3:1 gegen Frankreich
Die Schweiz gewinnt den Davis Cup und schreibt Sportgeschichte

Die Schweiz gewann in Lille erstmals, als 14. und kleinste Nation, den Davis Cup. Die Schweizer besiegten Frankreich vor Weltrekordkulisse (27'448 Zuschauer) mit 3:1. Roger Federer stellte den siegbringenden dritten Punkt sicher.

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Davis-Cup-Final: Tag 3. Das Einzel
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Michael Lammer, Marco Chiudinelli, Stanislas Wawrinka, Roger Federer and Coach Severin Lüthi halten die Trophäe in die Höhe.
Das Schweizer Davis-Cup-Team feiert
Matchball verwertet: Federer fällt auf die Knie.
Die Freude bei Federer ist riesig
Die Schweizer Fans feiern das siegreiche Team
Roger Federer
Gasquet hat das Nachsehen
Severin Luthi ballt die Faust
Verfolgen das Spiel von der Bande: Gaël Monfils und Jo-Wilfried Tsonga
Blick ins Pierre Mauroy Stadion
Federer hört seinem Coach zu
Coach des französischen Teams Lionel Roux, Julien Benneteau und Trainer Michael Llodra
Federer holt aus
Richard Gasquet
Roger Federers Gesicht durch sein Racket gesehen

Davis-Cup-Final: Tag 3. Das Einzel

Keystone

Am Sonntag lebte die Partie nicht mehr von der Spannung. Richard Gasquet, die Nummer 26 der Welt, die schon am Samstag im Doppel nicht geglänzt hatte, vermochte Roger Federer in keinster Weise zu bedrängen. Federer ging schon nach zehn Minuten mit einem Break in Führung. Nach 44 Minuten führte er mit einem Satz; eine weitere halbe Stunde später stand es schon 6:4, 6:2. Schon in den vorausgegangenen vier Partien hatte Gasquet gegen Federer keinen Satz und im Schnitt weniger als drei Games gewonnen. Der 28-jährige Franzose erspielte sich auch im dritten Satz keinen Breakball mehr. Roger Federer gab bei eigenem Aufschlag bloss 14 Punkte ab. Nach 112 Minuten verwandelte er den ersten Matchball.

Danach galt: Jubel ohne Grenzen! Das gesamte Team stürmte den Sandplatz und lag sich in den Armen. "Riesig" sei dieser Triumph, meinte Roger Federer noch auf dem Platz. Er hätte nochmals eine "unglaubliche Partie" gespielt, so Federer weiter. Er fügte auch noch an, dass nicht alles optimal gelaufen sei. Aber bemerkt hat das ausser Perfektionist Federer gewiss niemand.

Als Einzelspieler hat Roger Federer schon fast alle Rekorde gebrochen. Auch Stan oder früher Stanislas Wawrinka setzte sich vor zehn Monaten an einem Grand-Slam-Turnier (Australian Open) gegen den Rest der Welt durch. Dennoch ist der Erfolg als Mannschaft für die Schweiz von sporthistorischer Bedeutung. Der 23. November 2014 wird für immer als das Datum in Erinnerung bleiben, an dem sich die Schweiz erstmals in einer Weltsportart als Nation einen Titel holte. Die Nati wurde bislang noch nie Fussball-Weltmeister, die Eisgenossen gewannen nie die Eishockey-WM, auch die Springreiter-Equipe holte bei Olympischen Spielen oder Weltreiterspielen noch niemals Gold. Und in Handball, Volleyball oder Basketball fehlte noch viel mehr zur Nummer 1. Weltmeister waren wir bislang erst bei den Junioren (Fussball U17). Nahe dran war die Schweiz auch im 21. Jahrhundert schon: Etwa am 19. Mai 2013, als wir den Eishockey-WM-Final gegen Schweden 1:5 verloren (nach einer 1:0-Führung).

Obwohl man es aufgrund von Federers Machtdemonstration am Sonntag fast meinen könnte: ein Spaziergang war der Weg zum Davis-Cup-Titel nicht. Es ist einer der grössten Schweizer Siege sportübergreifend aller Zeiten. Denn die Schweizer mussten enormen Widerstand brechen. Erst brachten sie sich mit dem Masters-Halbfinal in London zwischen Federer und Wawrinka, sechs Tage vor Beginn des Finals, selber in die Bedrouille. Federer verletzte sich am Rücken; Wawrinka wurde von Federers Gattin mit Zwischenrufen bis aufs Blut gereizt. Dann trafen die Schweizer auswärts auf einen Gegner, für den dieser Final eine Sache der nationalen Ehre war (l'ultime combat). Mit 27'448 Zuschauern schauten am Sonntag mehr Leute im Stadion zu als je vorher einem Tennisspiel. Der französische Staatspräsident sass auf der Tribüne. Aber nichts brachte die Schweizer aus der Ruhe. Die letzten sechs Sätze nach dem 1:1-Zwischenstand vom Freitagabend verliefen einseitig.

Richard Gasquet spielte am Sonntag für Jo-Wilfried Tsonga (ATP 12), weil der französische Teamleader nach dem freitäglichen Spiel gegen Stan Wawrinka wieder Handgelenkschmerzen verspürt hatte.

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