Gefallene Sportstars

Die Tragödie nach der Karriere: Jan Ullrich ist kein Einzelfall

Wer während Jahren in der Blase des Spitzensports lebt, findet danach häufig den Tritt im realen Leben nicht mehr. Oft sind Drogen mitverantwortlich für persönliche Schicksale. Die tragische Geschichte von Radstar Jan Ullrich ist längst kein Einzelfall.

Jan Ullrich hat eine Woche der persönlichen Tiefpunkte hinter sich. Zuerst randaliert der frühere Olympiasieger und Tour-de-France-Gewinner bei Nachbarn auf Mallorca, dann wird er in Frankfurt verhaftet, weil er eine Prostituierte geschlagen haben soll. Die Polizei liefert Ullrich in der Psychiatrie ab.  

Paul Gascoigne, Fussball

Der englische Fussballer wird auf dem Spielfeld geliebt für seine genialen Ideen. Als Regisseur bestreitet er 57 Länderspiele für die Three Lions. Wegen Verletzungen muss er seine Karriere beenden. Seither ist sein Leben ein fortwährendes Trauerspiel. Gascoigne ist schwerer Alkoholiker, steht mehrmals dem Tode nah und wird nach jeder Therapie rückfällig. Auch harte Drogen werden bei ihm gefunden. Die Polizei muss mehrmals wegen Schlägereien einschreiten. Jegliche Hilfe ist bis heute gescheitert.   

Tonya Harding, Eiskunstlauf

Die US-Amerikanerin holt 1991 Silber an den Weltmeisterschaften. In ihrer ewigen Rivalität mit Landsfrau Nancy Kerrigan überschreitet sie aber alle Grenzen. 1994 heuern sie und ihr Ehemann einen Attentäter an, der Kerrigan mit einer Eisenstange attackiert und schwer am Knie verletzt. Harding wird zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und im Eiskunstlaufen lebenslänglich gesperrt. Sie versucht sich später mit wenig Erfolg als Boxerin und im Wrestling.  

Ben Johnson, Leichtathletik

1988 an den Olympischen Spielen in Seoul stellte der in Jamaika geborene Kanadier mit 9,79 Sekunden einen Fabelweltrekord über 100 m auf. Doch zwei Tage später blieb er in der Dopingkontrolle hängen und wurde des Missbrauchs von Steroiden überführt. Johnson gestand, bereits seit 1981 systematisch gedopt zu haben. Nach der zweijährigen Sperre gab er ein wenig erfolgreiches Comeback, bevor er 1993 ein zweites Mal erwischt wurde und danach in der Leichtathletik lebenslang gesperrt wurde. Später versuchte sich Johnson erfolglos im American Football. 2006 behauptete er, sein damaliger Konkurrent Carl Lewis habe ihm bei den Olympischen Spielen 1988 bewusst ein Dopingmittel verabreichen lassen.

Marco Pantani, Radsport

Der Italiener schaffte 1998 als bisher letzter Fahrer das Double Giro d'Italia und Tour de France. Ein Jahr später wurde er am Giro des Dopings überführt. Pantani wurde gesperrt und zunehmend depressiv. Deswegen wurde er mehrmals in einer Psychiatrischen Klinik eingewiesen. Am 14. Februar 2004 fand man "den Piraten" tot in einem Hotelzimmer in Rimini. Pantani starb an einer Überdosis Kokain.

Tiger Woods, Golf

Mehr als ein Jahrzehnt lang dominiert der US-Amerikaner die Szene, gewinnt 14 Major-Turniere und wird zum globalen Superstar. Doch Enthüllungen über diverse aussereheliche Affären lassen ihn 2009 in ein tiefes Loch fallen. Im Wochenrhythmus wird sein Privatleben mit neuen, pikanten Details seziert. Der "Sexsüchtige" wird von seiner Ehefrau Elin Nordegren verlassen, baut einen Autounfall und wird von der Polizei mitten in der Nacht in verwirrtem Zustand aufgegriffen. Nach einer Therapie meldet sich Woods inzwischen aber nicht nur gesundheitlich, sondern auch sportlich auf Topniveau zurück.  

