Der Solothurner Mike Kurt hat nach seinem Rücktritt als Spitzensportler und ehemaliger Olympiateilnehmer einen wichtigen Platz im Schweizer Sport gefunden – als Gründer der Crowdfunding-Plattform «I believe in You», in der Exekutive von Swiss Olympic und in dessen Ausschuss für die Kandidatur der Olympiabewerbung «Sion 2026». In Pyeongchang macht sich der Sommersportler erstmals ein Bild von Winterspielen. Und wird dabei erst recht zum «Turbo» für Olympische Spiele in der Schweiz.

Mike Kurt, welche Eindrücke nehmen Sie von Pyeongchang zurück in die Schweiz?
Mike Kurt: Ich erlebe hier meine vierten Olympischen Spiele. Zum ersten Mal als Funktionär, das ist eine ganz andere Perspektive. Und zum ersten Mal Winterspiele. Es ist eine faszinierende, sich von Sommerspielen stark unterscheidende Welt. Olympische Winterspiele haben eine ganz andere Dimension. Alles ist viel bescheidener.

Und welche Erkenntnisse betreffend die Schweizer Kandidatur?
Dass die Schweiz so einen Anlass auch durchführen kann. Ein Land wie die Schweiz mit diesem Know-how und den Erfahrungen auch im Durchführen von Grossanlässen ist dieser Herausforderung gewachsen. Es ist eine riesige Chance.

«Sion 2026» hat in der Schweiz einen schweren Stand. Selbst das IOC scheint unsicher zu sein und sucht nach einer Alternative in der westlichen Welt.
Wenn ich mir die Agenda 2020 des IOC und meine Eindrücke hier vor Ort anschaue, dann sehe ich keinen Grund, wieso Sion nicht die richtigen Spiele für 2026 sein sollten. Auch aus Sicht des IOC. Die Schweizer Bevölkerung ist noch skeptisch, das schleckt keine Geiss weg. Aber das hat vor allem mit der Information zu tun. Die Leute stellen sich unter den Olympischen Winterspielen etwas vor, was sie 2026 nicht sein werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich im direkten Gespräch die Skepsis der Leute in wenigen Minuten ausräumen kann.

Mike Kurt auch im Kanu

Mike Kurt auch im Kanu

Mit welchen Argumenten?
Man hat beispielsweise ein falsches Bild im Bereich Infrastruktur und Umweltschutz. Wir müssen mit Olympischen Spielen nicht wie bei anderen Austragungen eine Infrastruktur aufbauen, wir haben sie bereits. Und jeder Umweltschützer in der Schweiz müsste doch für die Spiele sein. Und zwar aus dem einzigen Grund, dass Umweltschutz ein globales Thema ist und wohl kein anderes Land Olympische Spiele derart umweltfreundlich durchführen kann und wird wie wir.

Die jüngste Umfrage in der «Sonntagszeitung» sagt, dass 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung Olympische Winterspiele vor allem ablehnen, weil sie eine Milliarde Franken Steuergeld kosten!
Olympische Spiele sind nicht eine Angelegenheit von zwei respektive mit den Paralympics vier Wochen. Es ist ein Generationenprojekt! Und wenn man die Wertschöpfung dazunimmt, dann ist es für ein Land wie die Schweiz ein absolut überschaubares Investment. Wir sind immerhin eines der reichsten Länder der Welt. Es ist auch eine Investition ins Standortmarketing und gibt uns die Chance, unser Land und den Wirtschaftsstandort Schweiz als weltoffen, innovativ und wettbewerbsfähig zu positionieren.

Wie will man die Volksabstimmung im Wallis gewinnen?
Gerade das Wallis hat doch eine riesige Tradition im Tourismus. Wir sind ein Land, das von unserem Image und unserer Aussenwirkung lebt. Es ist eine riesige Chance, mit Olympischen Spielen «made in Switzerland» dem Event und dem Land einen positiven Drive zu geben. Mein Eindruck ist, dass die Welt nach Zeiten des Gigantismus genau auf solche Spiele wartet. Man sollte auch aufhören, nur immer über das Geld zu sprechen.

Mike Kurt setzt sich für «Sion 2026» ein

Mike Kurt setzt sich für «Sion 2026» ein

Aber genau das passiert!
Ich kann diese kritische Haltung nicht nachvollziehen. Die Grundstimmung gegenüber Grossanlässen und gegen grosse internationale Sportorganisationen ist schlecht. Wir haben eine einmalige Chance, der Welt unsere Kompetenz zu zeigen. Wir werden 2026 selbstverständlich «Schweizer Spiele» mit einem Schweizer Konzept machen – mit langfristigen Auswirkungen.

Wie können Sie als früherer Olympia-Athlet «Sion 2026» promoten?
Als Athlet steht man alle vier Jahre im Rampenlicht – für zwei Tage. Aber es sind nicht diese zwei Tage, die mich weitergebracht haben in meinem Leben. Es war der Weg an die Olympischen Spiele. Wenn man als Sportler an der Weltspitze sein und bleiben will, muss man sich weiterentwickeln und teilweise neu erfinden. Ich glaube, genau das kann die Schweiz auf dem Weg zu den Olympischen Spielen ebenfalls tun, sich als Land weiterentwickeln. Wir sind eines der innovativsten Länder der Welt und wir brauchen visionäre Projekte, die uns herausfordern und die wir auf eine neuartige Art meistern.

Würde man die Milliarde nicht besser direkt in den Sport investieren als in einen umstrittenen Anlass?
Aus Sicht des Sportlers sind die Olympischen Spiele überhaupt nicht umstritten. Sie sind das Höchste, das jeder Athlet erreichen will. Es gibt auch sehr gute Beispiele im Schweizer Sport, welche Auswirkung ein Grossanlass haben kann. Die Leichtathletik-Europameisterschaft 2014 hat unglaublich viel Positives ausgelöst. Sie hat Träume bei vielen jungen Sportlern generiert. Heute ist es wieder cool, Leichtathletik zu machen, und die Athleten in der Schweiz sind so stark wie noch nie. Olympische Spiele im eigenen Land steigern die Akzeptanz der Athleten und haben eine direkte Auswirkung auf das Leistungsvermögen in diesen Sportarten.