Eishockey-WM 2017
Die Schweiz und die WM-Auftsteiger: Heute soll die schwierige Geschichte vergessen gemacht werden

Die Schweizer Eishockey-Nati trifft heute (12.15/live SRF2) zum WM-Auftakt auf Aufsteiger Slowenien. Die Aufsteiger haben der Schweiz in der Vergangenheit Mühe gemacht, das soll sich nun ändern.

Marcel Kuchta aus Paris
Merken
Drucken
Teilen
Liveblog Eishockey-WM, Bildergalerie
4 Bilder
Niklas Schlegel (l.) und sein Coach Patrick Fischer begeben sich zum Eistraining der Schweizer Nati.
Denis Malgin (r.) hat eine beeindruckende NHL-Saison hinter sich. Als Rookie kam er in 47 Spielen für die Florida Panthers zum Einsatz.
Headcoach Patrick Fischer (r.) im Training in Paris mit seinem Assistenten Tommy Albelin.

Liveblog Eishockey-WM, Bildergalerie

Keystone

Die Schweiz und die Aufsteiger – das ist eine komplizierte Beziehung. Zumindest in den letzten beiden Jahren sorgten Fehltritte zum Turnierauftakt dazu, dass das Selbstvertrauen der Mannschaft nachhaltig beeinflusst wurde – und zwar negativ. 2015 unterlag man auf denkbar dumme Art und Weise gegen Österreich. In der letzten Minute kassierte man den Ausgleich, ehe die Schweizer das Penaltyschiessen verloren. 2016 gelang es auch nicht, die bescheidenen Kasachen in die Schranken zu weisen. Wieder resultierte eine Niederlage nach Penaltyschiessen.

Dieses Handicap schleppten die Schweizer in der Folge durch den weiteren Turnierverlauf mit sich mit. Gelang 2015 dank günstigen Umständen und gütiger Mithilfe der Konkurrenz trotzdem noch die Viertelfinal-Qualifikation, reichte es im Vorjahr nicht mehr für den Sprung in die entscheidende Turnierphase. Unabhängig des sportlichen Abschneidens blieben die Schweizer jedoch in beiden WM-Turnieren unter den Erwartungen. Die beiden schlechten Auftaktspiele hatten dazu geführt, dass das Team nie richtig in Fahrt kam. Genau diese Entwicklung gilt es nun in diesem Jahr zu verhindern.

Nicht umsonst betont der Davoser Andres Ambühl: «Wichtig, ja sehr wichtig wird sein, dass wir einen guten Start haben.» Nationaltrainer Patrick Fischer bezeichnet die Slowenen als sehr «kampfstarke Mannschaft», gegen die das beste Rezept sei, «mit Tempo» und «gradlinig» zu spielen. Wichtig ist Fischer auch, dass seine Equipe – auch angesichts der Vorgeschichte – mit der richtigen Einstellung ans Werk geht: «Wir wollen nicht eine Niederlage verhindern. Wir wollen gewinnen.»

Andres Ambühl «Wichtig, ja sehr wichtig wird sein, dass wir einen guten Start haben.»

Andres Ambühl «Wichtig, ja sehr wichtig wird sein, dass wir einen guten Start haben.»

Keystone

So oder so gehen die Schweizer mit zwiespältigen Gefühlen in dieses WM-Turnier. Das liegt vor allem daran, dass die Unsicherheit betreffend des eigenen Formstands nach einer lange Zeit erstaunlich erfolgreichen WM-Vorbereitungsphase in der letzten Woche vor dem Turnierauftakt grösser geworden ist. Die zwei durchwachsenen Darbietungen gegen Dänemark (4:5, 2:0) und vor allem der desaströse Auftritt beim letzten WM-Testspiel gegen Kanada (1:4) am vergangenen Dienstag haben die Selbstzweifel wieder aufleben
lassen.

Playoff-Finalisten als Störfaktoren?

Das Erstaunliche an dieser Entwicklung ist vor allem die Tatsache, dass der Bruch kam, als die Spieler der beiden Playoff-Finalisten Bern (Simon Bodenmann, Ramon Untersander, Thomas Rüfenacht, Leonardo Genoni) und Zug (Raphael Diaz, Dominik Schlumpf, Reto Suri) zum Schweizer Team stiessen.

Das mag Zufall sein. Aber Fakt ist auch, dass alle diese Spieler in den drei Testspielen, in denen sie auf dem Eis standen, grosse Mühe hatten, ihren Rhythmus zu finden. Was angesichts der langen, strapaziösen Meisterschaft und der folgenden Erholungsphase – bzw. Feierphase bei den Bernern – nicht völlig überraschend kommt. Offensichtlich ist aber, dass sich die Schweizer nach diesem späten, personellen Umbruch erst wieder finden müssen.

Ist Meister Leonardo Genoni ein Störfaktor für die Mannschaft?

Ist Meister Leonardo Genoni ein Störfaktor für die Mannschaft?

KEYSTONE

Ob dies schon heute Mittag der Fall ist? Klar ist, dass die Schweizer nur mit wieder gewonnener defensiver Stabilität erfolgreich sein können. Damit stehen auch die beiden Torhüter im Mittelpunkt des Interesses. Jonas Hiller (EHC Biel) war in den Testspielen herausragend und blieb dreimal in Serie ohne ein einziges Gegentor. Meistergoalie Leonardo Genoni war vor dem Turnierstart die designierte Nummer eins, doch nach zwei durchzogenen Auftritten gegen Dänemark (4:5) und Kanada (1:4) dürfte die Hierarchie bereits wieder durcheinandergewirbelt worden sein. Wer heute gegen die Slowenen im Tor stehen wird, wollte Patrick Fischer nach dem Freitagstraining jedenfalls noch nicht verraten. Ebenso wenig, welche beiden Spieler noch nicht gemeldet werden. In der Verteidigung wird es entweder Schlumpf oder Christian Marti (ZSC Lions) treffen, im Sturm Suri oder Fabrice Herzog (ZSC Lions).