Applaus brandet auf, als das Flugzeug in Vagar aufsetzt. Glaubt man den angstmacherischen Berichten von Zeugen früherer Reisen, war das für Färinger Verhältnisse ein sehr fairer Landeanflug. Ein paar Wackler – und schon auf dem Boden. Was vom Staff und den Spielern der Schweizer Nationalmannschaft mit Beifall honoriert wird.

Drei Stunden zuvor ist am Flughafen Bern-Belp dem einen oder anderen Profi der Respekt vor dem Flug in den hohen Norden anzusehen. Alle sind da, auch der für den verletzten Nico Elvedi nachnominierte Ulisses Garcia und Manuel Akanji, dessen starke Rückrunde beim FCB mit dem ersten Aufgebot für die Nationalmannschaft belohnt worden ist.

Vladimir Petkovic beim Einstieg ins Flugzeug.

Vladimir Petkovic beim Einstieg ins Flugzeug.

Als das Boarding beginnt, schreitet Vladimir Petkovic grinsend hinein ins kleine Flugzeug. Keine Spur von Flugangst beim Nationaltrainer. Man erinnert sich an den Satz, den Petkovic einige Tage zuvor gesagt hat: «Wir haben eine Reise in einem kleinen Flugzeug vor uns. Aber Platz für drei Punkte hat es genug.»

Spieler gewarnt und optimistisch

Es ist die in einen lässigen Spruch verpackte Zielvorgabe für die Reise zum Tabellenvierten der Gruppe B. Mehr noch: Ein Sieg ist auf den Färöer-Inseln für die Schweizer Nationalmannschaft Pflicht. Denn hier landen nicht nur kleine Flugzeuge, klein ist auch der Status der Färöer-Inseln auf der Fussball-Weltkarte.

Gegen solche Gegner braucht Petkovics Mannschaft das Punktemaximum, um bis zum abschliessenden Spiel am 10. Oktober in Portugal die Chancen auf die direkte WM-Qualifikation zu wahren. Dass die Portugiesen bis dahin Punkte abgeben werden, davon ist mit Blick auf ihren Formstand nicht auszugehen.

Goalie Yann Sommer nach der Landung auf der Insel.

Goalie Yann Sommer nach der Landung auf der Insel.

Entsprechend ist die Stimmung während der Reise auf die Färöer-Inseln gut, aber nicht so ausgelassen wie auf einem Schulreisli. Die Konzentration auf dieses Spiel, in dem es für die Schweiz so wenig zu gewinnen, aber so viel zu verlieren gibt, ist spürbar.

Perfekte Länderspielsaison als Ziel

In den rauen Bedingungen auf dem Inselstaat haben sich schon etliche Favoriten schwergetan – Petkovics Spieler sind gewarnt. Doch es gibt genauso Mutmacher aus Schweizer Sicht, an denen sich die Mannschaft vor allem orientieren wird: Dank sechs Siegen aus den letzten sechs Spielen könnte es resultattechnisch nicht besser laufen.

Auf den Färöern winkt der Schweizer Nationalmannschaft die Chance, erstmals eine Länderspielsaison mit weisser Weste zu beenden. Und die persönliche Bilanz gegen die Inselkicker ist ebenfalls astrein: Fünf Siege aus fünf Spielen.

Der letzte Auftritt auf den Färöern geht auf den 4. Juni 2005 zurück. 3:1 für die Schweiz hiess es am Ende. Die Torschützen waren Raphael Wicky und Alex Frei (2), heute beide Teil der neuen Führungsriege des FC Basel.

Auch Köbi Kuhn ist bei der Reise auf die Färöer-Inseln dabei.

Auch Köbi Kuhn ist bei der Reise auf die Färöer-Inseln dabei.

An der Seitenlinie stand damals Köbi Kuhn. Und der sitzt ebenfalls im Flieger, als sich der Nationalmannschafts-Tross zwölf Jahre danach erneut auf die Färöer-Inseln aufmacht. Als Glücksbringer? «Schauen wir mal. Ich bin als Fan dabei », sagt «Köbi national», lacht – und wendet sich wieder seiner Gattin zu.