Europa League
Die letzte Schweizer Hoffnung: Schafft Zürich in der Türkei die Sensation?

Mit einem Sieg bei Osmanlispor überwintert der FC Zürich in der Europa League. Würde dies der Zweitligist schaffen, wäre er nach dem Ausscheiden von Basel, YB, Luzern und GC der letztverbliebene Schweizer Vertreter auf europäischem Parkett.

Markus Brütsch
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Wer hätte das gedacht: Uli Forte kämpft mit dem Challenge-League-Klub FCZ ums Weiterkommen im Europacup.Keystone

Wer hätte das gedacht: Uli Forte kämpft mit dem Challenge-League-Klub FCZ ums Weiterkommen im Europacup.Keystone

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«Tac! Tac Tac!» Der Herr gesetzteren Alters gibt alles. «Tac! Tac! Tac!» Er schaue sich viele Spiele des FC Zürich an, von der ersten Mannschaft bis hinunter zu den Junioren, und alle wollten spielen wie Barcelona: Tac! Tac! Tac!

Ob Marco Schönbächler und der FCZ sich nach Partie über das europäische Überwintern freuen können?

Ob Marco Schönbächler und der FCZ sich nach Partie über das europäische Überwintern freuen können?

Keystone

Der Mann sitzt im FCZ-Museum, wohin der Verein seine Fans zum Talk mit Präsident Ancillo Canepa, Trainer Uli Forte und Captain Gilles Yapi eingeladen hat. Die Laune ist nach den Erfolgen in dieser Saison, ob in der Europa League, der Challenge League oder im Schweizer Cup, bestens. Viele FCZler betonen, wie sehr es ihnen wieder Spass mache, ihrem Klub zuzuschauen. Aber eben, besagter Herr hat ein Haar in der Suppe gefunden und stört sich daran, dass die FCZ-Teams immer wieder dumme Gegentore einkassierten: «Weil sie spielen wollen wie Barcelona. Tac! Tac! Tac! Und dann Fehler machen, weil sie nicht spielen können wie Barcelona.» Tac! Tac! Crash!

Forte nimmt die Wortmeldung mit Humor. Er hat die Argumente auf seiner Seite. In 25 Pflichtspielen in dieser Saison hat seine Mannschaft gerade mal 16 Tore eingesteckt − eine schlicht hervorragende Bilanz. Und dass sie wie Barcelona unter Pep Guardiola das Klein-Klein-Spiel zelebriert, kann auch nicht behauptet werden. Nein, die Zürcher haben zu einer pragmatischen Spielweise gefunden, die sie in der Meisterschaft mit haushohem Vorsprung überwintern lässt, im Cup in den Viertelfinal geführt hat und in der Europa League die Möglichkeit gibt, am sechsten und letzten Spieltag der Gruppenphase den Einzug in die Sechzehntelfinals aus eigener Kraft zu schaffen. «Wer hätte das gedacht!», sagt Canepa. «Du träumst!», hätte Forte jedem entgegnet, der vor der Saison auf die Idee gekommen wäre, ein solches Szenario zu prophezeien.

Nicht auf Teufel komm raus

Doch die Zürcher spielen heute Nachmittag, 17 Uhr, tatsächlich um das Überwintern im Europacup. Sie wären der einzige Schweizer Klub, nachdem Basel, YB, Luzern und GC ausgeschieden sind. Während Gastgeber Osmanlispor ein Unentschieden fürs Weiterkommen genügt, brauchen die Zürcher in Ankara in jedem Fall einen Sieg. «Wir wollen Geschichte schreiben», sagt Forte. Allerdings wäre der FCZ nicht der erste Klub, dem es als Zweitligaverein gelänge, eine Gruppenphase zu überstehen. In der Saison 04/05 schaffte dies Alemannia Aachen; allerdings in nur vier Gruppenspielen und als Tabellendritter.

Forte kann in der Türkei aus dem Vollen schöpfen. «Das ist normalerweise um diese Jahreszeit nicht so», sagt der 42-Jährige. Zum einzigen Mal in diesem Herbst hat die Europa League gegenüber dem Kerngeschäft Challenge League die höhere Priorität, rückt das letzte Meisterschaftsspiel des Jahres am Montag in Winterthur in den Hintergrund. «Jetzt, wo wir im Europacup so nahe dran sind, wollen wir alles», sagt Forte. Also auch die 1,16 Millionen Euro Prämie, die sich zu den bereits erspielten 3,32 Millionen gesellen würden. Er rechnet damit, dass der Tabellensiebte der türkischen SüperLig im Gegensatz zum Hinspiel in Bestbesetzung antreten wird. «Wir haben 90 Minuten Zeit für den Sieg und dürfen nicht auf Teufel komm raus stürmen», sagt Forte, «wir müssen schlau spielen.»