitalisierung von Daten helfen. Davon sollen im Endeffekt auch Forschende, Studierende, Lehrpersonen und die breite Öffentlichkeit profitieren.

Die dritte Säule ist die wichtigste. Sie heisst Sportgeschichte erleben. Da sind Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gefragt. «Sie sind das Filetstück», sagt Michael Jucker und ist höchst erfreut über die Vielzahl an Zeitzeugen, die sich am Projekt engagieren. Er sagt: «Geschichte wirkt für die meisten Menschen trocken und wenig erfahrungsbezogen. Und genau hier setzen wir mit Swiss Sports History an. Mit Erzählungen der dieser Personen, wie es früher war, wird die Sportgeschichte erlebbar gemacht.»

Botschafterin Sarah Akanji: «Lancierung eine Freude»

Denise Biellmann, die ehemalige Eiskunstlauf-Weltmeisterin ist eine von ihnen. Oder auch der frühere Kunstturner Lucas Fischer, Vize-Europameister am Barren und Sarah Akanji, Gründerin des FC Winterthur Frauen. Ebenso dabei ist der Schweizer Snowboard-Pionier Bernhard Kobel. Weitere ehemalige Sportlerinnen und Sportler werden folgen, wie Fabienne Peter, die erste Transfrau im Schweizer Eishockey.

Sie schrieb Schweizer Sportgeschichte: Denise Biellmann ist für Swiss Sports History als Botschafterin im Einsatz:

Sie schrieb Schweizer Sportgeschichte: Denise Biellmann ist für Swiss Sports History als Botschafterin im Einsatz:

Unter anderem sie wollen mithelfen, das Bewusstsein von Schülern zu schärfen, was Sport an Emotionen auslösen kann, aber auch, welche Hindernisse durch den Sport entstehen können. Zum Beispiel Rassismus und Exklusion. Sarah Akanji sagt: «Die Lancierung der Plattform ist eine grosse Freude. Sportgeschichte kann sehr viel und ist vor allem gesellschaftspolitisch wichtig. Swiss Sports History kann beispielsweise auch die Wahrnehmung und Förderung von Frauen im Sport verändern.»

Swiss Sports History will nun aktiv auf Schulen zugehen und zusammen mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf die Themen Inklusion und Exklusion aufmerksam machen. Ausschlusserfahrungen haben alle der involvierten ehemaligen Sportler erfahren. Davon wollen sie Schülerinnen und Schülern erzählen.

Finanzierung ist für mindestens ein Jahr sicher

Zudem hat das Portal zusammen mit der Pädagogischen Hochschule in Luzern digitale Lerntools und auch Quizze erstellt, wodurch Schüler selbstständig neue Themengebiete im Sport kennenlernen können. Nun geht es für Michael Jucker und sein in Luzern stationiertes Team primär darum, die Plattform bekannt zu machen und ein Bewusstsein zu schaffen.

Michael Jucker, Co-Leiter der neuen Plattform Swiss Sports History

Michael Jucker, Co-Leiter der neuen Plattform Swiss Sports History

Eine weitere Challenge sind die Finanzen: Bis mindestens Ende Juli 2020 ist die Finanzierung dank dem Schweizerischen Nationalfonds und der Gebert Rüf Stiftung gesichert. Swiss Sports History, soll dereinst aber selbsttragend sein - das ist zweifelsohne eine hohe Messlatte. Mithilfe von Schulen, Sportvereinen und -verbänden, Gönnern, Sponsoren und nicht zuletzt den Medien soll dies gelingen.

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