Topleistungen an den Titelkämpfen
Die Schweizer Leichtathleten stürmen in Riesenschritten in Richtung Tokio

An den Schweizer Meisterschaften in Langenthal holen sich weitere Leichtathleten das Olympia-Ticket. Im Besten Fall vertreten 25 Sportlerinnen und Sportler Swiss Athletics in Japan.

Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
Jedes Duell wird zum Hundertstel-Krimi: Ditaji Kambundji (links) gewinnt an den Schweizer Meisterschaften hauchdünn vor Noemi Zbären (rechts).

Jedes Duell wird zum Hundertstel-Krimi: Ditaji Kambundji (links) gewinnt an den Schweizer Meisterschaften hauchdünn vor Noemi Zbären (rechts).

Peter Klaunzer / KEYSTONE

In zwei Tagen wird abgerechnet. Nach dem internationalen Meeting in Luzern am Dienstag weiss man, welche Schweizer Leichtathletinnen und Leichtathleten an den Olympischen Spielen in Japan teilnehmen werden. Neben dem Weg über die offiziellen Limiten öffnet auch ein guter Platz im sogenannten World Ranking die Türe nach Tokio. Philipp Bandi, Leistungssportchef von Swiss Athletics, sagt, die Delegation werde im Minimum aus 17 und im besten Fall sogar aus 25 Athleten bestehen.

Lea Sprunger auf dem Weg zum letzten Karriereziel in Tokio.

Lea Sprunger auf dem Weg zum letzten Karriereziel in Tokio.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Eine starke Olympia-Truppe wird die Schweiz in den vier Hürdenrennen stellen. Mit ihrem Schweizer Rekord von der WM 2019 in Doha über 400 m Hürden muss sich Lea Sprunger keine Gedanken über die Selektion machen. Dennoch war der Auftritt in Langenthal für die amtierende Europameisterin nach einer hartnäckigen Achillessehnenverletzung eine auch mental wichtige Standortbestimmung. Die 31-Jährige blieb zwar in 55,16 rund eine Sekunde hinter ihrer Bestzeit zurück, trotzdem zeigte sich Sprunger mit dem Comeback zufrieden. Es fehle ihr noch etwas der Mut, um voll durchzuziehen, sagte Sprunger. Die Romande sieht sich jedoch auf dem Weg in Richtung letztes Karriereziel im Fahrplan.

Hussein so stark wie nie mehr seit vier Jahren

Beendet ist die Rechnerei auch für Sprungers männliches Pendant Kariem Hussein. Der Hürden-Europameister von 2014 ist definitiv zurück: der 32-Jährige blieb erstmals seit vier Jahren wieder unter 49 Sekunden und so auch unter der Olympia-Limite. Seine Siegerzeit von 48,84 ist sogar schneller als bei seinem EM-Titel. Hussein sagte, er habe einen Kampf mit ungewissem Ausgang hinter sich. «Zeitweise konnte ich kaum joggen, geschweige denn schnell rennen.» Es sei ein echter Charaktertest gewesen und er habe gelernt, auf den Körper zu hören. Für Tokio sieht der Thurgauer weiteres Steigerungspotenzial. Es sei erst sein dritter Wettkampf der Saison gewesen und er habe bislang kaum qualitativ trainieren können. «Mit diesen Leistungen kommt automatisch auch das Selbstvertrauen.»

Kariem Hussein jubelt über die beste Zeit seit vier Jahren.

Kariem Hussein jubelt über die beste Zeit seit vier Jahren.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Ein Stein, aus seiner Sicht sogar ein Felsbrocken, vom Herzen fiel in Langenthal auch Jason Joseph. Der 22-jährige Baselbieter trainierte zwar in den USA so professionell wie noch nie, aber die gefühlten Fortschritte widerspiegelten sich einfach nicht in den Zeiten. Im Gegenteil: bis zur SM wurde Joseph über die 110 m Hürden langsamer und langsamer. Auch der Halbfinal gab ihm nicht die notwendige Sicherheit. «Ich war vor dem Final brutal nervös, denn ich wusste, dass ich mit solchen Zeiten nicht gewinnen werde», sagte der U23-Europameister. Doch plötzlich klappte es wieder mit der Schnelligkeit. Mit etwas zu viel Rückenwind kam Joseph auf 13,37 Sekunden – die viertbeste Zeit seiner Karriere. Damit darf auch er für Japan planen.

Vielleicht sogar zu zweit werden die Hürdensprinterinnen bei Olympia aufkreuzen. Dass sich die junge Ditaji Kambundji und die routinierte Noemi Zbären in dieser Saison auf Augenhöhe duellieren, bewiesen sie auch in Langenthal. Kambundji setzte sich in 13,03 mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung durch. Weil die 19-jährige Bernerin die erste Hürde touchierte, entwickelte sich der Lauf für die explosive Starterin für einmal zur Aufholjagd. Nun will die Jüngste der Kambundji-Schwestern in Luzern ihre Bestzeit ein letztes Mal angreifen und sich damit das definitive Tokio-Ticket sichern.

Salome Lang fliegt zum Rekord über 1,97 m

Höhepunkt der Schweizer Meisterschaften war der erneute nationale Rekord von Hochspringerin Salome Lang. Die 23-jährige Baslerin übersprang vor einer Woche bei der Team-EM 1,96 m und knackte die Olympia-Limite. In Langenthal ging es für sie nun noch einmal einen Zentimeter höher. «Jetzt will ich den Weg nach Tokio geniessen und alles rund um die Olympischen Spiele aufsaugen», sagte die überglückliche Salome Lang.

Salome Lang überspringt 1.97 m, den neuen Schweizer Rekord im Hochsprung.

Salome Lang überspringt 1.97 m, den neuen Schweizer Rekord im Hochsprung.

Peter Klaunzer / KEYSTONE