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Die USA verteidigen den WM-Titel – es ist ein Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit

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Das Fussball-Nationalteam der USA verteidigt den WM-Titel. Die Amerkanerinnen schlugen die Niederländerinnen mit 2:0.

Donald Trump blieb stumm. Etwas, das man vom Hüftschuss-Präsidenten der USA selten sagen kann. Und das ausgerechnet in diesem von Patriotismus triefenden Moment, da die Amerikanerinnen Fussballweltmeister in Frankreich werden. Von Trump kein Wort auf Twitter, einfach nicht. Wenigstens in den ersten zwei Stunden nachdem die von Megan Rapinoe angeführten US-Frauen in Lyon ihren vierten WM-Titel klarmachten. Mit einem 2:0 gegen Holland, in Führung gegangen durch einen Penalty der US-Capitaine.

Die Amerikanerinnen walzten in ihrem gewohnten Stil auf die Holländerinnen los. Kraftvoll, dynamisch, zielstrebig. Aber die orange Wand schaffte, was zuvor keinem Team an dieser WM gelang: Sie überstand die Startviertelstunde gegen die USA ohne Gegentreffer. Dank cleverer Taktik, einer starken Verteidigung und weil Holland-Keeperin Sari van Veenendaal grossartig parierte. Am Schluss der ersten Halbzeit kamen die krassen Aussenseiterinnen, die Europameister aus Holland, gar zur ersten Druckphase.

Rebellin Rapinoe kritisiert Fifa-Präsident Infantino

Die USA scheinen sich die Zähne auszubeissen. Bis ein Penaltypfiff alles jäh ändert: 59. Minute, ein hoher Ball auf Alex Morgan, Holland-Verteidigerin Stefanie van der Gragt will mit dem Fuss abwehren, trifft die US-Stürmerin an der Schulter, Morgan fällt – Elfmeter. Ein durchaus strittiger Entscheid der französischen Schiedsrichterin Stéphanie Frappart nach Studium der Videobilder. Megan Rapinoe schnappt sich den Ball, versetzt Van Veenendall, 1:0 für die USA, der Bann ist gebrochen, Rapinoe breitet die Arme aus.

Megan Rapinoe, die Überfigur der Ami-Frauen. Rebellin, Kämpferin für Schwulen- und Lesbenrechte, Kritikerin von Trump («Ich gehe nicht ins fucking White House.»), Kämpferin für Gleichberechtigung. Aber eben auch sportlich eine Ausnahmeerscheinung. Sie hat fünf von acht Toren der USA in der K.o.-Phase geschossen, obschon sie im Halbfinal gegen England wegen einer leichten Zerrung passen musste. Sportliche Exzellenz gepaart mit kämpferischer Haltung – eine explosive Mischung.

Das hat auch Fifa-Präsident Gianni Infantino erfahren. Am Freitag informierte er über die Zukunftspläne der Fifa für die Frauen. Die WM soll aufgestockt werden auf 32 Teams, vielleicht schon in vier Jahren, die Preisgelder will er von 30 auf 60 Millionen Dollar verdoppeln, genauso wie die Investitionen im nächsten Vierjahrezyklus (auf eine Milliarde Dollar).

Man könnte ihn loben für sein Engagement, aber Rapinoe kritisiert, sagt, die Fifa kümmere sich deutlich weniger um die Frauen als die Männer.

Denn die Frauenprämien werden zwar verdoppelt, doch die Männerteams kriegen in Katar 2022 440 Millionen Dollar, 40 Millionen mehr als in Russland – womit sich ihre Prämien also um zehn Millionen mehr steigern als jene der Frauen.

Rapinoe verlässt das Feld in der 79. Minute. Unter stehenden Ovationen. Da steht es längst 2:0 durch Rose Lavelle. Die Rebellin aber verlässt das Feld. Als Siegerin. Und während Trump schweigt, frohlockt Vorgänger Bill Clinton keine halbe Stunde nach Schlusspfiff: ««Herzlichen Glückwunsch den Weltmeisterinnen! Ich bin so wahnsinnig stolz auf die amerikanische Frauen-Nationalmannschaft!»

Die Endspiele an Weltmeisterschaften:

  • 1991 USA - Norwegen in Guangzhou/China.................... 2:1
  • 1995 NORWEGEN - Deutschland in Stockholm.................. 2:0
  • 1999 USA - China in Pasadena/USA.................0:0 n.V., 5:4 i.E.
  • 2003 DEUTSCHLAND - Schweden in Carson/USA................. 2:1 n.V.
  • 2007 DEUTSCHLAND - Brasilien in Shanghai.................. 2:0
  • 2011 JAPAN - USA in Frankfurt/Main.............. 2:2 n.V., 3:1 i.E.
  • 2015 USA - Japan in Vancouver............................. 5:2
  • 2019 USA - Niederlande in Lyon............................ 2:0

Lyon. - 58'000 Zuschauer. - SR Frappart (FRA). - Tore: 61. Rapinoe (Foulpenalty) 1:0. 69. Lavelle 2:0.

USA: Naeher; O'Hara (46. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn; Mewis, Ertz, Lavelle; Heath (87. Lloyd), Morgan, Rapinoe (79. Press).

Niederlande: Van Veenendaal; Van Lunteren, Dekker (73. Van de Sanden), Van der Gragt, Bloodworth; Groenen, Van de Donk, Spitse; Beerensteyn, Miedema, Martens (71. Roord).

Bemerkungen: 38. Van Veenendaal lenkt Kopfball von Morgan an den Pfosten. Verwarnungen: 10. Spitse (Foul). 42. Dahlkemper (Foul). 60. Van der Gragt (Foul).

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