Ski alpin
Die Jungen drängen langsam aber sicher nach oben

Die beiden jungen Ski-Nachwuchsathleten Ralph Weber und Niels Hintermann kämpfen sich mit kleinen Schritten nach vorne. Doch das Ziel ist klar: Beide wollen in der Abfahrt an die Weltspitze.

Richard Hegglin, Val Gardena
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Ralph Weber während der Lauberhorn-Abfahrt im Januar 2015.

Ralph Weber während der Lauberhorn-Abfahrt im Januar 2015.

Keystone

Das Abfahrtsteam glich im Herbst einem Lazarett: Von den besten zwölf im Ranking waren elf verletzt. Die Hierarchie gerät durcheinander, Junge drängen nach oben – wie Ralph Weber (22) oder Niels Hintermann (20). Weber gibt nach einem Innenbandriss im Knie sein Weltcup-Comeback. Hintermann, ein Unverletzter, bestreitet sein zweites Rennen. Die Gleiterstrecke im Val Gardena wäre auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten.

Die zwei haben eine ähnliche Biografie. Beide sind Flachländer, der eine ist aus Gossau SG, der andere aus Bülach im Kanton Zürich. Beide sind ziemliche Brocken, Weber ist 1,87 m gross und 104 kg schwer, Hintermann 1,89 m und 94 kg. Und beide holten bei den Junioren WM-Medaillen. Weber war Super-G-Weltmeister und Abfahrts-Zweiter 2012, Hintermann WM-Dritter 2015.

Es happert bei der Technik

Und noch in einem Bereich sind Weber und Hintermann deckungsgleich: Im Gegensatz etwa zu einem Carlo Janka, der sich im Geradeausfahren immer noch schwertut, sind der St. Galler und der Zürcher gegnadete Gleiter, aber mittelmässige Techniker. In der Abfahrt stehen sie in der FIS-Liste auf den Plätzen 38 und 66, sind damit formell dritt- und achtbester Schweizer. Im Riesenslalom figurieren jedoch beide nicht unter den Top 1000 – eine unglaubliche Diskrepanz. Dabei gilt der Riesenslalom als Basisdisziplin im Skisport.

«Ich bin schon besser als mein Ranking auf der FIS-Liste», findet Ralph Weber. «Meine Verletzungen hinderten mich, ausreichend FIS-Rennen zu fahren». So bestritt er seit 2012, als er Junioren-Weltmeister wurde, gerade einmal fünf Riesenslaloms. «Deshalb», so Weber, «sind die Punkte ‹raufgeschossen›.» Er stürzte auf den 1432. Platz der FIS-Liste ab und wäre formell nur der 103. Schweizer.

«Ich habe grosse Fortschritte gemacht», ist Weber überzeugt. Im Sommer verzichtete er auf das Südamerika-Training und übte auf heimischen Gletschern zusammen mit Nils Mani intensiv Riesenslalom. «Uns stand je ein Trainer zur Verfügung, so konnten wir individuell an der Technik feilen. Das hat mehr gebracht als ein Training in Übersee, wo der Fahrplan den Besten angepasst wird und wir immer einen Schritt hinterherhinken.»

Männer-Chef Tom Stauffer: «Wir versuchen, so individuell wie möglich zu trainieren, um die persönlichen Schwächen zu korrigieren.» Darauf war auch Webers Aufbauprogramm nach seinem Innenbandriss im Oktober ausgerichtet. Er nahm – um das Selbstvertrauen zu fördern – im Dezember auf der selben FIS-Piste im Val Gardena (auf der Rückseite des Weltcup-Berges) seine Renntätigkeit auf, wo er schon im März gefahren und auf dem Podest gestanden war. Die Abfahrt am Samstag wird das zehnte Rennen an diesem Ort binnen kürzester Zeit sein. Anderswo startete er nur viermal. «Solche Details sind hilfreich», sagt Weber, «man kennt das Gebiet, die Pisten, die Tagesabläufe.» Im Abschlusstraining war Weber, dessen bestes Weltcup-Resultat ein zehnter Rang ist, hinter Marc Gisin zweitbester Schweizer.

Hintermann zahlt noch Lehrgeld

Niels Hintermann, der in Engelberg die Hotelfachschule und im Hotel Ramadan ein Praktikum absolviert, befindet sich primär auf Erkundungsreise. Wie die Ex-Weltmeister Peter Müller und Urs Lehmann stammt er vom Skiclub Zürileu, ist aber schon lange Mitglied des innovativen Skiclubs Hausen am Albis. Zürcher bekommen den «Grundspeed» offenbar in die Wiege gelegt. Im ersten Training im Val Gardena verlor er 5,76 Sekunden, im zweiten nur noch 2,21 Sekunden und war damit – wenn auch auf bescheidenem Niveau – drittbester Schweizer.

Woran haperts hauptsächlich? «Eigentlich an allem», antwortet Hintermann selbstkritisch: «An der Technik, der Linienwahl und der Abstimmung, obwohl das zurzeit das kleinste Problem ist. Da hilft nur Trainieren, Trainieren, Läufe fahren, Kilometer sammeln und immer wieder Selbstanalysen machen.» Er sei keiner, der immer zum Trainer renne und frage, was er falsch gemacht habe: «Vielmehr hole ich von ihm eine Art Zweitmeinung ein.» Seine Erkenntnis nach den beiden Trainingsfahrten: «Ich muss Lehrgeld zahlen, und das zahle ich gerne.»

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