EM 2016
Die Schweizer kommen in Montpellier an: Wir zeigen Ihnen, wie luxuriös sie wohnen

Die Schweizer Nationalspieler beziehen ihr EM-Quartier in Montpellier. Wir waren bereits da und zeigen Ihnen, wie schön es Shaqiri und Co. haben.

Pascal Mülchi aus Montpellier
Drucken
Teilen
Schweizer Teamhotel
7 Bilder
 Der Eingang des Hotels in Montpellier.
 Die Zimmer sind ohne Schnickschnack aber dafür sehr gemütlich.
 Auf den Massageliegen können die müden Muskeln der Spieler durchgeknetet werden.
 Ein grosser Pool und ein luxuriöser Spa-Bereich steht den Nationalspielern zur Entspannung zur Verfügung.
 Die Lobby ist klassisch aber elegant.
 Auch ein Sofa und einen Wohnbereich bieten viele Zimmer.

Schweizer Teamhotel

Keystone

«Hier ist Afrika und da drüben Europa», sagt Remy, ein marokkanischer Marktverkäufer, lachend. Mit hier meint er das populäre Quartier La Mosson im Nordwesten Montpelliers. Minztee wird geschlürft. Couscous serviert. Der lebendige Markt befindet sich unweit des Schweizer Trainingscamps während der EM in Frankreich.

Die Schweizer Fussballer logieren an der EM im Vichy Spa Hotel in der Gemeinde Juvignac. Es liegt nur einen Steinwurf vom Markt entfernt, auf der anderen Seite des Flusses. Das 4-Sterne-Hotel, das die Schweiz während der EM privatisiert, liegt inmitten der ruhigen und grünen, 80 Hektar grossen Domaine de la Fontcaude. Gut bürgerliche Neubausiedlungen in modernem Stil grenzen an das Hotel im Westen.

Ein Ruhepol

Es ist warm an diesem Frühlingstag in Montpellier. Das Fussballstadion ist vom Hotel aus zu sehen. Yannick Rappan, der Medienbeauftragte des Schweizer Verbands, sagt: «Der Trainer wird entscheiden, ob wir mit dem Velo ins Training fahren.» Eine Passerelle ist nicht weit vom Hotel entfernt, aber das Terrain entlang dem Fluss ist vage.

«Ursprünglich hatten wir Elektrobikes vorgesehen», sagt Grégory Anquetil, der Sportverantwortliche des Hotels. «Doch angesichts der Sicherheitslage wird das Team wohl mit dem Bus zum Stadion fahren.» Das dauert neun Minuten.

Die Pool-Anlage des Vichy Spa Hotels wurde pünktlich für die Ankunft der Schweizer Fussballer begrünt.

Die Pool-Anlage des Vichy Spa Hotels wurde pünktlich für die Ankunft der Schweizer Fussballer begrünt.

In Frankreich wurde jüngst der Ausnahmezustand verlängert. Während der EM werden mehr als 70 000 Sicherheitskräfte im ganzen Land im Einsatz stehen. Montpelliers Bürgermeister Philippe Saurel versichert: «Der Staat wird während der EM für die Sicherheit der Equipen sorgen. Wir werden das Unsrige beitragen.» Das Zuhause der Schweizer wird quasi unter Quarantäne gestellt.

