Fussball
Die Weltmeister-Liga

40 Tage nach dem WM-Triumph Deutschlands öffnet die Bundesliga ihre Tore. Am Freitag machen Wolfsburg und die Bayern den Anfang.

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Starensemble

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AP

40 lange Tage mussten die Fans nach dem WM-Triumph warten, doch morgen Abend ist es so weit: Die Weltmeister-Liga öffnet endlich ihre Tore und sonnt sich im Glanz der Helden vom Maracanã. 15 WM-Titelträger hat die 52. Saison der Fussball-Bundesliga als grosse Attraktion zu bieten. Doch nicht nur die Strahlkraft von «Jogis Jungs» garantiert eine tolle Spielzeit – auch andere Faktoren versprechen Spannung.
So wird das Titelrennen nach Ansicht vieler Experten wohl enger als zuletzt. Die Fehde zwischen Bayern München und Borussia Dortmund könnte zum Dauerstreit der Meisterkandidaten werden. Allerdings wollen Bayer Leverkusen, Schalke 04 und der VfL Wolfsburg ebenfalls hoch hinaus – sie könnten von der Erschöpfung der Weltmeister profitieren. «Es gibt keinen Bayern-Durchmarsch», prophezeite Franz Beckenbauer, der auch weiss, dass die Bayern nach einem WM-Gewinn noch nie Meister wurden.
Für frischen Wind und mehr Renommee sorgen zudem neue Stars. So erschien es noch bis vor kurzem undenkbar, dass der Torschützenkönig der italienischen Serie A in die deutsche Eliteklasse wechselt – doch Ciro Immobile kam für 19,4 Millionen Euro vom FC Turin zum BVB. Dass in Manuel Neuer und Arjen Robben zwei Bundesliga-Profis unter den drei Kandidaten für die Wahl zu Europas Fussballer des Jahres stehen, ist zusätzliche Werbung für die Liga.

Rekordzahlen bei Publikum und Finanzen

Doch nicht nur deshalb dürfen sich die Macher der Deutschen Fussball Liga (DFL) die Hände reiben. Bei aller Kritik an der einen oder anderen Stelle muss der Liga-Chefetage um Christian Seifert attestiert werden, dass sie die Qualität ihres Produkts kontinuierlich steigert. Die Beweise dafür sind die Zuschauerzahlen (seit Jahren kann nur die US-amerikanische Football-Liga NFL mehr Besucher aufweisen) und die stetig steigenden Einnahmen.
Insgesamt wird die DFL in der neuen Saison 709,5 Millionen Euro an die Profiklubs ausschütten. Das sind 57,1 Millionen mehr als in der vergangenen Saison. Die Summe setzt sich aus 642 Millionen Euro an nationalen und 67,5 Millionen aus internationalen TV-Erlösen zusammen. Dazu kommen 29 Millionen Euro aus der Gruppenvermarktung (Liga-Ball und Ball-Bote).
Auch wenn die englische Premier League in finanzieller Hinsicht nicht eingeholt werden kann (1,92 Milliarden Euro Ausschüttung in der vergangenen Saison), ist die Bundesliga nach Ansicht ihrer Macher ein Garant für sportlichen Erfolg. Laut Seifert war «der Sieg von Rio kein Zufall», vielmehr wurden «die gemeinsamen Anstrengungen des deutschen Fussballs seit der Jahrtausendwende mit dem Titel belohnt».

Sparsame Deutsche bei den Transfers

Grosse Anstrengungen stehen auch in der neuen Saison an. Die geplanten Einführungen des Freistosssprays und der Torlinientechnik werden neue Debatten auslösen, die Diskussion um die Bezahlung von Polizei-Einsätzen ist noch lange nicht vorüber. Das Financial Fair Play wird sicher auch wieder ein Thema, falls Leverkusen, Wolfsburg und 1899 Hoffenheim sportlich erfolgreich sind – ganz zu schweigen von einem möglichen Aufstieg des von «Red Bull» alimentierten RB Leipzig.
Im Abstiegskampf werden dagegen eher die Traditionsklubs erwartet, neben dem Neuling und krassen Aussenseiter SC Paderborn. In Ostwestfalen muss André Breitenreiter zeigen, was er als Trainer kann. Das gilt auch für die anderen neuen Gesichter an der Seitenlinie – Roger Schmidt (Leverkusen), Kasper Hjulmand (FSV Mainz 05) und Peter Stöger (1. FC Köln). Fehlen werden zunächst einige prominente Profi-Gesichter. Schuld daran ist die Verletztenmisere, von der vor allem die Wolfsburger und die Bayern (Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Thiago) geplagt werden. Nicht zuletzt wegen personeller Engpässe wird es bis Ende August noch den einen oder anderen Transfer geben.
Bisher waren die Bundesligisten eher sparsam. Laut den Zahlen des Weltverbandes Fifa von Mitte August haben die Vereine der Premier League in diesem Sommer 379 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben, die Klubs der Primera Division investierten 367 Millionen. Die Bundesligisten haben dagegen «nur» 110 Millionen Euro für neue Profis bezahlt. (sid)

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