Der Norweger Martin Johnsrud Sundby gewinnt über 15 km endlich sein erstes WM-Gold, Dario Cologna kehrt mit einem unerwarteten sechsten Platz in der klassischen Technik zurück in den Kreis der Favoriten für den Fünfziger.

Doch für einmal waren alle sportlichen Schlagzeilen ein Muster ohne Wert. Denn der gestrige WM-Tag gehörte dem Doping. Wieder einmal.
Es war der Morgen, an dem die Polizei in Seefeld zu Besuch kam. In einer koordinierten Aktion von deutschen und österreichischen Ermittlern gegen ein international tätiges Dopingnetzwerk mit 120 im Einsatz stehenden Polizisten kam es zu 16 Hausdurchsuchungen in Seefeld und Erfurt sowie insgesamt neun Verhaftungen.

Fünf Athleten aus Österreich, Estland und Kasachstan sowie vier Mitarbeiter dieses gewerbsmässigen Sportbetrugs – je zwei in Seefeld und in Erfurt – wanderten hinter schwedische Gardinen. Unter ihnen auch der 40-jährige deutsche Sportarzt Mark Schmidt. Er stand bereits vor zehn Jahren in seiner Funktion als Teamarzt des deutschen Radstalls «Gerolsteiner» im Fokus von Ermittlungen, wurde aber rechtlich nie belangt.

Doping als Familiensport

Im Fokus dieser Blutdoping-Razzia unter dem bezeichnenden Namen «Operation Aderlass» sind gleich mehrere «Familienunternehmen». Bei einem der zwei in Seefeld verhafteten Helfer soll es sich um Schmidts Vater, einen Rechtsanwalt, handeln.

Bei einem der zwei estnischen Läufer um Andreas Veerpalu. Sein Vater Andrus Veerpalu wurde 2002 in Salt Lake City als erster Este Olympiasieger, 2011 aber selber des Dopings überführt. Dieser Andrus Veerpalu war zugleich Trainer des Kasachen Alexej Polotoranin. Der zwölffache Weltcupsieger ist der prominenteste Name des in Gewahrsam genommenen Quintetts.

Vergangenes Jahr erwischte es bei einer Polizei-Aktion im Biathlon bereits Poltoranins Ehefrau.
Am meisten gebeutelt wurden aber zweifellos die WM-Gastgeber. Nach 2002, 2006 und 2014 ist es bereits der vierte Dopingskandal im österreichischen Langlauf.

Immer ging es dabei auch um Blutdoping. Athleten wie Michail Botwinow, Christian Hoffmann und Johannes Dürr sowie der langjährige Trainer Walter Mayer spielten entscheidende Rollen. Die Aussagen von EPO-Sünder Dürr (Sotschi 2014) gegenüber den Strafbehörden nach einem TV-Bekenntnis zum Blutdoping standen auch am Anfang der gestrigen Polizeiaktion.

Ein neckisches Detail: Die erwischten Austria-Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke sind Polizeisportler. Einer von ihnen wurde sogar in flagranti bei der Bluttransfusion erwischt.
Verständlich, dass Österreichs Skiverband von den (übrig gebliebenen) Athleten über den Teamchef bis hin zum Präsidenten unter Schock standen. «Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben», sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Er kündete das Ende der Zusammenarbeit mit Teamchef Markus Gandler an und will den Langlauf «nach dieser Saison völlig neu organisieren». Im ersten Frust sprach Österreichs mächtiger Ski-Boss gar vom Ende der Disziplin als Leistungssport.

Auch Luis Stadlober, der Zimmernachbar von Hauke und Baldauf, die am frühen Morgen im Teamhotel verhaftet wurden, fand deutliche Worte: «Wie kann man nur so hinterhältig sein und dem österreichischen Sport das Messer hinten reinstechen?»

Trauriger Cologna

Auch im Schweizer Lager, das von der Polizei unbehelligt blieb, war die Doping-Razzia das grosse Thema. Dario Cologna sagte: «Es ist traurig, dass es wieder passiert. Es ist schlecht für unseren Sport. Positiv ist nur, dass sie auch erwischt werden.» Selber sei er nie «direkt oder indirekt» mit der Möglichkeit zu dopen, konfrontiert worden.

Die brisanteste Aussage des Tages kam aber – wie konnte es anders sein – von den Strafbehörden. Diese kündigten an, dass in diesem Dopingnetzwerk «mit Sicherheit noch andere Sportarten betroffen sind». Die «kriminelle Organisation» sei jedenfalls seit mehr als fünf Jahren weltweit tätig.