Eishockey
Die NLA-Klubs stecken mit ihren Ausländern zwischen Himmel und Hölle

Wie gut sind die Ausländer in der NLA? Wir haben Journalisten und Sportchefs nach ihrem Urteil gefragt. Klar war bei allen: Schlusslicht Biel hat die schlechtesten Ausländer, Auston Matthews ist der beste NLA-Söldner.

Marcel Kuchta
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Zuverlässiger Skorer: Zugs Pierre-Marc Bouchard gehört zu den am besten benoteten Spielern.

Zuverlässiger Skorer: Zugs Pierre-Marc Bouchard gehört zu den am besten benoteten Spielern.

Keystone

«Früher war mehr Lametta», sagt man gerne, wenn vor längerer Zeit etwas spektakulärer und ausserordentlicher war als heutzutage. Früher, das heisst in Bezug auf die Schweizer Liga die 1980er- und 1990er-Jahre. Damals, da spielten die ausländischen Spieler in der NLA eine wesentlich grössere Rolle als die aktuellen Gastarbeiter. Die Söldner hatten vor allem eine Aufgabe: skoren bis zum Gehtnichtmehr.

Wer sich noch an die Zeiten des magistralen Duos Slawa Bykow/Andrej Chomutow im Dress von Fribourg-Gottéron erinnert, der kennt die Dimension, die die Dominanz ausländischer Spieler annehmen konnte.

Ausländer nicht mehr erkennbar

Im Gegensatz zu der Blütezeit der Söldner auf Schweizer Eis hat sich der Wirkungskreis der Gastarbeiter mittlerweile verändert. Wer heutzutage einem Eishockeyspiel beiwohnt, wird nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, welche Spieler auf dem Eis ausländischer Herkunft sind. Einerseits hat sich generell das Niveau der einheimischen Akteure verbessert, andererseits kommen auch nicht mehr so grosse Stars wie damals Bykow/Chomutow in die Schweiz. Vielmehr schauen die Sportchefs der NLA-Teams darauf, dass die Ausländer bestimmte Rollen innerhalb des Teams besetzen – und zwar nicht zwingend nur in offensiver Hinsicht.

Trotzdem ist die Abhängigkeit einzelner Teams von den Leistungen ihrer Söldner unterschiedlich. Während Spitzenteams wie die ZSC Lions oder der HC Davos auch Ausfälle von Leistungsträgern besser wegstecken können, so wirken sich Verletzungen und vor allem latent schwache Leistungen bei anderen Equipen fatal auf die Gesamtperformance aus.

Biels Olausson führt Skala an - von hinten

Die Umfrage der «Schweiz am Sonntag» unter Eishockey-Journalisten und NLA-Sportchefs zeichnet ein recht deutliches Bild. Die Ausländer von Schlusslicht Biel weisen einen (Schul-)Notendurchschnitt von unter 3 auf – ein Wert, der für sich spricht. Am anderen Ende der Skala stehen die Söldner der Lions, von Davos, Zug und Servette, die allesamt einen Schnitt von über 5 aufweisen.

Zum besten Ausländer wurde von den Experten – wenig überraschend – Auston Matthews gewählt. Das 18-jährige Phänomen von Leader ZSC Lions erhielt durchs Band hohe Noten. Am anderen Ende der Skala steht Niklas Olausson von Schlusslicht Biel. Der Schwede, der letzte Saison noch zu den Leistungsträgern der Seeländer gehörte, erhielt eine vernichtende 2.

Das sind die zehn besten NLA-Ausländer:

Auston Matthews (18/ZSC Lions). Der NHL-Star in spe hat die Erwartungen erfüllt.

Cory Conacher (26/SC Bern). Einer der torgefährlichsten Spieler der Liga.

Pierre-Marc Bouchard (31/EV Zug). Zuverlässiger Skorer und auch sonst komplett.

Jim Slater (33/Servette Genf). Als er kam, wurde Servette schlagartig besser.

Perttu Lindgren (28/Davos). Offensiv wie defensiv top – ein kompletter Center.

Jarkko Immonen (33/EV Zug). Oft unauffällig, macht aber viele Dinge richtig.

Dick Axelsson (28/HC Davos). Wenn er Lust hat der beste Spieler der NLA.

Matt D’Agostini (29/Servette Genf). Ungemein torgefährlich, taucht bisweilen ab.

Chris DiDomenico (26/SCL Tigers). Provokateur und Leader, der seine Mannschaft mitreisst.

Harri Pesonen (27/Lausanne). Ungemein schnell, aber mit Schwächen im Abschluss.

Das sind die zehn schlechtesten NLA-Ausländer:

Pär Arlbrandt (33/EHC Biel). Nur noch ein Schatten seiner selbst.

Niklas Olausson (29/EHC Biel). Wie bei Arlbrandt: rätselhafter Leistungsabbau.

Maxime Macenauer (27/EHC Biel). Sollte neue Impulse geben, doch die sind verpufft.

David Moss (34/EHC Biel). Kam als Hoffnungsträger, bisher aber enttäuschend.

Trevor Smith (30/SC Bern). Seine Verpflichtung war von Anfang an ein Missverständnis.

Mikko Kousa (27/SC Bern). Sollte die Abwehr stabilisieren – Fehlanzeige.

Tony Martensson (35/HC Lugano). Wurde den Vorschusslorbeeren bisher nicht gerecht.

Ilari Filppula (34/HC Lugano. Nur ein Mitläufer, der mittlerweile überzählig ist.

Mark Olver (28/Kloten Flyers). Ein braver Arbeiter. Spielt mittlerweile in der DEL.

Kevin Hequefeuille (31/SCL Tigers). Auf NLA-Niveau überfordert und oft überzählig.