Super League
Die Suche nach der Wahrheit: Wie geht es dem Schweizer Fussball beim Start der Super League?

Vom Meisterrennen über Neulinge bis zum Abstiegskampf – der Schweizer Fussball hat Emotionen zurück. An diesem Wochenende startet nach sieben Wochen Pause, die Super League.

Etienne Wuillemin
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Das lange Warten auf Spektakel im Meisterkampf zwischen YB und Basel hat ein Ende: Die Schweizer Fussballmeisterschaft nimmt an diesem Wochenende den Betrieb wieder auf.

Das lange Warten auf Spektakel im Meisterkampf zwischen YB und Basel hat ein Ende: Die Schweizer Fussballmeisterschaft nimmt an diesem Wochenende den Betrieb wieder auf.

Keystone

Wie steht’s bei YB um den Begeisterungs-Tsunami? Funktioniert der FCB trotz tiefgreifenden Veränderungen? Wohin will der FCZ? Wie toll findet St. Gallen Esoterik? Wird Lausanne zur neuen Macht im Schweizer Fussball? Hat GC wirklich Geld? Startet Lugano erneut zur grossen Aufholjagd? Wer schiesst die nächsten Thun-Tore? Kann sich der Luzerner «Birchermüesli»-Chef Alpstaeg endlich zurücknehmen? Und: Bringt Constantins Drill-Camp den gewünschten Effekt?

Der Schweizer Fussball ist voller Fragen. Und durchaus spannungsgeladen, wenn an diesem Wochenende der Ball in der Super League nach sieben Wochen Pause wieder rollt. Es warten gleich wegweisende Wochen. Überall. Egal, ob im Meisterrennen oder im Abstiegskampf. Egal, ob im fussballunterkühlten Zürich oder in den Brennpunkten St. Gallen, Luzern und Sion.

Vermeintliche Meistergarantie

Beginnen wir zuoberst. Selten hat man rund um die Young Boys derart viel Ruhe gespürt. Kein Spieler hat den Verein verlassen. Es gab auch keine unnötigen Nebenschauplätze. Nur die Verletzung von Torhüter David von Ballmoos hat die Idylle gestört.

Dass nun an einigen Orten Zweifel über Marco Wölfli herbeigeredet werden, ist historisch gesehen verständlich. Könnte aber gar vorteilhaft für YB sein. Denn jeder Torhüter ist nur so gut wie sein Team davor. Und dieses YB hat mit jener Ausgabe 09/10 nichts mehr gemein. Von Sportchef Spycher über Trainer Hütter bis zu den Leistungsträgern: Die Ingredienzen für Titelgewinne sind vorhanden. Und vielleicht ist ja auch Hoarau wieder fit.

Die Vorrunde des FC Basel ist ziemlich turbulent verlaufen. Nach dem Führungs- und Trainerwechsel musste das Team erstmals seit Jahren eine echte Krise erleben. Niederlagen gegen Lausanne und St. Gallen. Remis gegen Lugano. Ziemlich ungewöhnlich für Rotblau. Doch der FCB ist mit einem blauen Auge davongekommen.

Erfolgsmodelle kopieren

Innert acht Tagen betrug der Rückstand plötzlich nur noch zwei statt sieben Punkte. Dementsprechend gross ist die Gewissheit, dass am Ende schon alles gut kommt. Zu gross? Der Aktionismus im Winter wird im inneren Basler Zirkel sehr wohlwollend betrachtet. Die Zuzüge von Stocker und Frei werden fast schon als Meistergarantie angesehen. Gut möglich, dass es am Ende so kommt. Aber undenkbar sind weitere Probleme nicht.

Die neue FCB-Führung setzt ihre Strategie konsequent um. Sie holt frühere Helden zurück und versucht, junge Spieler einzubauen. Doch es ist fraglich, ob das Kopieren eines früheren Erfolgsmodells wirklich möglich ist.

Die Generation Frei, Streller und Huggel war voller Hunger, als sie zum FCB zurückkehrte. Bei Stocker und Frei scheint die Ausgangslage auf dem Papier ähnlich, wie damals sucht auch jetzt die neue Führung ihre Identifikationsfiguren. Aber die beiden haben eben auch schon alles gesehen und erlebt, was es mit dem FCB zu sehen gibt.

Nordwestschweiz

Birchermüesli und Streitereien

Die grössten Brennpunkte während der Winterpause waren in Luzern und
St. Gallen zu finden. In der Innerschweiz bewies Investor Bernhard Alpstaeg wieder einmal sein grösstes Talent: Das Erfinden von Wort-Kreationen. Nach Jahren mit respektablem Leistungsausweis ist Markus Babbel also plötzlich ein «Birchermüesli-Trainer». Ein Trainer mit vielen verschiedenen Zutaten und ohne klaren Fokus.

Mag vielleicht lustig klingen. Offenbart aber ziemlich deutlich, woran Luzern krankt: An einem Investor ohne Ahnung von Fussball. Babbel muss gehen. Ob jetzt alles besser wird? Manchmal geschehen ja Wunder, sogar im Fussball.

Das Hüppi/Sutter-Duo

Auch in St. Gallen ist man sich Streitereien gewohnt. Doch die vergangenen Monate waren beispiellos. Nun ist alles neu, das TV-Duo Hüppi/Sutter räumt auf. Präsident Hüppis Energie ist ansteckend. Fragt sich nur, ob auch Sportchef Sutter dieselbe Lust aufbringt, nochmals zum Fussballverrückten zu werden.

Und weiter, ob sein Hang zur Esoterik besser ankommt als damals bei GC. Die erste personelle Massnahme geriet bereits zum Bumerang. Der nominierte Talentmanager (Marcel Herzog) besitzt die nötigen Diplome nicht.

Spannung im Tabellenkeller

Bleiben die Sorgenkinder. An erster Stelle die Zürcher Klubs. Das Fussballinteresse in der Stadt sinkt weiter. Obwohl der FCZ respektabel unterwegs ist (erinnert sich noch jemand, dass er Aufsteiger ist?) und sich GC unter Murat Yakin wieder einmal neu erfindet.

Viel Spannung verspricht der Abstiegskampf. Sion hat Monate zum Vergessen hinter sich. Präsident Christian Constantin ist ausgeschlossen nach seiner Ohrfeige an TV-Experte und Scharfmaul Rolf Fringer, das Team derweil auf Abwegen. Doch Constantin rechnet anders. Nach seinem Strafcamp hält er einen Europacup-Platz für realistisch.

Derweil sich Lausanne mit neuem Investorengeld und einer Vorwärtsstrategie wohl vom Abstiegskampf verabschiedet hat, muss Thun ohne Topskorer Rapp (erlag den Lausanne-Verlockungen) den nächsten Skorer finden. Wobei: Warum sollte es diesmal nicht wieder gelingen? Was nur eines heisst: Es kann am Ende jeden treffen. Spätestens seit dem FCZ-Abstieg ist das klar.