Schweizer Cup

Die Kleinen und ihre Cup-Träume - Die Amateure hoffen auf den grossen Coup

Der Traum von der Sensation gegen den grossen FC Basel. Luca Thaler auf der Couch in seiner Wohnung in Wohlen. Mario Heller

Der Traum von der Sensation gegen den grossen FC Basel. Luca Thaler auf der Couch in seiner Wohnung in Wohlen. Mario Heller

Der Schweizer Cup bietet Stoff für Märchen! Wir haben sechs Amateur-Fussballer vor ihrem grossen Auftritt gegen die Super-League-Prominenz getroffen. Und liessen sie von ihren kühnsten Träumen erzählen – nämlich, wie sie die Profis aus dem Cup werfen.

Luca Thaler (23) Torhüter, FC Wettswil-Bonstetten: 

«Ich träume davon, dass wir möglichst früh, am besten nach vier oder fünf Minuten, spätestens aber in der zehnten Minute das Führungstor schiessen. Damit überraschen wir den FC Basel und bringen ihn aus seinem Konzept. Von da an stehen wir hinten rein und wehren alles ab, mauern komplett. Da unser Platz nicht allzu breit ist, wird das gehen. Weil der FCB aber doch immer wieder durchkommt, muss einer unserer Verteidiger in letzter Sekunde auf der Linie klären.

Luca Thalers Traum: «Mit einer weiteren Glanzparade pariere ich einen Power-Kopfball von FC-Basel-Captain Marek Suchy.»

Luca Thalers Traum: «Mit einer weiteren Glanzparade pariere ich einen Power-Kopfball von FC-Basel-Captain Marek Suchy.»

Es ist ein spektakuläres Fest ohne Verletzungen. Bei schönem Wetter herrscht super Stimmung unter den vielen Zuschauern. Ich selber kann mich auch noch auszeichnen. Zuerst, weil ich den gegnerischen Schützen bei einem ihnen zugesprochenen Penalty so verwirre, dass er verschiesst.

Danach kommt noch die eine oder andere Glanzparade hinzu. Mit einer davon rette ich gegen Renato Steffen, mit einer weiteren pariere ich einen Power-Kopfball von FCB-Captain Marek Suchy. Seinen Ball lenke ich gerade noch über die Latte. Am Ende gewinnen wir, spielen gar zu null. Das ist ein absoluter Traum. Denn wie oft geht der FCB schon ohne Torerfolg vom Platz?» (cfe)

Marc Wehrli (31) Innenverteidiger, FC Gränichen:

«Vor der Auslosung hatte ich drei Wunschgegner: Luzern, Aarau und eben den FC Sion. Basel und den FC Zürich wollte ich lieber nicht, weil sonst die Sicherheitsauflagen für unseren Klub zu aufwendig geworden wären. Als ich erfahren habe, dass wir auf Sion treffen, sass ich mit Kollegen im Restaurant, wir haben gleich auf das Los angestossen.

Sion schlagen? Nein, da bin ich Realist genug, auch wenn einige Teamkollegen das anders sehen und an die Sensation glauben. Ich stecke mir kleinere Ziele: Erstens wünsche ich mir, dass wir bis zur letzten Sekunde alles geben und uns nicht abschlachten lassen. Wenn wir eine Halbzeit lang ohne Gegentor bleiben, wäre das fantastisch. Mit Marco Schneuwly und Moussa Konaté spielen schliesslich zwei der besten Stürmer in der Schweiz beim FC Sion.

«Wenn Sions Konaté nach dem Spiel einen dicken Hals hat, habe ich einen guten Job gemacht.» Marc Wehrli

«Wenn Sions Konaté nach dem Spiel einen dicken Hals hat, habe ich einen guten Job gemacht.» Marc Wehrli

Apropos Konaté: Er ist Stürmer, ich Innenverteidiger, also werden wir uns wohl ein paar Mal sehen während der Partie. Auf das Duell mit Konaté freue ich mich besonders. Wenn er Lust hat, ist er ein genialer Spieler und nicht zu stoppen. Aber er ist ein launischer Typ, ich denke, er lässt sich schnell provozieren. Darauf lege ich es an. Wenn er nach dem Spiel einen dicken Hals hat, habe ich einen guten Job gemacht.» (Wen)

Yves Weilenmann (21) Rechtsverteidiger, FC Baden: 

«FC Baden - St. Gallen? Das ist für mich ein Traumlos! Endlich bietet sich uns die Gelegenheit für eine Revanche. Wir spielten im Cup schon vor drei Jahren gegen St. Gallen und verloren damals leider 0:3. Wir haben also noch eine Rechnung offen. Natürlich sind wir auch diesmal Aussenseiter.

Aber wer weiss? Wenn wir defensiv kompakt stehen, mutig, offensiv, ja frech spielen und im entscheidenden Moment zuschlagen, ist eine Sensation möglich. Aber klar: Wollen wir eine Chance haben, muss alles perfekt laufen. Persönlich freue ich mich vor allem auf Tranquillo Barnetta! Ich war schon als kleiner Junior ein grosser Fan des Mittelfeldspielers und habe seine Karriere in der Schweiz und in Deutschland verfolgt.

