Sportpolitik

Die Olympischen Spiele werden immer weiblicher: 2020 werden in Tokio so viele Frauen wie noch nie antreten

Die japanische Politikerin Yuriko Koike wird sich freuen: Die Sommerspiele in ihrer Heimat stehen ganz im Zeichen der Frauen.

Die Sommerspiele 2020 in Tokio und das IOC melden neue Höchstwerte bei der Beteiligung von Frauen. Um diese Frauenquote erreichen zu können, musste das IOC teilweise zu drastischen Massnahmen greifen - das freut längst nicht alle Beteiligten.

Das Internationale Olympische Komitee bietet in zuverlässigem Takt Angriffsfläche für Kritiker. Doping, Korruption, dezidierte Machtpolitik – das IOC liess in den letzten Jahren selten ein Fettnäpfchen aus, um die mediale Feuerkraft in den Seriefeuer-Modus zu versetzen.

Bei einem Thema hat die olympische Regierung allerdings Lob verdient. Sie hat die Geschlechtergleichheit im Rahmen der Agenda 2020 als strategisches Ziel erklärt und setzt die Angleichung in ihrer Organisation und in ihren Wettkämpfen konsequent um. Nicht immer zur Freude der Männer, denen aber nichts anderes übrig bleibt, als die Faust im Sack zu machen.

Die Jugendspiele 2018 in Buenos Aires waren der erste olympische Sportanlass mit gleich vielen weiblichen wie männlichen Athleten. Und nicht nur das: Auch das Organisationskomitee bestand zu 49 Prozent aus Frauen. Der nächste Rekord folgt im Sommer 2020.

Verschiedene Massnahmen umgesetzt

Bei den Spielen in Tokio sind 48,8 Prozent der Quotenplätze für Frauen reserviert (siehe Statistik-Box). Eine weitere Rekordmarke in Japan betrifft die Anzahl Entscheidungen in Frauen-Wettbewerben. Von insgesamt 339 Medaillensätzen in den 33 Disziplinen gehen deren 156 (46 Prozent) an Sportlerinnen.

Um dies zu erreichen, hat das IOC verschiedene Massnahmen umgesetzt. In Tokio wird es bereits 18 Mixed-Wettbewerbe und damit doppelt so viele wie bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro geben. Weil es gleichzeitig ein Ziel des IOC ist, die Anzahl Athleten zu reduzieren, mussten verschiedene Sportverbände zugunsten von zusätzlichen Frauenbewerben auf Wettkämpfe der Männer verzichten.

So fällt zum Beispiel beim Rudern der Leichtgewichts-Vierer und damit auch die Titelverteidigung von Schweizer Olympiagold in Rio ins Wasser. Neben Rudern werden auch Kanu, Schiessen und Gewichtheben in Tokio erstmals gleich viele Medaillen für Frauen wie für Männer verteilen. Selbst im Boxen, wo Frauen erst 2012 überhaupt zugelassen wurden, sind im nächsten Sommer bereits 5 von 13 Olympiasiegern weiblich.

Frauenquote entspricht nicht der Realität

Dass sich viele Sportverbände nur ungern dem Gleichstellungs-Diktat des IOC beugen, liegt auf der Hand. Erstens entspricht eine Frauenquote von 50 Prozent in vielen Disziplinen nicht der Realität der Anzahl lizenzierter Sportler.

Zweitens werden diese Verbände zumeist auch von männlichen Funktionären dominiert. Zwei Beispiele: Das australische Olympiateam bestand 2016 in Rio erstmals aus mehr Athletinnen denn Athleten. Aber nur neun Prozent der Trainer waren Frauen. Und von 33 olympischen Sommersportverbänden wird nur einer (Triathlon) von einer Frau geführt.

Weiterer Handlungsbedarf

Auch das IOC ist auf Stufe Funktionäre und Mitglieder noch nicht am Ziel. Aber es beweist sich innerhalb der männerdominierten Sportwelt diesbezüglich ebenfalls als Trendsetter. In den 27 Kommissionen des Olympischen Komitees liegt der Frauenanteil inzwischen bei rekordhohen 45,4 Prozent.

Das entspricht einer Verdoppelung in den letzten sechs Jahren. Und die Entwicklung bei den IOC-Mitgliedern spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Im Jahr 2001 waren von 110 Mitgliedern nur deren 10 Frauen. Heute sind es 29 von 97.

Zufrieden geben will man sich in Sachen Gleichstellung mit dem Erreichten nicht. Handlungsbedarf sieht das IOC bei Olympia im Bereich der Arenen und des Zeitplans. Dass man die Frauen nur im kleinen Stadion antreten lässt und dass sie als Vorprogramm zu den Männer-Entscheidungen dienen, soll endgültig der Vergangenheit angehören.

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