Eishockey
Die Vegas Golden Knights brauchen 30 Spieler – so funktioniert der Expansion Draft

Die NHL wird als erste grosse US-Profiliga ein Team in Las Vegas haben. Im Herbst 2017 nehmen die Vegas Golden Knights den Spielbetrieb auf – aber mit welchen Spielern? Jedes NHL-Team muss einen abtreten.

Ralf Meile
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Teambesitzer Bill Foley will Las Vegas stolz machen.

Teambesitzer Bill Foley will Las Vegas stolz machen.

Keystone

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 (Columbus Blue Jackets und Minnesota Wild) wird die NHL erweitert. Ohne Gegenstimme wurde dem Gesuch einer Franchise aus Las Vegas zugestimmt. 500 Millionen Dollar bezahlt Geschäftsmann Bill Foley, damit sein Team als 31. der besten Eishockey-Liga der Welt beitreten kann.

Der Teamname steht nun fest: Vegas Golden Knights lautet er. Die Arena unmittelbar beim Strip ist gebaut und 15 000 Fans haben bereits Anzahlungen für eine Saisonkarte 2017/18 einbezahlt.

Die Vegas Golden Knights tragen ihre Heimspiele in der 17 000 Zuschauer fassenden T-Mobile-Arena aus.

Die Vegas Golden Knights tragen ihre Heimspiele in der 17 000 Zuschauer fassenden T-Mobile-Arena aus.

Keystone

«Wir werden hier eine Kultur des Siegens etablieren», kündigte Teambesitzer Foley an. «Unser Team wird zusammengestellt, damit es Erfolg hat. Es soll Las Vegas stolz machen.» Nur: Wie wird das Team der Glücksspiel-Metropole überhaupt zusammengestellt? Die Antwort lautet: In einem Expansion Draft.

Expansion Draft

Und so funktioniert es: Las Vegas darf sich bei den anderen 30 Teams bedienen und von jedem Konkurrenten je einen Spieler holen. Dieser Expansion Draft findet nach der laufenden Saison statt. Las Vegas hat dann also nur die Sommermonate, um aus einem zusammengewürfelten Spielerhaufen eine schlagkräftige Truppe zu formen.

Natürlich dürfen die Chefs des neuen Teams sich nicht wahllos bedienen. Jede NHL-Franchise darf Spieler schützen, welche nicht von Las Vegas geholt werden dürfen. Dabei darf man wählen, ob einen Goalie, drei Verteidiger und sechs Stürmer schützt oder einen Goalie und acht Feldspieler, egal welche Position diese haben. So können beispielsweise vier oder fünf Verteidiger gehalten werden.

Der Neuling soll nicht bloss Kanonenfutter sein

Von einem Trade nach Las Vegas ausgenommen sind sämtliche Spieler, die eine «No Movement»-Klausel in ihrem Vertrag haben. Sie müssen auf die Liste der geschützten Spieler gesetzt werden; es sei denn, sie wünschen ausdrücklich, dass die Klausel aufgehoben wird. Spieler, die im ersten oder zweiten Vertragsjahr als Profi stehen sowie bereits gedraftete Akteure, sind automatisch geschützt.

Um sicher zu gehen, dass Las Vegas nicht nur «Schrott» erhält, müssen die ungeschützten Spieler einige Regeln erfüllen. So müssen die anderen Teams mindestens einen Verteidiger und zwei Stürmer freigeben, die in der Saison 2016/17 mindestens 40 Partien absolviert haben oder in den beiden Saisons vor dem Expansion Draft mindestens 70.

Spieler, deren Fortsetzung der Karriere durch eine Verletzung bedroht ist, können ebenfalls nicht einfach abgeschoben werden. Oder um es kurz zu machen: Das Ziel der Liga ist es, dass Las Vegas gleich von Beginn weg mit einer guten Mannschaft spielen kann und als Neuling nicht bloss Kanonenfutter ist.

Das neue Team

Die Chefs der Vegas Golden Knights erhalten von der Liga auch Vorgaben, wie sie das Kader zusammenstellen müssen. Von den 30 Spielern der anderen Teams müssen mindestens drei Goalies, neun Verteidiger und 14 Stürmer ausgewählt werden.

Die Liga hat auch bestimmt, dass Las Vegas mindestens 60 Prozent der gesamten Lohnsumme, welche durch den Salary Cap geregelt ist, in diese ausgewählten Spieler investieren muss. Damit soll verhindert werden, dass der Neuling lauter schwächere, günstigere Spieler holt und danach, wenn die Teams Free Agents verpflichten dürfen, mit Millionen um sich wirft.

Einen wie Nashvilles Schweizer Roman Josi nähmen sie in Las Vegas natürlich gerne.

Einen wie Nashvilles Schweizer Roman Josi nähmen sie in Las Vegas natürlich gerne.

Keystone

Nummer-1-Pick im regulären Draft?

Etwas mehr als ein halbes Jahr lang haben die Verantwortlichen in Nevada Zeit, alle möglichen Varianten durchzuplanen. Denn wenn der Expansion Draft ansteht, dann muss alles ruck-zuck gehen. Die anderen Teams müssen ihre Listen der geschützten Spieler am 17. Juni 2017 abgeben und schon am 20. Juni muss sich Las Vegas entschieden haben.

Im darauf folgenden regulären Draft erhält Las Vegas ausserdem die Chance auf den Nummer-1-Pick. Die Golden Knights bekommen gleich viele Lose wie das drittschlechteste Team der Liga und sind im Draft im schlechtesten Fall als sechstes Team an der Reihe.

Las Vegas wurde der Pacific Division in der Western Conference zugeteilt. Die Division wird damit neu acht Teams haben: Anaheim Ducks, Arizona Coyotes, Calgary Flames, Edmonton Oilers, Los Angeles Kings, San Jose Sharks, Vancouver Canucks und den Neuling aus Las Vegas. Mit 82 bleibt die Anzahl der Partien in der Regular Season gleich. Angepasst wurde lediglich, wer wie oft gegen wen antritt.

Künftig werden die Edmonton Oilers und Vancouver, hier der Schweizer Luca Sbisa mit der Nummer 5, auch in Las Vegas um Punkte kämpfen.

Künftig werden die Edmonton Oilers und Vancouver, hier der Schweizer Luca Sbisa mit der Nummer 5, auch in Las Vegas um Punkte kämpfen.

Keystone