Die vierte Studie seit 1996 zur Entwicklung der Schweizer Sportvereine zeigt eine grosse Kontinuität, aber auch einige bemerkenswerte Tendenzen. Die Zahlen allein sind bombastisch: Rund zwei Millionen Menschen treiben in der Schweiz in insgesamt 19 000 Vereinen aktiv Sport. Damit engagiert sich ein Viertel der Wohnbevölkerung im Alter zwischen 5 und 74 Jahren in einem Sportklub. Und jeder vierte Schweizer Verein ist ein Sportverein. Der Vereinssport trotzt der Individualisierung und Schnelllebigkeit der Gesellschaft.

Es gibt allerdings Tendenzen, die den Warnfinger in Achtungstellung bringen. Die erste betrifft die seit 20 Jahren rückläufige Anzahl Sportvereine. 1996 zählte man in der Schweiz noch 27 000 Vereine. Zwar liefern Fusionen – gerade im Turnen von reinen Männer- und Frauenriegen – einen plausiblen Grund. Doch der Teufel liegt im Detail. Zum Beispiel, dass die Mitgliederzahlen trotz vielerorts boomenden Kinder- und Nachwuchsabteilungen sowie zahlreichen sportlich engagierten Senioren sinken. Dass die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen kontinuierlich kleiner wird, akzentuiert das Problem der ehrenamtlichen Mitarbeit.

Der organisierte Schweizer Sport übernimmt so eine wichtige Rolle für den sozialen Kitt in der Gesellschaft. Dieses Argument rechtfertigt den grossen finanziellen Aufwand der öffentlichen Hand für die Vereine, insbesondere durch das Zurverfügungstellen der Infrastruktur. Täglich finden in der Schweiz 25 000 Stunden Sport in öffentlichen Anlagen statt. Die Vereine bezahlen dafür im Durchschnitt pro Stunde eine Gebühr von lediglich 4.60 Franken.

Der Sportverein wird in seiner personellen Zusammensetzung immer jünger, das Segment der potenziellen Helfer schwindet. «Umso wichtiger ist, dass die Vereine früh neben den Sporttalenten auch die Funktionärstalente erkennen und fördern», sagt Roger Schnegg, Direktor des Dachverbandes Swiss Olympic.

Sportverein ist Männersache

Um den Vereinssport auf diesem Niveau am Laufen zu halten, benötigt es 350 000 Funktionäre. 96 Prozent davon sind im Ehrenamt. Auch für Studienleiter Markus Lamprecht überraschend ist die jüngste Tendenz, dass der Anteil der bezahlten Arbeit seit 2010 um vier Prozent abnahm. In den 15 Jahren zuvor hatte sich dieser von 10 auf 20 Prozent verdoppelt. Das Ehrenamt wird wieder populärer.

Trotzdem nennen mehr Sportvereine als je zuvor (41 Prozent) die vergebliche Suche nach Funktionären als existenzbedrohende Sorge. Allerdings zeigt die Praxis eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit. So hat sich in den letzten Jahren das Jobsharing im Schweizer Sport als immer beliebteres Mittel erwiesen, um die Verantwortung zu teilen. Immer mehr Teams werden von einem Trainerduo geleitet, und auch das Co-Präsidium liegt im Trend.

Bemerkenswert auch, dass noch immer nur rund ein Drittel der Vereinsmitglieder Frauen sind und diese damit im Schweizer Sport im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nach wie vor deutlich untervertreten sind. Besonders selten anzutreffen sind Frauen mit Migrationshintergrund. Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport, ist zuversichtlich, dass man diesen Faktor in der Zukunft korrigieren kann. Im freiwilligen Schulsport, dem wichtigsten Einstiegstor in den Sportverein, konnte der Anteil von Mädchen mit Migrationshintergrund jenem der Knaben angeglichen werden.