Bilanz
Die «Schweizer Sport AG» hat mit Sotschi eine Belastungsprobe bestanden

Sechsmal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze: Noch nie war die Schweiz an Olympischen Winterspielen so erfolgreich wie in Sotschi. Die Schweiz bleibt damit eine grosse Wintersportnation.

Klaus Zaugg, Sotschi
Merken
Drucken
Teilen
Das Schweizer Markenzeichen in Sotschi: Die Pelzmütze.

Das Schweizer Markenzeichen in Sotschi: Die Pelzmütze.

Keystone

Die Emotionen des Augenblickes verführen gerade im Sport zu optimistischen Einschätzungen. Gut, gibt es den Medaillenspiegel. Der sagt in Zahlen, wie gut wir tatsächlich waren: sechsmal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze. So viel Gold hatten wir zwar auch in Vancouver. Aber nicht so viel Silber dazu. Deshalb sind Sotschi medaillenstatistisch die erfolgreichsten Spiele aller Zeiten.

Die Statistik sagt nicht immer alles. Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen. 1972 brachte uns bereits viermal Gold auf Platz drei im Medaillenspiegel. 1988 kamen wir mit fünfmal Gold auf den dritten Rang dieser Weltrangliste des Wintersportes. Hier nun stehen wir mit sechsmal Gold «nur» auf Position 7.

Die «goldenen Tage von Sapporo» sind die gefühlten besten Spiele aller Zeiten. Nur acht Jahre nach den «Nullspielen» von Innsbruck (1964) ohne eine einzige Medaille waren wir wieder eine Sport-Weltmacht. Die olympischen Emotionen von 1972 werden wir in unseren Stuben nie mehr haben.

Helden, die enttäuschten

Sotschi 2014 wird also nicht als «Big Bang» in unsere Sportgeschichte eingehen wie Sapporo 1972. Auf den ersten Blick scheinen die Spiele von 2014 gute, solide Spiele zu sein. Aber Sotschi 2014 war auf den zweiten Blick viel mehr. Wir hatten in Sotschi olympische Helden, die leise oder arg enttäuschten – von Lara Gut über Simon Ammann bis zum Eishockeyteam der Männer. Und doch stehen wir am Ende mit der statistisch besten Medaillenbilanz da.

Die «Schweizer Sport AG», dieses weltweit einmalige Modell, das stärker durch private Initiative als auf staatlicher Förderung und Verbands-Sozialismus geprägt wird, hat eine Belastungsprobe bestanden. Selbst dann, wenn nicht alle die Erwartungen erfüllen, bleiben wir eine grosse Wintersportnation.

Das zeigt eindrücklich, wie vielfältig, breit gefächert und stark unsere Sportkultur geworden ist. Wir behaupten uns im kapitalisierten, globalisierten Weltsport des 21. Jahrhunderts genau so erfolgreich wie einst in den beschaulichen Winterspielen der Amateure von 1928 oder 1948. Der Schweizer Sport ist dazu in der Lage, sich den internationalen Entwicklungen anzupassen und diese Entwicklungen manchmal sogar zu prägen. Die Schweizer als die Gallier des Weltsportes, die sich im sportlichen «Imperium Romanum» behaupten.

Politisch und wirtschaftlich umstritten

Sotschi 2014 wird uns eher durch die äusseren Umstände als durch die rein sportlichen Ereignisse in Erinnerung bleiben. Es waren die politisch und wirtschaftlich umstrittensten Winterspiele der Geschichte. Und sie sind letztlich zum Symbol für Russlands neuen Anspruch auf Weltgeltung und Grösse geworden.

Sie entsprechen der Kultur eines Landes, über das Fjodorow Tjutschew einst sagte: «Verstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand. Es hat sein eigenes Gesicht. Nur glauben kann man an Russland.»

Das lässt sich so auf Sotschi 2014 übertragen. Spiele, deren Dimensionen wir im Grunde mit dem Verstand nicht messen können. Spiele mit einem ganz eigenen Gesicht. Dank unbegrenztem Zugriff auf die staatlichen Mittel waren es Spiele mit einer unheimlichen Funktionalität und nur in Russland denkbaren räumlichen Grosszügigkeit. Es gab kein Problem. Das nicht gelöst werden konnte. Obwohl die Gotteskrieger hinter den Bergen lauerten und die grössten Sicherheitsvorkehrungen der olympischen Geschichte provozierten, waren diese Sicherheitsmassnahmen so diskret wie noch nie in der Neuzeit.

