Man musste es befürchten. Die Schweiz gewinnt an der nordischen Ski-WM erstmals seit zwölf Jahren keine Medaille. Trotzdem herrscht in der Delegation von Swiss-Ski kein Katzenjammer, sondern ein gesunder Optimismus im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele im nächsten Winter in Südkorea.

Wieso fehlt die Schweiz im Medaillenspiegel?

Bis und mit 2005 waren Schweizer WM-Medaillen im nordischen Skisport sensationelle Ausnahmen. Danach kamen Simon Ammann und Dario Cologna. Dieses Duo ist für 12 der 13 seither an Grossanlässen erreichten Podestplätze verantwortlich.

Sie teilten sich dabei Edelmetall brüderlich. Ammann und Cologna waren von der Klasse her auch in Lahti die einzigen Kandidaten auf Edelmetall, wobei man beim Skispringer schon seit Wochen, beim Langläufer erst seit Tagen wusste, dass das Unterfangen schwierig (Cologna) bis aussichtslos (Ammann) werden würde. Zu wenig stimmte in der Vorbereitung.

Immerhin durfte der dreifache Olympiasieger Cologna gestern zum Abschluss der Titelkämpfe im 50-km-Rennen bis gut einen Kilometer vor dem Ziel auf einen Exploit hoffen. Der Bündner lief ein aktives, taktisch hervorragendes Rennen. Er hielt sich im schnellsten Fünfziger der Geschichte stets in den ersten zehn Positionen auf, war bei den zwischenzeitlichen Tempoverschärfungen hellwach.

«Ich bin nicht ewig weit weg von den Podesträngen. Ein bisschen etwas hat dafür gefehlt.»

Dario Cologna, Siebter über 50 km

«Ich bin nicht ewig weit weg von den Podesträngen. Ein bisschen etwas hat dafür gefehlt.»

Und Cologna hatte auch im Endkampf den richtigen Riecher, orientierte sich am attackierenden Martin Johnsrud Sundby und dem späteren Sieger Alex Harvey. Aber dem Schweizer fehlte schlicht die Kraft, um in die Ausmarchung der Medaillen einzugreifen. Platz 7 entsprach den realistischen Erwartungen. «Es war ein gutes Rennen, aber kein sehr gutes. Schliesslich bin ich nicht ewig weit weg von den Podesträngen», sagte der 30-Jährige. «Ein bisschen etwas hat dafür gefehlt.»

Wieso der Optimismus im Schweizer Lager?

Der Schweizer Cheftrainer Christian Flury erinnerte primär an zwei Dinge. Zum einen an die beiden vierten Plätze von Nathalie von Siebenthal im Skateathlon und dem Schweizer Quartett in der Männer-Staffel. Zum anderen an die Tatsache, dass es in jedem Rennen ein kleines Highlight gab. So realisierte gestern Roman Furger als 17. sein international mit Abstand wertvollstes Resultat.

Bis kurz vor dem Ziel lief er mit Cologna. Auch die jungen Jason Rüesch und Nadine Fähndrich deuteten ihr Potenzial an. Enttäuschend blieb einzig der Auftritt der «alten Garde». Weder Toni Livers noch Curdin Perl machten in Lahti Werbung in eigener Sache. Ihre Saison verlief wie jene von Cologna bestenfalls suboptimal.

Was wird aus den beiden Schweizer Teamleadern?

Es gibt zweifelnde Stimmen, ob Dario Cologna noch einmal grosse Rennen gewinnen wird. 25 Monate ist es her seit seinem letzten Erfolg im Weltcup. Doch gerade das Rennen über 50 km ist Beleg dafür, dass Schwarzmalen fehl am Platz ist. Mit Alex Harvey gewann nicht der grosse Favorit, sondern ein Athlet, der auch in dieser Saison mit Ausnahme von gestern stets in Reichweite von Cologna lag.

Simon Ammann lächelt auch in Zukunft in die Kamera.

Simon Ammann lächelt auch in Zukunft in die Kamera.

Der Schweizer kann schon in einem Jahr in Pyeongchang wieder zur grossen Figur werden. Titelkämpfe haben zudem eigene Gesetze. Davon kann der wohl kompletteste Langläufer der Gegenwart, Martin Johnsrud Sundby, ein Lied singen. Der Norweger wartet auch nach Lahti weiter auf seinen ersten Einzeltitel.

Schwieriger gestaltet es sich bei Simon Ammann, die Zuversicht des Athleten zu teilen. Zwar hat der vierfache Olympiasieger in Lahti so etwas wie seine innere Mitte wiedergefunden, aber in den Ranglisten noch längst nicht den Anschluss an die absolute Weltspitze.

Doch Skispringen bleibt ein Psycho-Sport, in dem man nichts ausschliessen kann. Nicht einmal den dritten Doppel-Olympiasieg von Simon Ammann in einem Jahr. Sehr optimistisch betrachtet.