Yann Sommer (Tor, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 30.05.2012. 17 Spiele, kein Tor.
23 Bilder
Roman Bürki (Tor, Borussia Dortmund) Debüt: 18.11.2014. 4 Spiele, kein Tor.
Marwin Hitz (Tor, Augsburg) Debüt: 10.06.2015. 2 Spiele, kein Tor.
Johan Djourou (Verteidigung, Hamburger SV) Debüt: 01.03.2006. 59 Spiele, 2 Tore.
Nico Elvedi (Verteidigung, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 28.05.2016. 1 Spiel, kein Tor.
Michael Lang (Verteidigung, FC Basel) Debüt: 14.08.2013. 15 Spiele, 2 Tore.
Stephan Lichtsteiner (Captain, Verteidigung, Juventus Turin) Debüt: 15.11.2006. 80 Spiele, 5 Tore.
François Moubandje (Verteidigung, Toulouse) Debüt: 15.11.2014. 10 Spiele, kein Tor.
Ricardo Rodriguez (Verteidigung, Wolfsburg) Debüt: 07.10.2011. 35 Spiele, kein Tor.
Fabian Schär (Verteidigung, Hoffenheim) Debüt: 14.08.2013. 19 Spiele, 5 Tore.
Steve von Bergen (Verteidigung, Young Boys) Debüt: 06.09.2006. 49 Spiele, kein Tor.
Valon Behrami (Vize-Captain, Mittelfeld, Watford) Debüt: 08.10.2005. 64 Spiele, 2 Tore.
Blerim Dzemaili (Mittelfeld, Genoa) Debüt: 01.03.2006. 46 Spiele, 5 Tore.
Gelson Fernandes (Mittelfeld, Rennes) Debüt: 22.09.2007. 55 Spiele, 2 Tore.
Fabian Frei (Mittelfeld, Mainz) Debüt: 07.10.2011. 7 Spiele, 1 Tor.
Xherdan Shaqiri (Mittelfeld, Stoke City) Debüt: 03.03.2010. 51 Spiele, 17 Tore.
Granit Xhaka (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 04.06.2011. 41 Spiele, 6 Tore.
Denis Zakaria (Mittelfeld, Young Boys) Debüt: 28.05.2016. 1 Spiel, kein Tor.
Breel Embolo (Angriff, FC Basel) Debüt: 31.03.2015. 9 Spiele, 1 Tor.
Eren Derdiyok (Angriff, Kasimpasa) Debüt: 06.02.2008. 50 Spiele, 10 Tore.
Shani Tarashaj (Angriff, Grasshoppers) Debüt: 25.03.2016. 2 Spiele, kein Tor.
Admir Mehmedi (Angriff, Bayer Leverkusen) Debüt: 04.06.2011. 40 Spiele, 3 Tore.
Haris Seferovic (Angriff, Eintracht Frankfurt) Debüt: 06.02.2013. 29 Spiele, 7 Tore.

Yann Sommer (Tor, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 30.05.2012. 17 Spiele, kein Tor.

Keystone

In der mediterranen, für Südfrankreich typischen, Busch- und Strauchvegetation von Juvignac finden sich zahlreiche Villenquartiere. Die an Montpellier gewachsene 8000-Einwohner-Gemeinde bietet hohen Lebensstandard. Eine Tramlinie verbindet Juvignac mit dem Zentrum der Mittelmeer-Metropole.

Die Zimmer der Schweizer Mannschaft werden alle im Nordtrakt des Hotels sein. «Wir wollen für hundertprozentige Ruhe sorgen», sagt Anquetil. Er spricht von einem havre de calme, einem Ruhepol mit besten Regenerationsmöglichkeiten. Anquetil ist mit Frankreich zweimal Handball-Weltmeister geworden und bereitet im Vichy Spa die Ankunft der Schweizer vor.

99 Zimmer für 52 Personen

Noch deutet beim Besuch nichts auf die baldige Ankunft des Teams hin. Seit Ende Dezember klar wurde, dass die Schweizer das Rennen gegen Mannschaften wie England oder Schweden gemacht haben, hat sich aber einiges verändert. Der Aussenbereich mit einem 60-m-Pool wurde begrünt, die Internetverbindung verbessert. Noch läuft der Hotelbetrieb normal. Ab dem 5. Juni wird das Hotel erstmals seit seiner Eröffnung privatisiert und ganz nach den Wünschen der Schweizer eingerichtet.

99 Zimmer stehen der 52-köpfigen Schweizer Delegation zur Verfügung. Sie sind ohne grossen Schnickschnack eingerichtet, dafür geräumig und mit Balkon. Der Spa-Bereich ist luxuriös: Ein 212 m grosser Pool mit integriertem Jacuzzi befindet sich im Untergeschoss.

