Davos rühmt sich selber als «Luftkurort». Patienten mit Atemwegskrankheiten reisen seit über einem Jahrhundert gerne ins Landwassertal, um ihre Leiden zu kurieren. Davos gilt aber auch als eine der Wiegen des Schweizer Eishockeys. Rekordmeister HC Davos ist der Traditionsklub schlechthin.

Und besonders der Spengler Cup, dieses Freundschaftsturnier, welches seit fast hundert Jahren traditionell während der Altjahreswoche ausgetragen wird, hat sich zu einem Fixpunkt im Terminkalender der Eishockey-Freunde entwickelt.

Doch – um wieder auf den Luftkurort zurückzukommen: Die Luft wird für das Turnier langsam aber sicher dünner. Das hat weniger mit der Qualität des Anlasses zu tun, sondern mehr mit der Quantität der Termine, die inzwischen den Eishockey-Kalender belagern.

Das Musterbeispiel HCD

Neben der normalen Meisterschaft und den Zusammenzügen der Nationalmannschaft sind in der Zwischenzeit auch noch die Champions Hockey League und der Schweizer Cup zum Pensum dazugekommen. Verschnaufpausen gibt es da weder für die Klubs noch – und das ist der entscheidende Punkt – für die Spieler.

Der HC Davos ist diesbezüglich heuer ein Musterbeispiel. In der Meisterschaft sind die Spengler-Cup-Gastgeber intensiv in den Kampf um die Playoff-Plätze involviert. Die Personaldecke ist angespannt, die Kraftreserven der Spieler sind sowieso immer am Limit.

Quiz zum Spengler Cup

Und dann besteht noch die Pflicht, beim eigenen Turnier, welches das finanzielle Überleben als NLA-Spitzenverein garantiert, um den Sieg mitzuspielen. Dieser Spagat wird je länger, je mehr so anspruchsvoll, dass er kaum mehr umsetzbar ist.

Es gibt keine bessere Plattform

Aller negativen Vorzeichen und Entwicklungen zum Trotz darf an der Institution Spengler Cup aber nicht gerüttelt werden. Das Turnier lebt von seiner Tradition, lebt davon, dass die Faszination des Eishockeys zu besten Sendezeiten und während der Feiertage mit wunderbaren Bildern in die guten (Schweizer) Stuben übertragen wird.

Eine bessere Werbeplattform kann sich diese Sportart im fortschreitenden Kampf um Marktanteile und Sponsorengelder gar nicht wünschen. Und letztlich profitiert das ganze Schweizer Eishockey von diesem Anlass, auch wenn er derzeit etwas an Sauerstoffknappheit leidet.

Die Schweizer Nationalmannschaft als Retter?

Besonders der Ausblick auf das Turnier Jahrgang 2017 hilft bei der Einordnung der Perspektive. Dannzumal wird die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft in Davos um Ruhm und Ehre kämpfen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea) wird die nationale Auswahl am Traditionsanlass ihre Hauptprobe absolvieren.

Und damit vielleicht auch die Türe für weitere Teilnahmen öffnen. Auch wenn der Spengler Cup per Definition ja ein Klubturnier ist, so könnte die Schweizer Nationalmannschaft durchaus permanent einen Platz im Teilnehmerfeld finden – wie es ja auch das Team Canada seit über 30 Jahren tut.

Schliesslich muss auch die Equipe der «Eisgenossen» je länger je mehr um ihre Daseinberechtigung kämpfen. Auch die Termine der nationalen Auswahl sind in den letzten Jahren von den Klubs kritisch unter die Lupe genommen worden. Man gibt seine besten Rösser im Stall nur noch äusserst ungern frei.

Wieso also nicht die meisterschaftsfreie Zeit über Weihnachten/Neujahr nutzen, und dort einen Nationalmannschaftstermin institutionalisieren? Es würde zwei wichtigen Eishockey-Produkten unseres Landes wieder ein wenig mehr von der dringend benötigten Luft zum Atmen verschaffen.