Eishockey-WM 2017
Die Schweizer schrammen gegen Slowenien haarscharf an der totalen Blamage vorbei

Die Schweizer Eishockey-Nati führt im ersten WM-Spiel gegen Aufsteiger Slowenien mit 4:0, rettet nach einem unfassbaren Einbruch aber nur dank eines 5:4 nach Penaltyschiessen wenigstens zwei Punkte und verhindert so einen totalen Fehlstart ins Turnier.

Marcel Kuchta, Paris
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Die Schweiz spielt im ersten Spiel der Eishockey-WM 2017 gegen Slowenien.
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Gegen die Slowenen sind die Schweizer Favorit.
Das bewiesen sie sogleich im ersten Drittel, die Schweizer hatten gegen den Aufsteiger keine Probleme.
Sie konnnten mit einer 4:0-Führung in die erste Pause gehen.
Die Slowenen können in der Offensive keine Akzente setzen.
Schweiz - Slowenien, Eishockey-WM 2017
Die Schweizer konnten jubeln.
Doch im letzten Drittel bricht die Schweiz ein.
Die Slowenen konnten aus dem 0:4-Rückstand ein 4:4-Unentschieden machen. Das Spiel ging somit in die Verlängerung.
Die Slowenen spielen die Schweiz im letzten Drittel an die Wand.
Nach einem desaströsen ersten Drittel gaben die Slowenen im letzten Drittel richtig Gas.
Die Schweizer erhielten im letzten Drittel doppelt so viele Strafen wie Slowenien.
Die Schweiz konnte das Spiel im Penaltyschiessen gewinnen.
Goalie Jonas Hiller konnte alle Penaltys abwehren.

Die Schweiz spielt im ersten Spiel der Eishockey-WM 2017 gegen Slowenien.

Keystone

>>> Hier gehts zum Liveblog der Partie Schweiz – Slowenien zum Nachlesen.

Nach zwanzig Spielminuten war die Welt der Schweiz noch in Ordnung: Andres Ambühl (11.), Gaetan Haas (12.), Romain Loeffel (17.) und Simon Bodenmann (18.) hatten für eine komfortable 4:0-Führung gesorgt. Zu diesem Zeitpunkt deutete nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass die Mannschaft von Trainer Patrick Fischer in irgendeiner Form in Bedrängnis geraten könnte.

Auch im zweiten Abschnitt hatten die Schweizer lange Zeit alles unter Kontrolle, ehe eine doppelte Unachtsamkeit von SCB-Verteidiger Ramon Untersander dafür sorgte, dass den Slowenen kurz vor Drittelsende in Unterzahl der erste Treffer gelang. Doch selbst ein Dreitore-Polster hätte gegen den bescheidenen Aufsteiger aus Slowenien locker zum Sieg reichen müssen.

Tat es aber nicht: Nach dem zweiten Treffer der Slowenen (45.) verloren die Schweizer erst den Faden, dann auch noch den Kopf. Mit vier Strafen in Serie bauten sie den Gegner auf. Erst gelang Slowenien in doppelter Überzahl der Anschlusstreffer (55.), etwas mehr als eine Minute später schaffte der Aufsteiger – immer noch in (einfacher) Überzahl – den Ausgleich. Unfassbar!

Noch nie zuvor seit dem Aufstieg 1998 hatte die Schweiz an einer WM einen Viertorevorsprung verspielt. «Auch wenn man mit vier Toren führt, darf man nicht nachlassen. Man muss immer weiter machen. Plötzlich gerät man unter Druck, kassiert Strafen und muss dann Feuer löschen», haderte Lugano-Verteidiger Philippe Furrer mit dem Bruch im Spiel seiner Mannschaft.

Brunner trifft im Penaltyschiessen

Immerhin blieb den Schweizern die totale Blamage erspart. Sie überstanden zum Ende der regulären Spielzeit eine weitere Unterzahl unbeschadet und retteten sich so wenigstens in die Verlängerung. Dort standen sie auch permanent unter Druck und mussten schliesslich froh sein, im Penaltyschiessen dank eines Treffers von Damien Brunner doch noch den zweiten Punkt gerettet zu haben.