Die Sonne ging über dem Meer auf und ging im Meer unter, im Hintergrund die Schneeberge und nicht Steinbock und Adler waren die wilden Tiere, die wir sahen. Sondern die Delfine im Schwarzen Meer. Sotschi 2014 war das Land «Utopia» des Wintersportes. Gigantische, wunderbare Spiele, in dieser Art und Weise nicht mehr wiederholbar.

Die IOC-Funktionäre würden solche Spiele zwar gerne wiederholen. Sie verurteilen ständig den olympischen Gigantismus, mögen aber nichts lieber als gerade diesen Gigantismus. Aber sie werden keinen Organisatoren mehr finden, der ihnen noch einmal Sotschi 2014 hinstellt – ausser Russland übernimmt wieder mal die Winterspiele.

Das Wetter spielt mit - oder auch nicht Die Frühlingsspiele von Sotschi
104 Bilder
oh! Nicole Fessel von den Deutschen Langläuferinnen
Die Buckelpiste ist nicht für jedermann
Sonnenuntergang beim Biathlon in Sotschi
Iouri Podladtchikov vor seinem Auftritt bei einer Pressekonferenz Der Schweizer Snowboarder konnte das grosse Interesse vieler Journalisten nicht glauben und musste sich ein Erinnerungsbild schiessen
Ziemlich spezielles Outfit Die Norweger beim Curlen
Jubel bei der Siegerehrung der Eishockeyspielerinnen Das Schweizer Team holt Bronze
Gold im Eishockey geht an Favorit Canada Sie schlagen Schweden im Final mit 3:0
Das Wetter war in Sotschi auch immer wieder ein grosses Thema Sind das echt Winterspiele?
Ein Canada-Fan freut sich über die Goldmedaille im Eishockey
Russland holt nach dem Zweier-Bob auch im Viererbob die Goldmedaille
So siehts nach Schlusspfiff bei den Schweizer Eishockeyspielerinnen aus Nein, keine Schlägerei, aber viel Jubel! - Zurecht, sie holen die Bronzemedaille
Beat Hefti und seine Bremser machten zu viele Fehler in den vier Läufen Doch der Schweizer Pilot hatte schon Silber im Zweierbob geholt
Zum Glück nur eine Showeinlage und kein Wettkampf Javier Fernandez aus Spanien unterhält die Fans in Sotschi
Warm wars beim Slalom der Snowboarder
Ein Grosser nimmt Abschied Teemu Selänne gewinnt mit Finnland die Bronzemedaille und tritt im Alter von fast 44 Jahren zurück
Biathlet Benjamin Weger beim Schiessstand
Der Sturz der Olympischen Spiele in Sotschi Skicross der Herren
Sotschi, Pflotschi Regen während des Riesenslalom-Rennens der Frauen
Der Fehlstein des Jahres Der Schweizer Curler Sven Michel vergibt gegen Russland den Matchstein
Die Biathleten unterwegs - allesamt
Ein Gruss nach Hause nach Australien
Die Amerikaner bedanken sich bei den fairen russischen Fans
Ein Sprung in den sulzigen Schnee
Nach der warmen Sonne kam der Nebel
Biathlon-Wettkämpfe mussten verschoben werden
Grande Sandro! Sandro Viletta gewinnt in der Kombination die Goldmedaille!
Harte Landung bei den Aerials
Vielfach wurde die Wettkämpfe ohne Zuschauer ausgetragen - trotzdem waren es fantastische Spiele!
Die schönsten und lustigsten Bilder der Olympischen Spiele von Sotschi
Sommer im Sotschi? Diesem Kameramann macht das Arbeiten heiss, oder sinds die Atheltinnen, die er filmt?
Ziemlich schmerzhafte Landung Der Franzose Jules Bonnaire schlägt in der Slopestyle-Quali hart mit dem Gesicht auf dem Schnee auf
Der Schatten fliegt mit Der Finne Aleksi Patja in der Slopestyle-Quali
Die Schweizer Frauen schwören sich auf das Spiel ein
