NHL-Rücktritt
Die Nummer 68 verlässt die grosse Bühne: Jaromir Jagr kehrt in seine tschechische Heimat zurück

Das Ende seiner langen NHL-Karriere hatte sich Jaromir Jagr ganz anders vorgestellt. Den Rekord des legendären Gordie Howe wollte der Altstar noch brechen. Doch der 45-Jährige muss die grösste Eishockey-Bühne verlassen, weil ihn niemand mehr haben will.

Thomas Lipinski
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Jaromir Jagr im Dress seines letzten NHL-Arbeitgebers, der Calgary Flames.

Jaromir Jagr im Dress seines letzten NHL-Arbeitgebers, der Calgary Flames.

KEYSTONE

«Ich bin traurig, dass es in Calgary wegen diverser Umstände nicht so funktioniert hat, wie es sich beide Seiten vorgestellt haben», sagte der Olympiasieger von 1998, der in seine tschechische Heimat zurückkehrt.

Bei den Flames, seinem neunten Klub in der NHL, hatte er im Herbst einen Einjahresvertrag über eine Million Dollar unterschrieben. Doch auch wegen diverser Verletzungen lief es nicht wie erhofft. In 22 Spielen erzielte Jagr nur ein Tor, seit dem 31. Dezember stand er nicht mehr auf dem Eis.

Keiner wollte ihn

Calgary strich ihn aus dem Kader und setzte ihn auf die sogenannte Waiverliste. Kein anderer NHL-Klub griff zu. Daraufhin gaben die Flames bekannt, dass Jagr künftig wieder für seinen Heimatklub HC Kladno spielen wird.

Der Rekord von Gordie Howe bleibt damit unangefochten: Zu den 1767 NHL-Spielen der kanadischen Legende fehlen Jagr noch 34 Partien. Eine spätere Rückkehr in die NHL, mit der kanadische Medien zunächst spekulierten, ist unwahrscheinlich.

«mehr als ein Gott»

Der zweimalige Stanley-Cup-Sieger, zweitbester Skorer der NHL-Geschichte hinter Superstar Wayne Gretzky, will Kladno zurück in die erste tschechische Liga führen. Jagr ist dabei quasi sein eigener Angestellter: Er ist seit einigen Jahren Mehrheitseigner des Klubs.

Während die Fans in Nordamerika trauern, ist die Begeisterung in Tschechien gross. «Er ist sogar ein bisschen mehr als ein Gott. Er ist der Grösste in Tschechien», sagte sein Landsmann Dominik Simon von den Pittsburgh Penguins, dem Klub, bei dem Jagr 1990 seine NHL-Karriere begann und mit dem er zweimal den Stanley Cup gewann.

766 Tore

Sein Land noch einmal bei Olympia vertreten wird der Altstar allerdings nicht. Jagr gehört nicht zum 25-köpfigen Aufgebot, das der tschechische Verband für die Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) nominiert hat. Es wurde schon spekuliert, dass Jagr sein sechstes Olympiaturnier bestreiten könnte.

Jagr verlässt die NHL mit beeindruckenden Zahlen. 1733 Spiele in der regulären Saison hat er absolviert, nur Howe (1767) und Mark Messier (1756) liegen noch vor ihm. 766 Tore bedeuten ebenfalls Platz drei in der ewigen Rangliste. Seine 1921 Skorerpunkte überbot lediglich Gretzky (2857). Die Statistik hätte noch eindrucksvoller ausfallen können, hätte Jagr nicht von 2008 bis 2011 in Russland gespielt.