Radsport
Die offene Rechnung: Gewinnt Julian Alaphilippe auch den nächsten Klassiker?

2015 hatte Julian Alaphilippe mit einem 2. Rang beim Rad-Klassiker Lüttich–Bastogne– Lüttich erstmals in seiner Karriere auf sich aufmerksam gemacht. Vier Jahre später ist der Franzose der grosse Favorit beim Eintagesrennen.

Sandro Mühlebach
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Jubelt Julian Alaphilippe auch bei Lüttich–Bastogne– Lüttich?

Jubelt Julian Alaphilippe auch bei Lüttich–Bastogne– Lüttich?

Keystone

Nur vom spanischen Altmeister Alejandro Valverde hatte sich Julian Alaphilippe vor vier Jahren als 22-jähriger Jungspund geschlagen geben müssen. Seit diesem, damals noch überraschenden 2. Rang steigerte sich Alaphilippe stetig, in diesem Frühling ist er der stärkste Fahrer im Feld. Neunmal stand Alaphilippe bereits zuoberst auf dem Podest.

Er gewann bei Mailand–Sanremo seinen ersten grossen Klassiker und entschied am Mittwoch auch die Hauptprobe für Lüttich, die Flèche Wallonne, für sich.

Praktisch zu jedem Rennen, zu dem er startet, zählt Alaphilippe derzeit zu den Favoriten. Das liegt einerseits an der herausragenden Form, andererseits ist der eher schmächtige Athlet sowohl stark in den Aufstiegen als auch im Sprint. Damit kann er auf jedem Terrain bestehen.

2019: Siegerliste der 5 Rad-Monumente

Mailand–Sanremo (23.3.)
Julian Alaphilippe (FRA)

Flandern-Rundfahrt (7.4.)
Alberto Bettiol (ITA)

Paris–Roubaix (14.4.)
Philippe Gilbert (BEL)

Lüttich–Bastogne–Lüttich (28.4.)
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Lombardei-Rundfahrt (12.10.)
?

Wieder Duell gegen Fuglsang?

Seine polyvalenten Stärken spielte er nicht zuletzt bei der Flèche Wallonne aus. Als Einziger konnte er dem Bergspezialisten Jakob Fuglsang an der «Mur de Huy» folgen, im Sprint liess er dem Dänen dann keine Chance. «Er ist im Moment ein Albtraum für uns alle», sagte Jakob Fuglsang über den derzeit fast unbezwingbaren Franzosen Julian Alaphilippe.

Das Duell Alaphilippe gegen Fuglsang – es bewegt aktuell die Radsport-Welt. Dreimal zog Fuglsang gegen Alaphilippe nun schon den Kürzeren, zum ersten Mal bei der Strade Bianche, dann beim Gold Race und nun bei der Flèche Wallonne. Auch am Sonntag werden wohl beide wieder um den Sieg fahren.

In Erinnerung bleibt vor allem das Duell beim Gold Race, an dem Alaphilippe zwar seinen derzeit ärgsten Rivalen schlug, sich aber auch verzockte. Statt im Zweiersprint gegen den Dänen den Sieg zu suchen, pokerte der Franzose. Die Verfolger, die vermeintlich aussichtslos im Hintertreffen gelegen hatten, kamen wieder heran. Das Talent Mathieu van der Poel erbte und bejubelte den Sieg.

Albasinis Podestplatz

Das Gold Race zeigte, dass Alaphilippe doch nicht unschlagbar ist, die Episode lässt den Konkurrenten für das Rennen am Sonntag einen Hoffnungsschimmer. Mit Lüttich hat Alaphilippe seit seinem Podestplatz noch eine Rechnung offen. Denn so erfolgreich wie 2015 war der Franzose beim Ardennen-Klassiker nie mehr. Letztes Jahr verpasste er den Sprung aufs Podest als Vierter nur ganz knapp – notabene ebenfalls, nachdem er die Flèche Wallonne für sich entschieden hatte.

Aus Schweizer Sicht sind beim vierten der fünf sogenannten Monumente im Radsport nicht unbedingt Spitzenresultate zu erwarten. Bereits seit 2001 (Oscar Camenzind) – und damit so lange wie bei keinem anderen der fünf wichtigsten Eintagesrennen – warten die Schweizer in Lüttich auf einen Sieg.

Michael Albasini hatte 2016 mit seinem 2. Rang für das letzte Top-Ergebnis gesorgt. Der Routinier steht auch dieses Jahr als einer von wenigen Schweizern am Start. In seiner letzten Saison als Profi zerriss der 38-Jährige bisher noch keine grossen Stricke. Die Flèche Wallonne gab Albasini auf.

Zu beachten ist einmal mehr die Nachwuchshoffnung Marc Hirschi. Der 20-jährige Berner hinterliess in seiner ersten Saison als Profi bereits seine Spuren auf höchster Ebene mit einem 4. und einem 5. Rang an der Baskenland-Rundfahrt. Nach Mailand-Sanremo (48. Rang) bestreitet Hirschi sein zweites Monument, das dieses Jahr wieder im Zentrum von Lüttich endet und nicht mehr wie zuletzt im Vorort Ans.