Kommentar

Die Schweizer Nationalmannschaft auf Schmusekurs

Der erst 20-jährige Nico Elvedi bekam von Petkovic das Vertrauen und stand gestern in der Startelf.

Der erst 20-jährige Nico Elvedi bekam von Petkovic das Vertrauen und stand gestern in der Startelf.

Die Diskussion ist gefühlt so alt wie das Bügeleisen der Grossmutter: Wie steht es um die Beziehung zwischen den Schweizern und ihrer Nationalmannschaft?

Seit der Europameisterschaft im Sommer nehmen die beiden Seiten einen erneuten Anlauf zur Annäherung. Das Turnier in Frankreich war ein gelungener Balztanz der Mannschaft. Das 2:0 gegen Portugal ein erstes Date. Verhalten zwar, aber immerhin: ein Date, nach dem beide Seiten Schmetterlinge verspüren. Und nun in Ungarn, die erste Belastungsprobe für das zarte Beziehungspflänzchen: Ein unangenehmer Gegner, die Schweiz hat mit dem furiosen Auftakt in die WM-Qualifikation hohe Erwartungen geschürt und mehr zu verlieren als zu gewinnen.

Vladimir Petkovic versuchte im Vorfeld alles, die Liebe weiter wachsen zu lassen: Er setzte in der Innenverteidigung auf die Karte «Jugend» (Elvedi statt Klose) und weiter vorne auf geballte Offensive: Shaqiri, Embolo, Mehmedi, Seferovic – dieses Quartett weckte die Lust auf heissen Angriffsfussball. Also das, was der Fussballfan sehen will und was Petkovic seit Amtsantritt verspricht.

Doch das mit Petkovic und dem Halten von Versprechen ist so eine Sache: So offensiv, wie er die Mannschaft bestückt hat, so zurückhaltend liess er sie agieren. Der Wille, mit dem Rückenwind aus dem Portugal-Spiel mit aller Macht den nächsten Sieg einzufahren, war nicht sichtbar. Fast ein bisschen Etikettenschwindel also.

Aber: Eine Beziehung wird nur dann stabil, wenn sie auch im Alltag funktioniert. Wenn dieser anständig über die Bühne gebracht wird. Und Spiele wie jene gegen Ungarn sind nun mal der Alltag in einer WM-Qualifikation.

Nach dem gestrigen Abend lässt sich festhalten: Beziehungstest bestanden. Die Nationalmannschaft bleibt auf dem eingeschlagenen Schmusekurs mit dem Publikum: Trotz Schwächephasen und groben individuellen Fehlern – kämpferisch waren die Spieler stets top. Nur so war der späte Siegtreffer möglich. Dass ihn mit Stocker ein fast schon Vergessener erzielte, macht den Sieg umso süsser.

Und woran denken wir Fans mit sechs Punkten aus zwei Spielen und mit drei weiteren vor Augen am Montag in Andorra? Genau: an Ferien mit der neuen Liebe. 2018. An der WM in Russland.

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