Die beste Nachricht zuerst: Am Samstagabend geht in Cardiff mit dem Final eine Champions-League-Saison zu Ende, die als ziemlich aufregend in Erinnerung bleiben wird (siehe Bildergalerie).

Aufregend wegen vieler toller Partien, wegen vieler Tore, wegen Teams, die sich Spektakel zutrauten – und damit einige langweilige Abende der letzten Jahre vergessen machten.

Die Champions-League-Saison 2016/17 in fünf Bildern:

Im Final stehen sich nun Real Madrid und Juventus Turin gegenüber. Und sie tun das vielleicht gerade deswegen, weil sie mit Qualitäten überzeugten, die ihnen im Vorfeld niemand so richtig zugetraut hatte.

Real Madrid? Na klar, eine wahnwitzige Offensive! Juventus Turin? Na klar, eine monströse Defensive! Das mag schon stimmen. Aber eine andere Wahrheit ist indes: Real ist auch dank hervorragenden Leistungen in der eigenen Platzhälfte erneut im Final. Juventus garniert seinen Beton mit zielstrebiger, spektakulärer und effizienter Stürmerkunst.

Der Dirigent des weissen Balletts

Seit 1992 die Champions League als Nachfolgewettbewerb des «Europapokals der Landesmeister» gegründet wurde, ist es noch keinem Team gelungen, den Titel zu verteidigen. Dies könnte Real Madrid nun ändern.

Als Xavi, Dreh- und Angelpunkt des FC Barcelona in der Ära Guardiola, kürzlich über den Erfolg von Real nachdachte, kam er zum Schluss: «Toni Kroos ist der Motor von Real Madrid.»

Kroos als Dirigent des weissen Balletts. Als Motor für die Raketen Ronaldo, Bale, Benzema, Isco, James oder Asensio – das passt. Er ist es, der für die Balance im Team sorgt. Er tritt viele Freistösse und Eckbälle. Und natürlich kurbelt er das Spiel an mit seinen Pässen, die fast immer ankommen.

Kroos ist selten der Mann für die spektakulärsten Tore. Dass er bei seiner Arbeit manchmal nicht ganz so elegant zu Werke geht wie sein Nebenmann Luka Modric – wen stört das schon? Kroos ist einer, der sich nicht scheut, den Fussball als Arbeit zu verstehen. Das schadet in einem Ensemble wie Real Madrid natürlich nicht.

Dank Götze bei Real gelandet

Dabei wäre es beinahe gar nie zur Liaison Kroos und Real Madrid gekommen. Pep Guardiola ärgert sich noch immer, wie es Bayern München vermasseln konnte, die Zusammenarbeit mit Kroos fortzusetzen. Kroos war sein wichtigster Spieler. Guardiola kämpfte um ihn.

Doch im Sommer 2014 musste Kroos feststellen, dass den Bayern-Bossen Mario Götze wichtiger ist – auch in finanzieller Hinsicht. Götze scheiterte. Und Kroos zog weiter zu Real. Heute sagt er: «Rückblickend betrachtet, bin ich froh, dass es mit der Einigung mit dem FC Bayern nicht geklappt hat.»

Der Trainer von Kroos heisst Zinédine Zidane. Für ihn, den französischen Weltstar, ist dieser Final mehr als ein Spiel. 1996 wechselte Zidane von Bordeaux zu Juventus Turin, die alte Dame war Titelverteidiger in der Champions League. Auch mit Zidane stand Juventus zwei weitere Male im Final, verlor indes beide. 1997 gegen Dortmund und 1998 gegen – Real Madrid.

«Es wird für mich etwas sehr Besonderes sein. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Turin.» Als Spieler musste Zidane weiterziehen zu Real Madrid, um die Königsklasse 2002 doch noch zu gewinnen. Als Trainer lockt bereits der zweite Triumph innert 18 Monaten.

Eine Tragödie als Initialzündung?

Juventus aber sehnt sich seit 1996 nach einem weiteren Champions-League-Titel. 2003 am ewigen Rivalen Milan gescheitert, folgte 2015 gegen Barcelona die bisher letzte Niederlage in einem Final der Königsklasse. Der Schweizer Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner fungierte vor zwei Jahren noch in der Startformation. Nun muss er sich mit der Rolle als Ersatz von Dani Alves begnügen.

Die Mannschaft um die Altstars Buffon, Chiellini und Bonucci scheint auf einer Mission. Der argentinische Jungstar Paulo Dybala verzückt mit seinen Künsten, sein Landsmann Gonzalo Higuain netzt noch zuverlässiger ein als in Neapel. Dazu kommen die famosen Khedira und Pjanic.

Die Initialzündung für den Sturm auf Europas Spitze sehen einige Insider aber in einem Drama. Der Sohn von Leonardo Bonucci litt an einer schweren Krankheit. Der Verteidiger dachte gar ans Karrierenende. Der (erfolgreiche) Kampf um seinen Sohn hat das Team zusammengeschweisst. Mit dem Titel in der Königsklasse als letzte Krönung.