Diego Armando Maradona, Fussball

Der bekannteste Fussballer seiner Zeit, führte Argentinien 1986 zum Weltmeistertitel. Legendär sein mit der Hand erzieltes Tor gegen England im Halbfinal – die "Hand Gottes" wie es Maradona ausdrückte. 1991 kam er wegen Drogenkonsums mit dem Gesetz in Konflikt. Kokain, Alkohol und Übergewicht sind seither treue Begleiter. Aus dem ehemaligen Idol ist eine Lachnummer geworden. Heute ist Maradona Präsident beim weissrussischen Spitzenclub Dinamo Brest und unter Gianni Infantino so etwas wie ein Fifa-Maskottchen.

Oscar Pistorius, Behindertensport

Der Südafrikaner, bekannt als "Blade Runner", gewann bei den Leichtathletik-Wettbewerben an den Paralympics insgesamt sechsmal Gold. Doch die grössten Schlagzeilen machte der beinamputierte Athlet 2013, als er seine Lebensgefährtin durch die Badezimmertür hindurch erschoss. Seine Begründung, er habe sie für einen Einbrecher gehalten, zog nur beim ersten Prozess. Ein Berufungsgericht verurteilte Pistorius zu 15 Jahren Haft.  

Matti Nykänen, Skispringen

Der Finne ist auf der Schanze ein Gott, gewinnt reihenweise und wird Olympiasieger. Die ständige Mutprobe in der Luft fordert sein Opfer. Nykänen verfällt der Alkoholsucht, versucht sich nach der Karriere als Stripper. 2004 wird er wegen versuchtem Totschlag zu 26 Monaten Haft verurteilt. Weitere Festnahmen folgen, weil er dreimal seine insgesamt vierte Ehefrau körperlich misshandelt. Zuletzt greift er sie mit dem Messer an und landet erneut für 13 Monate im Gefängnis. Seine Autobiografie hat den Titel: "Grüsse aus der Hölle". 

Mike Tyson, Boxen

Mit 20 Jahren wird der berüchtigte K.O.-Schläger 1986 jüngster Schwergewichts-Weltmeister  in der Geschichte des Profiboxens. Während er im Ring über Jahre seine Gegner reihenweise vermöbelt, setzt ihn die Justiz ihrerseits immer wieder ausser Gefecht. 1992 muss er wegen Vergewaltigung für sechs Jahre in den Knast. Weitere Gefängnis-Aufenthalte wegen Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer und Kokain-Besitz folgen. Heute ist Tyson pleite und nach eigenen Angaben zwischenzeitlich alkoholsüchtig.

Jennifer Capriati, Tennis

Das Teenie-Wunder gibt bereits mit 13 Jahren ihren Einstand im Profizirkus. 1992 wird sie Olympiasiegerin mit einem Finalsieg gegen Steffi Graf. Danach folgt ein Absturz. 1993 gibt es eine Verurteilung wegen Ladendiebstahl, 1994 eine wegen Besitz von Marihuana. Umso beeindruckender das spätere Comebach. Capriati gewinnt 2001 sowohl das Australian wie das French Open und wird für kurze Zeit zur Weltnummer 1. Nach dem Rücktritt folgen wieder die Negativschlagzeilen und eine Verurteilung wegen Körperverletzung gegen den Ex-Freund. Diesen hatte sie zuvor während Monaten gestalkt, etwa mit unzähligen SMS-Nachrichten.

Lance Armstrong, Radsport

Der Sportheld schlechthin, bezwingt den Krebs und gewinnt danach zwischen 1999 und 2005 siebenmal in Folge die Tour de France. Doch alles war nur Schein und Betrug. Armstrong betrieb über Jahre systematisches Doping. Nachdem er 2012 aufflog, bedrohte er verbal mehrere ehemalige Teamkollegen. 2013 folgte in einer US-Talkshow ein lauwarmes Geständnis. Armstrong verlor sein Ansehen, viele lukrative Verträge und eine hohe zweistellige Millionensumme. Auch Privat machte er immer wieder eine schlechte Falle. Etwa, als er nach einem von ihm verursachten Autounfall seine Freundin zu einem falschen Geständnis nötigte.  

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