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Die ungenutzte Ausgangslage der Schweizer Slalomfahrer am Chuenisbärgli

Ramon Zenhäusern schleudert nach der Bestzeit im zweiten Lauf seine Stöcke in die Luft.

Ramon Zenhäusern schleudert nach der Bestzeit im zweiten Lauf seine Stöcke in die Luft.

Die Schweizer legen im ersten Lauf des Slaloms von Adelboden grossartig vor. Doch das Rennen nimmt ein gewöhnliches Ende: Marcel Hirscher siegt, Einheimische findet man nicht auf dem Podest.

Die Hürden sahen am Sonntagmorgen unüberwindbar aus. Da war diese Flaute, die zwischen 2009 und 2019 zum Fluch reifte. Das Podest von Adelboden verschwand aus der Reichweite der Schweizer. Der Riesenslalom-Klassiker vom Samstag änderte nichts daran. Auch wenn zwei Schweizer in den Top Ten standen und das ja eigentlich kein schwaches Ergebnis ist.

Für den Slalom vom Sonntag kam nebst der mentalen Hürde eine zusätzliche Schwierigkeit hinzu. In der Nacht fielen 20 Zentimeter Neuschnee. Und am Sonntag hörte es nicht auf, zu schneien. Für die Durchführung des Rennens waren die Neuschneemengen zwar kein Problem. Doch die Athleten mussten sich auf einen Kampf einlassen. Die Sicht auf der Piste war diffus.

Schön anzusehen etwa, als Bruno Kernen für SRF die Kamerafahrt vor dem zweiten Durchgang in Angriff nahm. Nach wenigen Stangen klebte so viel Schnee auf der Linse, dass die Zuschauer nichts mehr sehen konnten.

Vier Fahrer in Top Ten

Doch die Schweizer Athleten begegneten den Naturgewalten mit Unerschrockenheit. Und waren erfolgreich. Das liess sich bereits in der Zwischenrangliste ablesen. Vier Fahrer standen in den Top Ten: Daniel Yule und Reto Schmidiger auf den Plätzen 6 und 7. Ramon Zenhäusern und Luca Aerni auf 9 und 10.

Dass der Hergiswiler Schmidiger mit Startnummer 38 so weit vorne im Klassement auftauchte, war die Geschichte des ersten Durchgangs. Schmidiger sagte: «Ich probiere im zweiten Lauf nochmals gleich anzugreifen, dann gibt das doch ein ganz gutes Resultat.» Es schien nur noch einen Lauf lang zu dauern, bis sich der Fluch in Luft auflösen wird. Wenn nicht Schmidiger, dann halt Yule oder Zenhäusern oder Aerni.

Reto Schmidiger: Bemerkenswert ist sein Exploit im ersten Durchgang.

Reto Schmidiger: Bemerkenswert ist sein Exploit im ersten Durchgang.

Schmidiger konnte aber nicht nachlegen, er fädelte im zweiten Lauf ein. Bemerkenswert ist der Exploit im ersten Durchgang ohnehin. Seine Karriere-Bestleistung ist ein achter Platz, der schon eine Weile zurückliegt. 2011 in Lenzerheide war das. Seither schaffte er es nur noch ein einziges Mal in die Top 10, nämlich zum Auftakt der letzten Saison. Schmidiger war damals so richtig gut in Form, nur konnte er nicht von ihr Gebrauch machen. Beim nachfolgenden Rennen in Val d’Isère verletzte er sich und musste die Saison abbrechen.

«Geduld ist das Wichtigste.»

Es liegt in der Natur der Sache, dass Schmidiger in diesem Comeback-Winter nur langsam in die Spur findet. In seinen drei Weltcup-Einsätzen konnte er sich nie für den zweiten Lauf empfehlen. Auf Europacup-Stufe gab es ebenso wenig Lichtblicke. Als er Ende Dezember den FIS-Slalom von Sörenberg gewann, sagte er: «Geduld ist das Wichtigste.» Genau diese Geduld fehlte ihm in Adelboden.

Auch Luca Aerni schaffte es nicht, nachzudoppeln, auch er schied aus. Ramon Zenhäusern übernahm im zweiten Lauf die Bestzeit. Und er zeigte auf, wie empfänglich Adelboden für ein Gaudi wäre. Zenhäusern schleuderte im Ziel den Stock so durch die Luft, dass die Angestellten der Fernsehstationen in der ersten Reihe die Köpfe einziehen mussten. Sein Handschuh warf er in hohem Bogen von sich, die Zuschauer jubelten noch mehr.

Am Ende wieder neben dem Podest

Schade nur, standen oben noch ganz viele Leute, die daran etwas ändern konnten. Unter ihnen die Franzosen Pinturault und Noel oder Kristoffersen und Hirscher. Aber auch Daniel Yule, dem viele ganz viel zutrauten. Yule fand aber nie richtig in diesen zweiten Lauf und belegte schliesslich den achten Platz. «Wenn es nicht so gut läuft und trotzdem ein achter Platz herauskommt, kann ich eigentlich zufrieden sein», sagte er.

Es kam, wie es eben kommen muss am Chuenisbärgli. Der Schweizer wurde vom Podest verdrängt. Auf die ersten drei Plätze fuhren Marcel Hirscher, Clément Noël und Henrik Kristoffersen. Hirscher, der bereits am Samstag triumphierte, hat das Adelboden-Double nun zum dritten Mal gewonnen.

Auf die ersten drei Plätze fuhren Marcel Hirscher, Clément Noël und Henrik Kristoffersen.

Auf die ersten drei Plätze fuhren Marcel Hirscher, Clément Noël und Henrik Kristoffersen.

Für Zenhäusern blieb der fünfte Rang. Er sagte: «Ich bin mehr als zufrieden. Die Bestzeit am Chuenisbärgli ist das Coolste, was man als Skirennfahrer erleben kann.» Wahrscheinlich mag er recht haben. Doch vielleicht wäre noch cooler, wenn die Bestzeit bis am Schluss bestehen bleiben würde.

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