« Als St. Gallens Barnetta noch für die Schweizer Nationalmannschaft spielte, trug ich sein Trikot.» Yves Weilenmann

« Als St. Gallens Barnetta noch für die Schweizer Nationalmannschaft spielte, trug ich sein Trikot.» Yves Weilenmann

Als Barnetta noch für die Schweizer Nationalmannschaft spielte, trug ich sein Trikot. Und jetzt, Jahre später, darf ich mit dem FC Baden gegen mein Vorbild antreten. Solche Duelle sind nur im Cup möglich. Natürlich wäre es schön, wenn ich mit Barnetta nach dem Spiel das Trikot tauschen könnte.» (Ruku)

Nicolas Kehrli (34) Innenverteidiger, FC Breitenrain:

«Gleich geht es los. Ich sehe den ausverkauften ‹Spitz› und denke: Allein schon im Cup ein Stadtderby gegen YB zu haben, ist ein Traum. Ich bin seit meiner Kindheit ein Riesenfan von YB und habe dort selber drei Jahre im Eins gespielt. Aber gewinnen wollen wir natürlich trotzdem. Und unser Matchplan funktioniert, denn wir kassieren kein frühes Gegentor.

Nicolas Kehrli: «Ich denke: Wie erkläre ich das nur meinem Sohn? Er ist glühender YB-Fan  . . .»

Nicolas Kehrli: «Ich denke: Wie erkläre ich das nur meinem Sohn? Er ist glühender YB-Fan . . .»

Als Verteidiger habe ich viel mit Hoarau zu tun und kann verhindern, dass er die Bälle auf seine Mitspieler ablegt. Wir haben viel Selbstvertrauen, denn beim Burkhalter-Cup haben wir YB geschlagen. Nach einer Stunde steht es noch immer 0:0. Obwohl die meisten Zuschauer hoffen, dass YB gewinnt, spüre ich, dass sie von unserer Leistung angetan sind. Wir verstecken uns nicht. In einem solchen Spiel kennt man keine Müdigkeit.

Die Zeit verrinnt und YB wird nervös, weil die Verlängerung droht. Zwei Minuten vor Schluss tritt unser Marco Hurter einen Corner. Ich schleiche mich in den Strafraum und sehe, wie der Ball genau in meine Richtung fliegt. Ich treffe ihn optimal mit dem Kopf, von Ballmoos streckt sich vergeblich − 1:0! Die Sensation ist perfekt. Über mir liegen die jubelnden Mitspieler. Ich denke: Wie erkläre ich das nur meinem Sohn? Er ist glühender YB-Fan …» (br)

Eric Ampola (47) Trainer, FC Chippis

«Die Vorfreude ist gross. Wir haben viel geredet, sind das Gesprächsthema Nummer 1 im Dorf. Das Spiel ist ein Fest für uns, für den Verein und für die Region. Doch erst mit dem Anpfiff realisiert meine Mannschaft, wen wir da wirklich vor uns haben. Unser Ziel ist eigentlich, erst mal nicht unterzugehen.

Schliesslich spielen wir vier Ligen tiefer als unser heutiger Gegner. Vor zwei Jahren waren wir noch in der 3. Liga. Ich freue mich heimlich ein wenig, dass Zürich nur mit der B-Elf antritt. Die sind zwar immer noch sehr stark, aber ich weiss jetzt: Wir haben eine Mini-Chance. Vor dem Spiel motiviere ich meine Jungs, indem ich ihnen sage, wer da heute alles zuschaut. ‹Seid mutig und beherzt, habt keine Angst, habt Spass. Geniesst diesem grossen Moment›, sage ich.

«Ich freue mich heimlich ein wenig, dass der FCZ nur mit der B-Elf antritt.» sagt Eric Ampola zu seiner Ausgangslage

«Ich freue mich heimlich ein wenig, dass der FCZ nur mit der B-Elf antritt.» sagt Eric Ampola zu seiner Ausgangslage

Dann geht es los. Meine Mannschaft zeigt eine unglaubliche Teamleistung. Alle geben ihr Bestes. Man sieht, dass wir schon lange zusammen spielen. Unser Goalie Carlos Olivera Valente hat einen Super-Tag, er hält mehrfach mirakulös. Kurz vor Schluss trifft irgendwer zum 1:0. Ich weiss vor lauter Freude gar nicht wer. Dann ist Schluss. Die Sensation ist perfekt und in Chippis wird man noch ewig von diesem Tag sprechen.» (jwe)

Dejan Rakitic (33) Trainer, NK Pajde Möhlin

«Ich träume davon, dass wir uns gut verkaufen, dass die Leute denken, ‹dieses Team hat Qualität, die können richtig gut kicken›. Ich wünsche mir, dass wir so lange wie möglich mithalten, weil schon alleine das Duell gegen ein Team aus der Super League ein Traum ist und etwas, das bei uns noch keiner erlebt hat.

Dejan Rakitic (rechts): «Weil es lange 0:0 bleibt, wird Lausanne hinten etwas mehr aufmachen müssen.»

Dejan Rakitic (rechts): «Weil es lange 0:0 bleibt, wird Lausanne hinten etwas mehr aufmachen müssen.»

Wir werden nicht offen gegen sie spielen, sondern das Spiel so lange wie möglich offen halten. Und das schaffen wir mit unseren bewährten Mitteln: kompakt stehen und die Räume eng machen, vor allem in unserer eigenen Hälfte. Weil es lange 0:0 bleibt, wird Lausanne hinten etwas mehr aufmachen müssen. Dadurch entstehen Räume, die wir nutzen und Konter fahren können. Und dann muss der Ball über die Linie. Es muss kein schönes Tor sein.

Von mir aus kann es auch ein Eigentor sein. Aber es ist ein Tor. Eines mehr als der Gegner. Ein Treffer kurz vor Schluss wäre am schönsten und emotionalsten. Ich träume von einem 1:0 und dem Weiterkommen.» (cfe)

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