Boxen
Die unsägliche Box-Geschichte geht weiter – für «Betrugsopfer» Conlan wird sie noch bitterer

Der russische Boxer Wladimir Nikitin wurde im Viertelfinal gegen den Iren Michael Conlan zum Sieger ernannt. Dieser witterte Betrug und tobte fürchterlich. Vielleicht zu recht: Denn nun ist Nikitin zu angeschlagen, um in Rio nochmals boxen zu können.

Ralf Meile
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Der Skandalkampf Im Bantamgewichts-Viertelfinal verliert der Ire Michael Conlan gegen den Russen Wladimir Nikitin.
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Nach dem Kampf wird der Russe zum Sieger erklärt.
Dabei hatte Conlan seinen Gegner immer wieder hart getroffen.
Conlan (24) Irlands erster Amateur-Weltmeister, hatte verloren, obwohl sein Gegner verbeult und blutverschmiert den Ring verliess.
"Ich war im ersten Gang und habe ihm die Ohren abgeboxt. Habt ihr sein Gesicht gesehen? Er hatte überall Cuts", sagte Conlan über Nikitin.
Für den Mann aus Belfast war die Sache klar: Der Sieg des Russen wurde bei den "korrupten Punktrichtern" gekauft.
Zudem kündigte er an, "nie wieder" unter AIBA-Regie zu boxen. "Es ist ein Trümmerhaufen. Mein Traum ist zerstört, ich bin in meinem tiefsten Herzen auch zerstört", sagte er in dem 90-sekündigen Interview.
Der Russe jubelt.
Nikitin sah gegen Conlan tatsächlich nicht wie ein Sieger aus.
Michael Conlan verliert Olympia-Viertelfinal
Conlan ist stinksauer, nachdem der Russe zum Sieger erklärt worden ist.

Der Skandalkampf Im Bantamgewichts-Viertelfinal verliert der Ire Michael Conlan gegen den Russen Wladimir Nikitin.

Keystone/AP Photo/Jae C. Hong

Michael Conlan kam nach Rio, um Gold zu gewinnen. Doch für den Bantamboxer (bis 56 kg) war im Viertelfinal Schluss, der Weltmeister aus Irland kassierte eine höchst umstrittene Niederlage. Die Kampfrichter riefen Wladimir Nikitin zum Sieger aus, obwohl der Russe in den Augen vieler Beobachter der unterlegene Boxer war.

Der Ausgang des Fights hatte erste Konsequenzen für mehrere Funktionäre des ausrichtenden Boxverbands AIBA: Sie wurden nach Hause geschickt. Es habe «eine Handvoll Entscheide» gegeben, welche «nicht auf dem erwarteten Niveau» gewesen seien, so der Verband.

An den Fehlurteilen wird indes im Nachhinein nichts geändert. «Sie schicken Richter heim, die Träume zerstört haben»,twitterte Michael Conlan daraufhin und fragte: «Was ist mit den Leuten, deren Träume zerstört wurden?»

Gesicht «völlig kaputt»

Für den Verlierer Conlan extrem bitter ist eine andere Meldung. Nämlich die, dass sein Bezwinger Nikitin zu viele Blessuren habe, um weiterkämpfen zu können. Er müsse für den Halbfinal-Kampf gegen den Amerikaner Shakur Stevenson forfait geben, sagte US-Trainer Billy Walsh zur Plattform «Stiff Jab».

Stevenson zieht deshalb kampflos in den Final ein – und der verhinderte Gegner Nikitin erhält die Bronzemedaille, weil es keinen Kampf um Platz 3 gibt und deshalb im Boxen beide Halbfinal-Verlierer Edelmetall erhalten. Nikitins Gesicht sei nach dem Sieg gegen Conlan «völlig kaputt» gewesen, werden russische Betreuer zitiert.

Nikitin sah gegen Conlan tatsächlich nicht wie ein Sieger aus.

Nikitin sah gegen Conlan tatsächlich nicht wie ein Sieger aus.

Keystone

Trost für den Verlierer

Conlan hat sich nach dem ersten grossen Frust mit dem Ausscheiden abgefunden. Er teilte ein Foto, das ihn mit der Familie am Strand zeigt.

Trost erhielt Conlan auch von einem Fünfjährigen. Dieser schickte ihm einen handgeschriebenen Brief und legte eine Medaille bei, die er bei einem Schul-Wettkampf gewonnen habe. «Ich habe deinen Kampf gesehen und du hättest gewinnen müssen, denn du bist der beste Boxer der Welt», schrieb der kleine Fan dazu.