Hey, aufgepasst! Auch ich habe eine Waffe! Der Tscheche Jakub Voracek mischt sich in den Zweikampf zwischen Martin Erat (links) und Oliver Ekman-Larsson
Dieses Snowboard muss ziemliche Kräfte aushalten Superstar Shaun White landet im Halfpipe-Final nicht wie gewollt
Kombinierer Dusty Korek nimmt Anlauf auf der Normalschanze
Riesen-Freude bei Olympiasiegerin Dominique Gisin, Lara Gut holt Bronze, wirklich zufrieden scheint sie aber nicht zu sein
Ausgelassene Rodler-Freude Tobias Wendl und Tobias Arlt bei der «Flower-Ceremony»
Gold-Junge! Iouri Podladtchikov zeigt stolz seine Goldmedaille
Ausgelassener Jubel bei den Goldmedaillen-Gewinnern Tatiana Volosozhar und Maxim Trankov
7,9 Sekunden! Was für ein tolles Ende! Die Schweizer Nati jubelt über den glücklichen Treffer kurz vor Schluss gegen Lettland. Aber sonst schnitt die Nati enttäuschend ab und schied frühzeitig aus
«Wo gehst denn du hin?» dürfte sich Simon Shnapir über seine Eiskunstlauf-Partnerin Marissa Castelli denken
Nettes Taxi Die Schweizer Eishockey-Torhüterin Florence Schelling wird zum Training gefahren und kann sich ein Lachen nicht verkneifen
Hmm, ok, wir wollen uns die Finger mit dieser Bildlegende nicht verbrennen und lassen das Bild einfach mal so stehen Pang Qing und Tong Jian aus China beim «Eiskunstlaufen».
Dasselbe gilt bei diesem Bild, trotzdem können wir dieses Mal einen Spruch nicht verkneifen: Nette Aussichten beim Eiskunstlaufen
Harte Landung
Pressekonferenz auf Russisch Fast das gesamte Eishockeyteam der Russen stand den Journalisten vor dem ersten Spiel Red und Antwort. Beim Abgang nach der enttäuschenden Niederlage gegen Finnland wollte kein Spieler mehr sprechen
Das kanadische Eishockeyteam lässt sich für das Teamfoto etwas einfallen, während der Fotograf hin und her springt Superstar und Captain Sidney Crosby sitzt in der ersten Reihe in der Mitte, flankiert von den Assistenzcaptains Jonathan Toews und Shea Weber.
Ein Nickerchen an den Winterspielen unter Palmen - das ist nur in Sotschi möglich
Wisch, wisch! – Die Schweizer Curling-Skipperin Mirjam Ott gibt Anweisungen
Wahnsinns-Sprung von der Britin Katie Summerhayes im Ski-Slopestyle
Katie Summerhayes hats im Griff
Ein Plüschtierli als Glücksbringerli bei den Eiskunstläuferinnen
Fliiiiiieg! Enni Rukajarvi aus Finnland beim Slopestyle-Wettkampf
Nicht von schlechten Eltern: Gold an Holland, Silber an Holland, Bronze an Holland Die drei Holländer Sven Kramer (Mitte), Jan Blokhuijsen (links) und Jorrit Bergsma räumen beim Eisschnelllauf über 5000m ab - es war nicht das erste und nicht das letzte Mal
Alex Ovechkin hat gut lachen im Abschlusstraining - ihm vergeht dann aber während des Turniers das Lachen ziemlich schnell
Wer kommt denn hier an? Die Schweizer Eishockey-Nati mit viel Gepäck
Stöcke der kanadischen Eishockey-Nati sind ebenfalls angekommen
Die Schweizer Hockeyaner betreten die Bühne - vorerst im Training
Letzte Reinigungsarbeiten für die Männer-Eishockey-Wettkämpfe im Bolshoy Ice Dome
Ach, Sport kann so schön sein Dario Cologna freut sich bei der Flower-Zeremonie über seine hart erkämpfte Goldmedaille
Tränen auch bei Lara Gut ob der verpassten Chance, in der Super-Kombi eine Medaille zu holen
Sport kann aber auch brutal sein Shelly Gotlieb scheitert bei ihrem wichtigsten Rennen der letzten vier Jahren
