Ramon Zenhäusern macht sich in der Lobby seines Hotels für seinen letzten Einsatz an diesen Winterspielen bereit: Fahnenträger an der Schlussfeier. «Das ist fast wie eine dritte Medaille», schwärmt er über die Spiele, die sein Leben mit Silber im Slalom und Gold im Teamevent verändert hatten. «Ich würde nun gerne zum Olympia-Gesicht der Walliser Olympia-Kandidatur werden.»

Ramon Zenhäusern schrieb aus Schweizer Optik die erstaunlichste Geschichte der Winterspiele in Südkorea. Wer hätte dem Zwei-Meter-Mann solch einen Exploit zugetraut? Für die Olympiabefürworter ist der Walliser damit in der Tat das richtige Aushängeschild, um für die Kandidatur 2026 zu werben. «Es wäre mir eine grosse Ehre, zu helfen», sagt Zenhäusern.

Die Aussergewöhnliche

Der Oscar für den Schweizer Hauptdarsteller wäre verteilt. International hat ihm aber eine Frau die Aufmerksamkeit gestohlen: Ester Ledecka. Der Tschechin, erst 22 Jahre alt, gelang Aussergewöhnliches. Sie triumphierte im Super-G der Frauen und holte Gold im Parallel-Riesenslalom der Snowboarderinnen.

Zwar haben vor ihr schon vier andere Sportlerinnen und Sportler olympisches Gold in zwei verschiedenen Sportarten gewonnen. Doch ähnelten sich diese Wettkämpfe mehr: Der Norweger Thorleif Haug gewann 1924 im Langlauf und in der Nordischen Kombination.

Gleiches gelang dem Norweger Johan Gröttumsbraten 1928 und der Finnin Heikki Hasu 1948 und 1952. Anfissa Reszowa gewann 1988 mit der sowjetische Langlauf-Staffel und 1992 als Biathletin die Goldmedaille. Ester Ledecka aber war die erste Athletin überhaupt, die in komplett unterschiedlichen Sportarten siegte.

Ester Ledecka jubelt über ihre beiden Goldmedaillen

Ester Ledecka jubelt über ihre beiden Goldmedaillen

Für Nevin Galmarini, den Schweizer Sieger des Snowboard-Events, ist sie eine «Ausnahmeathletin» und für den Schweizer Snowboard-Cheftrainer Christian Rufer «eine, die für unseren Sport beste Werbung macht. Sie betont nämlich immer, sie sei eine Snowboarderin, die nebenbei Ski fährt.»

Und was sagt die Tschechin selbst? «Wenn ich mit dem Snowboard unterwegs bin, sage ich: ‹verdammte Skifahrer›. Und wenn ich bei den Skifahrern bin, schimpfe ich über all die Snowboarder.» So oder so sorgte sie für die verrückteste Geschichte der Winterspiele in Südkorea. Sie sagt: «Nur auf dem Snowboard wird es mir schnell zu langweilig und umgekehrt gilt das Gleiche mit den Ski.»

Ist sie damit eine Trendsetterin? «Es zeigt, dass sehr vieles möglich ist», sagt Trainer Rufer. «Vielleicht öffnet das Türen.» Galmarini sagt: «Ester ist einfach Ester.»