Fussballherz was willst du mehr?

Im St. Jakob-Park liegt am Mittwochabend sattgrün ein Rasenteppich, die Temperaturen sind angenehm, das Wetter ist gut und die Affiche noch besser: FCB gegen FCZ. Es ist der Klassiker schlechthin im Schweizer Fussball mit grosser Tradition. Allein in der Meisterschaft ist dieses Duell seit 1957 schon 159 Mal ausgetragen worden, im Cup 17 Mal. Die perfekten Bedingungen an diesem Frühlingsabend machen Appetit auf Fussball und ein tolles Spiel.

Doch wie viele Zuschauer werden tatsächlich kommen? Oft genug in der Vergangenheit war es um die Tabellenspitze gegangen, wenn sich diese beiden Rivalen gegenüberstanden. Seit 2003 die Super League mit zehn Mannschaften eingeführt wurde, haben nur der FCB (11 Mal) und der FCZ (3) den Titel gewonnen.

Doch in dieser Saison ist alles anders, streben die Berner Young Boys mit grossem Vorsprung ihrem ersten Meistertitelgewinn seit 1986 entgegen, der FCB muss Rang 2 behaupten und der FCZ den vierten Platz angreifen, will er sicher in den Europacup.

Es fragt sich, wie viele Fans sich von dieser bescheidenen Konstellation anlocken lassen. Wie viele zu Hause bleiben werden, um auf dem Balkon zu grillieren und sich danach Real Madrid oder Bayern München in der Champions League anzuschauen. Wegen dieser Knüller wird Basel gegen Zürich schon um 18.45 Uhr angepfiffen, die Uefa will das so. Der Klassiker wird damit zum Vorprogramm des Fussballabends degradiert, was natürlich nicht ideal ist.

Der Speaker meldet 27 137 Zuschauer. Nicht schlecht, auch wenn sicher nicht alle Dauerkartenbesitzer erschienen und vielleicht 23 000 Fans da sind, um das Nachtragsspiel des Zweiten gegen den Fünften zu sehen. Dieses war am 3. März wegen Stromausfalls nicht angepfiffen worden.

Vielleicht hatte an jenem Samstagabend das Flutlicht gedacht: Warum soll ich leuchten auf ein Allerweltspiel? Es verweigerte den Dienst und schwelgte lieber in Erinnerungen an die vielen grossen Spiele zwischen den Rot-Blauen und WeissBlauen.

Es dachte wehmütig an die Mutter aller Klassiker, den spannendsten Finish in der Schweizer Fussballgeschichte. Ja, dieser 13. Mai 2006, als der Rumäne Filipescu dem FCB mit dem 2:1 in der 93. Minute den sicher geglaubten Titel entriss, wird nie vergessen gehen. Leider auch wegen der Randale danach.

Nur Nef von 2006 noch dabei

Nur ein Spieler der damaligen Protagonisten hält auch zwölf Jahre danach noch seine Knochen hin: Alain Nef, der unverwüstliche 36-Jährige, der damals mit einem deutlich zu weit vorne ausgeführten Einwurf den Siegtreffer eingeleitet hatte, stand gestern nach verbüssten Sperren wieder in der Startformation des FCZ. Ein anderer, der Basler Matias Delgado, hat gleich zu Beginn dieser Saison die Karriere beendet.

Gestern nun lieferten sich die ewigen Rivalen einen nur mittelmässigen, nach der Pause einseitigen Match, was allein am abschlussschwachen FCZ lag. Die Basler siegten dank Toren von Riveros (16.), Stocker (71.) und Van Wolfswinkel (84.) verdient 3:0, sind seit fünf Partien ungeschlagen, liegen jetzt noch 13 Punkte hinter YB und führen gegen den FCZ nach Pflichtspielen mit 83:45 Siegen.

«Ein schöner 3:0-Erfolg der guttut», sagte FCB-Trainer Raphael Wicky. «Ich freue mich, dass Stocker für seine Anstrengungen mit einem Tor belohnt worden ist.» Das Beste aus Zürcher Sicht war noch das Comeback Schönbächlers nach langer Verletzungspause.

Die älteren Semester auf der Tribüne dachten gestern wohl wehmütig ins Jahr 1972 zurück, als der FCB vor sagenhaften 54 700 Zuschauern, der grössten NLA-Kulisse aller Zeiten, am letzten Spieltag mit einem 4:0 (zwei Mal Odermat, Mundschin und Hitzfeld) Meister wurde und ihm die FCZ-Spieler danach Spalier standen.

Oder an den 30. April 1994, als der FCB mit einem Sieg über den FCZ nach sechs Jahren den Wiederaufstieg vor Augen hatte, 42 100 Zuschauer ins Joggeli kamen und ein 1:1 sahen. Der Aufstieg wurde dann halt einfach am nächsten Spieltag in trockene Tücher gepackt.

Auch im Cup lieferten sich der FCB und der FCZ etliche denkwürdige Schlachten. Die Zürcher gewannen zu Beginn der 70er-Jahre innerhalb von vier Jahren drei Mal den Cupfinal gegen den FCB; 1970 im Wankdorf vor 48 000 Zuschauern mit 4:1 nach Verlängerung, nachdem Odermatt die Basler nach einer Stunde in Führung gebracht hatte.

Das waren noch Zeiten!