Sarah Reid aus Kanada bereitet sich auf ihren Skeleton-Lauf vor
Sport ist auch Anfeuern, etwa so wie der Schweizer Curler Sven Michel dies tut
Mit klarem Blick in den Eiskanal stürzen Die Amerikanerin Katie Uhlaender
Nastrovje, Mister Präsident! Der russische Präsident Wladimir Putin gönnt sich in Sotschi ein Bier
Letzte Vorbereitungen Helfer präparieren die Halfpipe
Sprungkraft will geübt sein Der norwegische Skispringer Anders Bardal gewinnt auf der Normalschanze die Bronzemedaille
Das tut schon beim Hinschauen weh Die erst 15-jährige Russin Yulia Lipnitskaya zeigt eine Wahnsinns-Vorstellung.
Toooor! Die russische Eishockeyspielerin Olga Sosina jubelt über ihren Treffer, die deutsche Andrea Lanzl macht sich aus dem Staub
Superstar Shaun White im Training Wirklich schützen tut sich der US-Snowboarder mit diesem Tuch nicht, aber immerhin zeigt er Nationalstolz
Die Flower-Girls sind beim Eiskunstlauf für die Zeremonie bereit
Beweglicher Eiskunstläufer Der Amerikaner Jason Brown in Aktion
Das Geschäft ihres Lebens Eine Souvenir-Verkäuferin freut sich über die Olympischen Spiele
Die russische Eishockeyspielerinnen wärmen sich beim Fussballspielen ein
Ein Fan nimmts ernst und will einen russischen Sieg sehen
Freude bei den Fans am Rande des Slopestyle-Events in Sotschi
Hmm, ob das gut kommt? Kanadas Jennifer Jones nach der Stein-Abgabe im Curlingspiel
Und los gehts! Die Skiathlon-Athleten beim Start - unter anderem mit dem späteren Goldmedaillen-Gewinner Dario Cologna
Miiiiau! Macarena Simari Birkner aus Argentinien vor dem Start
Noch einmal tief einatmen und dann gehts los Die polnische Rodlerin Natalia Wojtusciszyn
Oberschenkel wie Baumstämme Die beiden Eisschnellläufer Lee Kang-seok aus Südkorea (rechts) und Joji Kato aus Japan
Das Eis wird heiss Los gehts mit dem Eishockey der Männer
Die olympische Flamme wird entzündet
Die tanzenden Maskottchen bei der Eröffnungsfeier
Was für ein Bild! Die Athleten vereint unter sich
Und die Olympische Fahne wird hochgezogen
Simon Ammann, der Dirigent - äh Fahnenträger - bei der Eröffnungsfeier
Das House of Switzerland in Sotschi
Canadas Alex Bilodeau wirbelts beim Freestyle-Ski-Training durch die Luft
Sieht ungemütlich aus: Eine japanische Eisschnellläuferin im Training in der Adler Arena
Die Sicherheit während der Spielen wird grossgeschrieben. Im Bild zwei russische Polizisten, die beim House of Switzerland die Lage im Griff zu haben scheinen
Ein amerikanischer Fan freut sich auf die Spiele
Die Augen am Boden Das Eislaufpaar Maylin Wende and Daniel Wende aus Deutschland im Training
Guter Zusammenhalt im Team Das US-Frauen-Eishockey-Team stretchen im Training gemeinsam am Mittelkreis
Ob die Sprünge oder doch die Haare im Mittelpunkt stehen? Schwedens Henrik Harlaut springt im Ski-Slopestyle-Training meterhoch.
Ob da jemand friert? Der US-Eisschnellläufer Shani Davis scheint sich im Training nicht viel zu bewegen
Norwegens Aksel Lund Svindal im Training auf dem Weg ins Ziel
Endlich: Die Olympischen Spiele sind im Gange
Das Olympia-Symbol ist in Sotschi allgegenwärtig
Strahlen um die Wette - Goldmedaillengewinner Gisin und Maze
Iouri Podladtchikov mit seiner Goldmedaille

Das Wetter spielt mit - oder auch nicht Die Frühlingsspiele von Sotschi

Keystone