In den vergangenen beiden Weltmeisterschaften hatte man zum WM-Auftakt jeweils gegen den Aufsteiger verloren – nach Penaltyschiessen. 2015 in Prag gegen Österreich (3:4), 2016 in Moskau gegen Kasachstan (2:3). Thomas Rüfenacht fand klare Worte für die Art und Weise, wie sich die Schweizer die Butter vom Brot haben nehmen lassen: «Wir haben unnötig einen Punkt abgegeben. Das ist Scheisse.»

Am Ende können sich die Schweizer von den Fans feiern lassen.

Am Ende können sich die Schweizer von den Fans feiern lassen.

Keystone

Besorgniserregend aus Schweizer Sicht ist nicht nur die Art und Weise, wie der Einbruch zustande kam. Sondern auch die teilweise frappante Unterform einzelner Spieler. Allen voran die beiden Verteidiger Ramon Untersander (Bern) und Captain Raphael Diaz (Zug) zeigten erschreckende Schwächen und knüpften damit an ihre ungenügenden Vorstellungen in den letzten Vorbereitungsspielen an.

Ausgerechnet also die beiden Defensivleute mit der meisten Eiszeit hatten die grössten Probleme. Im Sturm war Damien Brunner – trotz seines erfolgreichen Penaltys – einmal mehr ein Ärgernis. Und auch Goalie Jonas Hiller zeigte nach einem guten Auftakt ungewohnte Schwächen. Das zweite Tor der Slowenen, welches dem Gegner wieder Leben einhauchte, musste der Bieler Torhüter klar auf seine Kappe nehmen.

Nächstes Spiel gegen Norwegen

Klar ist, dass sich diese Mannschaft im nächsten Spiel am Sonntagabend (20.15 Uhr) gegen Norwegen steigern muss, wenn man eine weitere böse Überraschung vermeiden will. Wer gegen den Aufsteiger eine 4:0-Führung verspielt, der muss sich warm anziehen. «Wir müssen die Konsequenzen aus dem ersten Spiel ziehen und dürfen sicher nicht mehr so viele Strafen nehmen», weiss auch Thomas Rüfenacht, wo das Schweizer Team den Hebel ansetzen muss. «Auf diesem Niveau darf so etwas nicht passieren. Es wird sofort bestraft.»

Die Highlights des Spiels im Video:

Telegramm

Schweiz - Slowenien 5:4 (4:0, 0:1, 0:3, 0:0) n.P.

Paris. – 4920 Zuschauer. - SR Hribik/Linde (CZE/SWE), Ritter/Sefcik (USA/SVK). – Tore: 11. (10:49) Ambühl (Suter/Ausschluss Urbas) 1:0. 12. (11:01) Haas (Praplan, Genazzi) 2:0. 17. (16:59) Loeffel (Hollenstein, Praplan) 3:0. 18. (17:47) Bodenmann (Brunner) 4:0. 39. Mursak (Tavzelj/Ausschluss Kovacevic!) 4:1. 46. Jeglic (Sabolic, Kranjc) 4:2. 55. (54:23) Urbas (Ograjensek, Pretnar/Ausschlüsse Almond, Furrer) 4:3. 56. (55:23) Sabolic (Ticar/Ausschluss Furrer) 4:4. - Penaltyschiessen: Brunner 1:0, Sabolic - (gehalten); Hollenstein - (gehalten), Ticar (gehalten); Richard (gehalten), Mursak (daneben). – Strafen: 8mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 5mal 2 Minuten gegen Slowenien.

Schweiz: Hiller; Diaz, Furrer; Untersander, Kukan; Loeffel, Genazzi; Marti; Praplan, Haas, Hollenstein; Brunner, Richard, Bodenmann; Ambühl, Malgin, Suter; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Herzog.

Slowenien: Kroselj (21. Pintaric); Kovacevic, Robar; Vidmar, Kranjc; Pretnar, Gergorc; Podlipnik, Tavzelj; Jeglic, Ticar, Sabolic; Verlic, Mursak, Urbas; Rodman, Golicic, Ograjensek; Kuralt, Music, Pem.

Bemerkungen: Schweiz ohne Suri, Schlumpf (nicht gemeldet), Schlegel (überzählig) und Genoni (Ersatztorhüter). - Lattenschüsse Verlic (37.) und Rüfenacht (40.). - Timeout Schweiz (55.). - Schüsse: Schweiz 33 (15-8-8-1-1); Slowenien 23 (5-8-9-1-0). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 1/5 (1 Shorthander kassiert); Slowenien 2/7.