Auf dem Markt in Montpellier wird arabisch gesprochen.

Auf dem Markt in Montpellier wird arabisch gesprochen.

Ebenso das Hamam, die Sauna, der Fitnessraum und ein Raum für die Kryotherapie. Die gezielte, lokale Anwendung von Kälte erlaubt eine schnellere und aktive Erholung und entgiftet bei physischen Problemen. «Das ist ein grosser Vorteil für die Sportler während des Turniers», ist Anquetil überzeugt.

Während draussen die Vögel zwitschern und Rosmarinduft in der Luft liegt, braust Hoteldirektor Nicolas Bayard an. «Aus meiner Sicht gab es einen coup de coeur (ein unvermittelt positives Gefühl; die Red.), als die Schweizer zum ersten Mal hier waren», sagt der 38-Jährige. Bayard schätzt die direkte und offene Art der Schweizer. «Es war eine sehr konstruktive und effiziente Vorbereitung.»

Zurück auf die andere Seite des Flusses. Jean-Pierre Blanchet, Verantwortlicher des Stade de la Mosson, führt durch das Stadion. Es dominieren orange und blau, die Farben des Montpellier HSC. Das Stadion wurde 1972 gebaut und für die WM 1998 erweitert und renoviert. Das Bijou ist der Rasen. Laut einer offiziellen Rangliste der Viertbeste im Frankreich.

2014 wurde er wegen eines Hochwassers arg in Mitleidenschaft gezogen. 2015 wurde ein neuer verlegt. Ein Hybrid-Rasen, gesät auf synthetischen Fasern und Korkspänen. Die Halme sind saftig grün, das Feld lädt zum Spiel ein. Die Garderobe ist dagegen schon fast gewöhnlich. Die Sanitäranlagen erinnern an Fussballplätze in der Schweizer Provinz.

Sportverrückte Stadt

In Montpellier, das nur sieben Kilometer vom Meer entfernt liegt, hat Fussball laut Blanchet keine grosse Bedeutung. Der HSC hat die Saison auf dem 12. Rang der Ligue 1 beendet. Für mehr Begeisterung sorgt das Rugby-Team. Es gewann den Europacup.

«Wir sind nach Paris die sportlichste Stadt Frankreichs», sagt Bürgermeister Saurel. Die Basketballerinnen feierten 2016 das Double. Regelmässig werden in der 245 000-Einwohner-Stadt internationale Sportevents organisiert. «Wir haben beste Bedingungen für den Sport und sind es gewohnt, Spitzenathleten zu empfangen», erklärt Saurel. «Wir sind geehrt, hat die Schweiz uns als Zuhause für die EM ausgesucht.»

Eine offizielle Empfangs-Zeremonie ist für die Schweizer Delegation vorgesehen. Das Datum ist noch ungewiss. Klar ist dagegen, dass am 6. Juni bei der Ankunft der Schweizer ein öffentliches Training im Stadion stattfindet.

Ausserhalb des Stade de la Mosson grenzen drei Fussballplätze an die Zäune des Stadions. Zwei davon sind noch ohne Rasen. Auch sie wurden von den Überschwemmungen vor eineinhalb Jahren erfasst. Auf einem der Felder wurde ein Kunstrasen verlegt. Eine junge Frau mit Kopftuch spielt mit ihrem Mann Fussball: «Ach, die Schweizer kommen?» Es hat sich also noch nicht überall herumgesprochen.

Am Abend trainieren Junioren auf dem Platz. Anders als im Zentrum von Montpellier ist im stark maghrebinisch geprägten Quartier der Fussball sehr populär. Gespielt wird an jeder Strassenecke. Doch nur wenige wissen, dass die Schweizer bald kommen. Ruhe scheint also auch hier garantiert.

Aktuelle Nachrichten