Nationalmannschaft

Die Verlockung auf das perfekte Jahr: «Natürlich müssen wir dieses Spiel gewinnen»

Ein Rekord-Team mit Minimalisten? Wie der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic mit einer unschönen Erinnerung umgeht.

Es ist die letzte Reise in diesem Länderspieljahr. Am Freitag fliegt die Schweiz auf die Färöer Inseln. Weil die Landebahn im hohen Norden sehr knapp bemessen ist, muss die Nati mit einem kleineren Flugzeug als sonst reisen. 112 Plätze fasst es nur. «Ein kleines Flugzeug – aber gross genug, um drei Punkte mitzunehmen», sagt Nationaltrainer Vladimir Petkovic mit einem Lächeln.

Die Gemütslage im Schweizer Team ist erfreulich. Es lockt das perfekte Länderspieljahr. Erstmals überhaupt in der Geschichte. Mit einem Sieg gegen die Färöer würde das Team seinen Rekord auf sieben Erfolge in Serie ausbauen. Das ist schon darum zwingend, weil der Vorsprung in der WM-Qualifikation auf den Rivalen Portugal nur drei Punkte beträgt. Im Oktober kommt es in Portugal mutmasslich zum finalen Showdown. Und das Ziel ist klar: «Wir wollen auch dann alles in den eigenen Händen haben», sagt Petkovic.

«Diesmal müssen wir souveräner sein. Und natürlich – bei allem Respekt für die Färöer – dieses Spiel müssen wir gewinnen.»

Nati-Trainer Vladimir Petkovic:

«Diesmal müssen wir souveräner sein. Und natürlich – bei allem Respekt für die Färöer – dieses Spiel müssen wir gewinnen.»

Als «Matura-Test» bezeichnet Petkovic die Aufgabe gegen die Färöer. Weil nach einem langen Jahr noch eine letzte Herausforderung ansteht. Es ist ein Test, der vor allem zeigt, wie fit seine Mannschaft im mentalen Bereich ist. Als Warnung dient ihm der Auftritt in Litauen in der EM-Qualifikation vor zwei Jahren. Auch damals wartete im Juni eine letzte Herausforderung gegen einen bescheidenen Gegner – ebenfalls auf Kunstrasen.

«Da haben wir zu viel provoziert»

Nach dem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand mühte sich die Schweiz noch zu einem späten 2:1. «Ich erinnere mich nicht gerne an dieses Spiel», sagt Petkovic, «da haben wir zu viel provoziert. Immerhin sind wir dank unserem Charakter noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Aber diesmal müssen wir souveräner sein. Und natürlich – bei allem Respekt für die Färöer – dieses Spiel müssen wir gewinnen.»

Am 13. November 2016 gewann die Schweizer Nati das Quali-Spiel gegen die Färöer Inseln mit 2:0.

Am 13. November 2016 gewann die Schweizer Nati das Quali-Spiel gegen die Färöer Inseln mit 2:0.

Die nüchterne Art, wie Petkovic mit den jüngsten Siegen umgeht, spricht für ihn. Schaut er auf die vergangenen neun Monate zurück, dann fallen ihm zu seinem Team drei Dinge ein. Erstens der gefundene, dominante Spielstil. Zweitens das gesunde Selbstvertrauen. Aber drittens eben auch dies: «Wir sind manchmal minimalistisch aufgetreten. Das muss sich dringend ändern.»

Der Minimalismus liest sich teilweise aus den letzten Resultaten. 2:1 gegen Andorra, 2:0 gegen die Färöer, und je ein 1:0 gegen Lettland und Weissrussland im Test vom letzten Donnerstag – das alles war nicht berauschend.

Shaqiris Traumtor gegen Weissrussland:

Das Spiel auf den Färöern bietet eine gute Chance zur Besserung. Wie Portugal diesen Gegner auswärts 6:0 zerzauste, hatte etwas Faszinierendes. Einen derart souveränen Auftritt würde man – der schönen Siegesserie zum Trotz – von einem Schweizer Team gerne auch einmal sehen. Der obligate Einwurf, es gebe keine leichten Gegner mehr, untermalt Petkovic mit einem aktuellen Beispiel. «Luxemburg gewinnt gegen Albanien 2:1, gegen ein Team also, das im letzten Jahr an der EM war. Mehr braucht man nicht zu sagen.»

Einmal also noch den Fokus schärfen. Und dann die Ferien geniessen. Das gilt auch für den Nationaltrainer. Wobei gerade für ihn vielleicht auch noch das eine oder andere Gespräch mit den Verantwortlichen des Schweizer Fussballverbands anstehen könnte. Weil im SFV die Erkenntnis reifen könnte, den Erfolgstrainer mit einem neuen Vertrag vorzeitig über die WM in Russland hinaus zu behalten. 

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