Sport

Die Schwinger rütteln freiwillig nicht am Amateursport-Status: Kein Sonderrecht für Könige

Auch die Schwinger im Spitzensportprogramm der Armee profitieren nicht von Ausnahmen.

Auch die Schwinger im Spitzensportprogramm der Armee profitieren nicht von Ausnahmen.

Lieber verzichten Schwinger aufs Training, anstatt Ausnahmen für ihre Besten zu schaffen – warum ist das so?

Gibt es bald eine Königsklasse im Schwingen? Ausser dass der Name passt, harmoniert das so gar nicht. Und doch stellt sich die Frage in einer Zeit, in der die Sportverbände versuchen, ihrer Elite schnellstmöglich, bestmögliche Trainingsbedingungen zu schaffen. Denn klar ist: Im Moment ist Sport nur erlaubt, wenn die Abstandsregeln ein­gehalten werden können. Und Ausnahmen gibt es nur für den Spitzensportbereich. Doch die Schwinger haben, anders als beispielsweise die Ringer, kein Nationalkader und keine anerkannte Elite. Sie können also gar nicht eine Ausnahme für Trainings mit Körperkontakt beantragen. Leidet der Traditionssport also am Amateurstatus, den er so leidenschaftlich ver­teidigt?

Stefan Strebel, Technischer Leiter beim Eidgenössischen Schwingerverband ESV, sagt:

Dabei gäbe es Kriterien, um eine Elite zu bestimmen: den gewonnen Eidgenössischen Kranz zum Beispiel. Oder all jene, die im Spitzensportprogamm der Armee sind.

Trotz König sind im Schwingen alle gleich

Andreas Döbeli

Andreas Döbeli

Andreas Döbeli erfüllt beides und trotzdem sagt der Aargauer: «Wir müssen aufpassen, dass die Schere zwischen den Profis , wenn wir sie so nennen wollen, und den Amateuren nicht noch weiter aufgeht. Sonst lässt sich das Schwingen in der jetzigen Form nicht mehr durchführen. Das ganze System mit Kränzen und so weiter ginge nicht mehr, wenn nur noch wenige Profischwinger an den Festen dabei sind.» Der 22-Jährige ist darum ebenfalls dafür, dass alle gleichzeitig wieder beginnen können, zu schwingen. Und dass «alle in der gleichen Liga an den Start gehen».

Das ist ganz im Sinne des Verbands. «Wir können doch nicht mit den 23 Schwingern, die im Spitzensport-WK-Programm sind, Feste veranstalten», sagt Strebel. «Der Anteil der Elite ist sehr klein, gemessen an fast 3000 aktiven Schwingern, die es ebenso braucht.»

Keine Königsklasse für das Schwingen also. Darin sind sich alle einig. Rolf Huser, Manager von König Christian Stucki, sagt: «Es gab schon vor Jahren die Idee, dass sich besten Schwinger im Winter im Hallenstadion in einer Art Showkampf messen.» Das Projekt war chancenlos. Die Hintergründe waren die gleichen wie jetzt: im Schwingen sind alle gleich. «An einem Schwingfest gibt es nicht nur den Stucki, den Orlik oder den Wicki», sagt Huser. «Es gibt auch den Müller, den Meier und den Huber. Und das ist richtig so.»

Sehnsucht auf der einen, sauberer Aufbau auf der anderen Seite

Armon Orlik

Armon Orlik

Alle oder keiner. Das sagt auch Armon Orlik: «Dass für die Spitzenschwinger derzeit keine Trainings möglich sind, ist nicht so entscheidend. Es wäre heikel, Unterschiede zu machen.» Der Bündner vertritt den Nordostschweizer Verband im Aktivenrat, einem Gremium, das die Interessen der Athleten vertritt: «Viele Schwinger sind natürlich sehnsüchtig, ins Sägemehl zu steigen. Jetzt ist aber Geduld gefragt.» Sein Ratskollege Pirmin Reichmuth sieht es als Vorteil, dass bereits fast alle Feste abgesagt wurden. Der Zuger sagt: «Das macht es für uns einfacher, im Training nicht zu schwingen, weil wir uns schon jetzt auf die nächste Saison konzentrieren können.»

Doch was, wenn die aktuelle Situation bestehen bleibt, wenn noch lange keine Schwingfeste mit Zuschauern erlaubt sind? Gemäss gut informierten Quellen gibt es Bemühungen von Athleten, im Herbst Geisterschwingfeste zu veranstalten – diese aber als Showevents ohne Wertung. Reichmuth bestätigt nur, «dass der Aktivenrat nach Ideen sucht, wie es weitergehen könnte. Klar ist aber, dass egal, wie wieder geschwungen wird, es mindestens sechs Wochen Training mit Vollkontakt im Voraus braucht.»

Und da wären wir wieder beim ursprünglichen Problem. Trainiert wird erst wieder, wenn der Bundesrat Lockerungen beschliesst. Eine Sonderregelung für Könige und die erste Garde wird es nicht geben.

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