Schweizer Nationalmannschaft
Die Nati-Nachwusspieler müssen warten bis die goldene Chance kommt

Der Stamm des Schweizer Nationalteams ist gefestigt. Was bedeutet das Warten für junge Spieler wie Nico Elvedi, Edimilson Fernandes, Manuel Akanji, Breel Embolo oder Denis Zakaria?

Etienne Wuillemin
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Eingerückt mit der Hoffnung auf baldige Einsätze im Nationalteam: Denis Zakaria.

Eingerückt mit der Hoffnung auf baldige Einsätze im Nationalteam: Denis Zakaria.

KEYSTONE

Der junge Mann rückt mit einem Lächeln ein. Er hat auch allen Grund dazu. Schliesslich ist Denis Zakaria bei Mönchengladbach ein toller Start geglückt. In seinem ersten Spiel in der Bundesliga überhaupt überzeugte Zakaria mit einer Passquote von 100 Prozent. In seinem zweiten gelang ihm bereits der erste Treffer. Viel besser hätte es nicht laufen können. Er sagt: «Ein bisschen überwältigt bin ich schon. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht, bis einige Leute positiv über mich reden.»

Denis Zakaria wartet wie viele andere junge Nachwusspieler auf seine Chance.jpg

Denis Zakaria wartet wie viele andere junge Nachwusspieler auf seine Chance.jpg

Keystone

Doch jetzt, in diesen Tagen bei der Nationalmannschaft, ist die Situation wieder eine andere. Zakaria muss auf seine goldene Gelegenheit warten. Einigen anderen jungen Spielern in seinem Alter geht es nicht anders. Nico Elvedi oder Edimilson Fernandes beispielsweise. Vielleicht auch Manuel Akanji nach Fabian Schärs Rückkehr. Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat über die letzten Monate einen Stamm gefunden, auf den er baut. Sommer im Tor, Lichtsteiner, Djourou, Schär und Rodriguez in der Abwehr. Behrami, Xhaka und Dzemaili im Mittelfeld. Shaqiri, Mehmedi und Seferovic im Sturm. Dazu käme der noch nicht ganz fitte Embolo.

Petkovic funktioniert nach Belohnungs-Prinzip

Nun hat es bestimmt einige Vorteile, sein Team des Vertrauens gefunden zu haben. Die Stammspieler müssen nicht bei jedem Rückschlag zu zweifeln beginnen, ob sie weiterhin spielen dürfen. Das Vertrauen wirkt sich häufig im positiven Sinn auf die Leistung aus.
Aber diese Ausgangslage kann auch gefährlich sein. Denn sie schafft Voraussetzungen, die leistungshemmend wirken könnten. Wenn die Stammspieler wissen, dass sie ohnehin spielen – warum müssen sie stets an ihre Leistungsgrenze gehen? Und wie sollen die Ersatzspieler ihre Motivation aufrechterhalten, wenn sie wissen, dass sie kaum je eine Chance erhalten?

Zeigt man starke Leistungen, hat man bei Petkovic gute Chancen, Spielzeit zu bekommen

Zeigt man starke Leistungen, hat man bei Petkovic gute Chancen, Spielzeit zu bekommen

KEYSTONE/EPA KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Petkovic funktioniert als Nationaltrainer nach dem Belohnungs-Prinzip. Er hat viele Spieler auf dem Radar, auch einige starke Leistungen am Stück in der Super League können für ein Aufgebot reichen. Und er fürchtet sich nicht, den Talenten eine Bewährungschance zu geben. Vor allem in Testspielen. Aber zuletzt bei Manuel Akanji auch in einem WM-Qualifikationsspiel (auf den Färöer-Inseln).

«Frische tut uns immer gut»

Gerade im Mittelfeld aber ist der Stamm meist derselbe. Denis Zakaria war zuletzt bei der U21 engagiert. Jetzt ist er zurück. Petkovic sagt: «Ein Neuling ist er nicht mehr – aber vielleicht ein Frischling. Und Frische tut uns immer gut.» Zakaria weiss um die derzeitige Situation. Er sagt: «Zuerst einmal bin ich froh, wieder im Nationalteam zu sein. Es stimmt, es hat einige Spieler in meinem Alter, die auf ihre Chance warten. Die Konkurrenz ist stark, und wenn wir spielen dürfen, müssen wir diese Gelegenheit packen.» Aber eines vergisst der 20-Jährige auch nicht zu erwähnen: «Ich kann von erfahrenen Spielern wie Valon Behrami jeden Tag viel lernen. Sie geben uns gute Ratschläge.»

Erfahrene Spieler wie Behrami geben den jungen Nati-Spielern wertvolle Tipps

Erfahrene Spieler wie Behrami geben den jungen Nati-Spielern wertvolle Tipps

Keystone

Claudio Sulser nimmt sich als Delegierter der Nationalmannschaft während der Zusammenzüge immer wieder Zeit für Gespräche mit den Spielern. Gerade auch für jene, die noch nicht so lange dabei sind. Er sagt: «Wichtig ist, zu realisieren, dass alleine schon die Präsenz bei der Nationalmannschaft ein riesiger Schritt ist. Einer, der nicht verachtet werden sollte. Einerseits darf jeder Spieler stolz darauf sein, die Schweiz zu repräsentieren – auch wenn er Ersatzspieler ist. Andererseits profitiert er nur schon durch das Mitmachen der technischen und taktischen Einheiten.» Der Status als Nationalspieler hilft auch in Vertragsverhandlungen, sei es mit Klubs oder persönlichen Werbekunden. Alleine schon de