Wie viele Kilometer renne ich? Wie viele Kilometer sprinte ich? Wie schnell ist meine Höchstgeschwindigkeit? Und wo genau bewege ich mich auf dem Spielfeld? Informationen, wie sie früher nur die Superstars kriegten, bekomme nun auch ich, ein Amateurfussballer, der nie höher als in der 3. Liga spielte. Seit dieser Saison haben wir beim Luzerner Drittligisten FC Adligenswil ein Trackingsystem im Einsatz. Eine Ausnahme ist das nicht. Immer mehr Amateurvereine setzen auf solche Messungen.

Michel Kohler, Konditionsverantwortlicher des Schweizerischen Fussballverbandes, glaubt, dass diese Messung bis in die 3. Liga dereinst Usus werden könnte.

Anders als subjektives Empfinden des Trainers würden diese Daten objektive Anhaltspunkte geben. «Damit kann der Trainer Probleme besser ausfindig machen», so Kohler. Dazu komme ein anderer positiver Nebeneffekt: die Motivation. «Fussballer mögen es, wenn sie Daten über sich selber haben und sie mit den Mitspielern vergleichen können. Dadurch, dass sie wissen, dass alles gemessen wird, rennen sie vielleicht nochmals mehr.»

Anbieter wie Fieldwiz oder Catapult Playertek bieten einen Satz von GPS-Geräten, die normalerweise in BH-ähnlichen Oberteilen getragen werden, für einige tausend Franken für ein ganzes Kader an. «Aus Kostengründen haben einige Amateurvereine nur vier oder fünf Geräte. Die Spieler wechseln dann untereinander ab», weiss Kohler. Auch dies könne wichtige Erkenntnisse geben. «Wenn man Spieler mit ähnlicher Position misst, kann man wichtige Daten herauslesen. Es macht aber wenig Sinn, die Laufleistung eines Innenverteidigers und eines Flügelspielers miteinander zu vergleichen.»

Entscheidend sei, dass der Trainer die Daten richtig einzuschätzen weiss. «Daten können etwas aussagen, sie sagen aber auch nicht immer die ganze Wahrheit.» So spiele es eine grosse Rolle, ob das Team dominierend oder eher defensiv agiert. Ebenfalls sieht man die Effizienz der Laufwege nicht.

In Sachen Distanz ist der Unterschied zwischen Amateuren und Profis übrigens nicht allzu gross.

Bessere Trainingsplanung dank Daten

Die GPS-Systeme helfen nicht nur in den Spielen selber, sondern auch in den Trainings, sagt Kohler. «Wenn ich ein Training plane, in dem ich Flügelläufe trainieren möchte, kann ich schneller beurteilen, welche Spieler diese Belastung durchstehen und welche bald einmal nicht mehr dasselbe Tempo gehen können.» Zudem könne man in der Saisonvorbereitung die körperlichen Fortschritte der Spieler feststellen.

Dank der so genannten «Heatmap», einer Karte, die aufzeigt, wo sich der Spieler auf dem Feld befand, können auch taktische Korrekturen angebracht werden. «Wenn der Trainer feststellt, dass die Stürmer zu selten den Weg in den Strafraum suchen, kann er das objektiv aufzeigen. Subjektivem Empfinden des Trainers glauben die Spieler oft weniger als objektiven Daten.»

Bei den Profis werden weit mehr als nur die GPS-Daten gemessen, auch der Puls wird stets überwacht. Darauf verzichten Amateure aus Kostengründen jeweils. Mit der Pulsmessung kann man jedoch nicht nur die Belastung selber, sondern auch die Regenerationsphase kontrollieren. So kann man feststellen, ob sich der Spieler vollständig erholen kann, um im Ernstkampf das volle Leistungspotenzial abrufen zu können.

So weit wird es bei mir aber hoffentlich nicht kommen. Spannend zu sehen, welche Leistungen ich im Spiel erbringe, ist es aber allemal.

Apps, wie etwa "Playertek" zeigen genau die Laufleistungen oder Geschwindigkeiten an. (Screenshot)

Apps, wie etwa "Playertek" zeigen genau die Laufleistungen oder Geschwindigkeiten an. (Screenshot)

Die "Heatmap" zeigt an, wo sich ein Spieler auf dem Spielfeld aufhält: Hier die typische Positionierung eines Flügelspielers. (Screenshot)

Die "Heatmap" zeigt an, wo sich ein Spieler auf dem Spielfeld aufhält: Hier die typische Positionierung eines Flügelspielers. (Screenshot)